Nach Notfall in Lichtenstein: Was die Bergwacht in Pfullingen für den Ernstfall rät

Einsatz bei Schloss Lichtenstein: Die Bergwacht Pfullingen half dabei, eine ältere Frau aus dem Gelände zu bringen.
Bergwacht PfullingenVor wenigen Tagen sorgte eine Schlagzeile aus Lichtenstein bundesweit für Aufsehen: Eine Familie war auf einem Wanderweg im Bereich des Lichtensteiner Schlosses in eine missliche Lage geraten. Zuvor hatte es geregnet und die Route, die die vierköpfige Familie eingeschlagen hatte, war rutschig und stellenweise gefährlich glatt geworden. Unterwegs waren zwei Frauen im Alter von 38 und 86 Jahren und zwei 8- und 13-jährige Mädchen, die auf einem schmalen Pfad ins Tal wandern wollten. Einige von ihnen kamen immer wieder zu Fall. Die Gruppe realisierte wenig später: Hier geht es nicht mehr weiter. Also alarmierten sie die Rettungskräfte.
Ebendiese Hilfstruppe bestand nicht nur aus Krankenwagen und Polizei, sondern auch aus der Pfullinger Bergwacht, die dank der übermittelten Koordinaten schnell vor Ort war. Während ein Teil der Familie ihre Route langsam fortsetzen konnte, wurde eine 86-Jährige durch die Bergwacht beim Abstieg unterstützt und im weiteren Verlauf mit einer Trage abtransportiert.
Keine Lebensgefahr, keine schweren Verletzungen
„Es bestand keine Lebensgefahr und es gab auch keine schwerverletzten Personen. Vielmehr herrschte bei den Betroffenen Unsicherheit aufgrund mehrerer leichter Stürze“, erklärt Andreas Dillmann, Pressesprecher der Pfullinger Bergwacht, auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Aktuell seien die Wege durch die ergiebigen Regenfälle und starken Winde der letzten Monate teilweise stark ausgewaschen und würden durch quer liegende Bäume zusätzlich erschwert.
Die Bergwacht appelliere deswegen ganz generell, unübersichtliche oder beschädigte Wege zu meiden, beziehungsweise den Weg nicht fortzusetzen und bei Bedarf rechtzeitig Hilfe zu rufen. Also in etwa so, wie es jetzt in Lichtenstein der Fall war. Auch eine gute Vorplanung kann in solchen Fällen schon einen Unterschied machen. „Das eigene Können, die Kondition von sich und der Gruppe richtig einschätzen, die Wettervorhersage beachten, bei hohen Temperaturen ausreichend Pausen einplanen und viele Getränke mitnehmen“, listet Dillmann als einfache Maßnahmen auf. „Und Wege, die wegen starker Regenfälle oder Sturmschäden gesperrt sind, sollten keinesfalls betreten werden.“
Wer dann doch in eine missliche Lage gerät, sollte in jedem Fall versuchen, einigermaßen ruhig zu bleiben. Es sei wichtig, bei einem Notruf nicht vorzeitig aufzulegen und alle Anweisungen der Leitstelle zu befolgen. Eine grobe Orientierung kann laut Dillmann entscheidend sein. „Während der Tour sollte man versuchen, sich etwas zu orientieren. Wanderwege sind im Wald gut ausgeschildert“, so der Pressesprecher. Es gebe an Kreuzungen immer wieder Hinweise, wie weit es beispielsweise noch zum Schloss Lichtenstein ist.
Wanderweg hat „alpinen Charakter“ bekommen
„Man findet auf der Schwäbischen Alb auch immer wieder Rettungspunkte der Bergwacht, die eine Nummer haben, zum Beispiel ‚Rettungspunkt 65‘“, führt Dillmann aus, „diese Rettungspunkte sind bei uns in einer Landkarte erfasst und wir wissen genau wo diese sind“. Gleichwohl freue es ihn und die Pfullinger Bergwacht, dass viele Menschen Freude an der Natur haben und sich draußen bewegen. „Dennoch sollten die Touren mit einem gewissen Respekt und der nötigen Vorsicht geplant werden“, betont Dillmann.
Es ist freilich nicht der einzige Vorfall, zu dem die Retter unterm Jahr gerufen werden: Die Bergwacht Pfullingen ist allein drei- bis fünfmal im Jahr rund um das Schloss Lichtenstein im Einsatz. „Das Schloss und die umliegenden Wanderwege sind ein Tourismusmagnet. Oft werden die Wanderwege, vor allem unterhalb des alten Lichtensteins unterschätzt“, erklärt Dillmann. „Der Wanderweg ist schmal, durch anhaltende Regenfälle etwas abgerutscht und erhält dadurch einen alpinen Charakter.“
Anhaltspunkte sind wichtig für die Ortung
Wer sich dennoch verstiegen hat oder sich unsicher ist, sollte lieber ein Mal mehr als ein Mal zu wenig die Rettungskräfte über den Notruf 112 alarmieren und dann gut beschreiben können, wo er sich gerade aufhält. Dabei können schon grobe Anhaltspunkte wie ein steiler Weg oder die Sichtbarkeit eines erhöhten Punktes in der Landschaft helfen – etwa das Schloss Lichtenstein. „Keinesfalls aber sollten Wanderer im Gelände auf eigene Faust Experimente wagen und die befestigten Wege verlassen“, mahnt Dillmann.

