Nach einjähriger Windmessung: Zu wenig Wind – keine Windräder in Reutlingen und Pfullingen

Der Reutlinger Gemeinderat hatte sich nur mit knapper Mehrheit für die Planung von Windrädern am Käpfle ausgesprochen - nun ist klar, dass diese nicht gebaut werden.
Federico Gambarini/dpa- Windmessung am Käpfle ergab zu wenig Wind – der geplante Windpark wird nicht gebaut.
- Reutlingen, Pfullingen und Schöller SI bewerteten die Daten gemeinsam und stoppten das Projekt.
- Die gemessene mittlere Windgeschwindigkeit lag deutlich unter dem Windatlas Baden-Württemberg.
- Messzeitraum: Juni 2025 bis Juni 2026 mit LiDAR, geprüft von Fachbüro und Windgutachter.
- Bürgermeister betonen Transparenz des Prüfprozesses und wollen neue Chancen für Erneuerbare prüfen.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Die Städte Reutlingen und Pfullingen und die Schöller SI Erneuerbare GmbH haben die Ergebnisse gemeinsam bewertet und kamen zu dem Ergebnis, dass der geplante Windpark auf der Vorrangfläche RT-TÜ-01 mit den gegebenen Rahmenbedingungen nicht weiterverfolgt werden kann. Das erklären die beiden Städte sowie das Unternehmen am Dienstag in einer Pressemitteilung.
Den Einstieg in das mehrstufige Verfahren zur Realisierung eines Windparks bildete die gemeinsame Auswahl eines Projektierers in einem umfassenden und transparenten Interessenbekundungsverfahren. Die Städte Reutlingen und Pfullingen entschieden sich für Schöller SI und schufen mit den entsprechenden Gemeinderatsbeschlüssen die Voraussetzungen für einen Windpark mit vier Windenergieanlagen auf der Vorrangfläche. Schöller SI erhielt damit die Möglichkeit, die Fläche im nächsten Schritt eingehend auf ihre Eignung zu prüfen.
Unter den Werten aus dem Windatlas
Voraussetzung für die weitere Entwicklung war eine Windmessung vor Ort, die Aufschluss darüber geben sollte, ob die Windverhältnisse am Käpfle einen wirtschaftlichen Betrieb zulassen. Das stufenweise Vorgehen hat sich bewährt: „Die Entscheidung erfolgt auf Grundlage belastbarer Messdaten, bevor Flächen in Anspruch genommen oder weitergehende Investitionen getätigt wurden“, heißt es in der Pressemitteilung.
Die Messung wurde von Juni 2025 bis Juni 2026 mit einem LiDAR-Messgerät durchgeführt, das die Windverhältnisse bis in Nabenhöhe erfasst. Die Durchführung lag bei einem Fachbüro, die Ergebnisse wurden von einem Windgutachter geprüft. Die gemessene mittlere Windgeschwindigkeit liegt laut Mitteilung deutlich unter den Werten des Windatlas Baden-Württemberg, auf deren Grundlage die Fläche ausgewiesen und das Projekt geplant worden war. Auch nach Abgleich mit langjährigen Winddaten bleibt die Abweichung erheblich, sodass ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlagen unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht möglich ist.
Das sagen die Bürgermeister
„Die lokale und regionale Erzeugung nachhaltiger Energie ist wichtig für die weitere Entwicklung Reutlingens und der Region. Die Windmessungen auf Pfullinger und Reutlinger Gebiet haben ergeben, dass ein Bau von Windenergieanlagen in diesen Bereichen nicht sinnvoll erscheint“, wird Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck, in der Mitteilung zitiert. „Nichtsdestotrotz müssen wir das Thema erneuerbare Energien und deren Potenziale in Stadt und Region im Blick behalten und aktiv werden, wenn sich neue Möglichkeiten bieten.“
Bürgermeister Stefan Wörner, Stadt Pfullingen: „So sehr wir es bedauern, dass die Realisierung des Windparks Käpfle aufgrund der mangelnden Wirtschaftlichkeit nun doch nicht erfolgen kann, ist es uns als Stadt Pfullingen ein Anliegen zu betonen, dass der Prüfprozess in den vergangenen Monaten gut und sinnvoll war – sowohl aus Sicht der potenziellen Investoren als auch aus kommunaler Sicht. Genau so kann Transparenz für Projekte dieser Größe geschaffen werden.“ Im Sinne des Ausbaus der erneuerbaren Energien hier vor Ort und nicht zuletzt auch mit Blick auf den städtischen Haushalt hätte man gerne weiter an der Entstehung des Windparks gearbeitet. „Auch wenn im Ergebnis nun keine Umsetzung erfolgt, danke ich allen Beteiligten für die gewissenhafte Zusammenarbeit.“
Auch die Schöller SI Erneuerbare GmbH bedauere dieses Ergebnis, zumal das Projekt in beiden Städten breit diskutiert und von vielen unterstützt wurde. „Eine Windmessung hat genau diesen Zweck: Sie schafft Klarheit, bevor eine Investitionsentscheidung dieser Größenordnung getroffen wird. Den beiden Städten und ihren Verwaltungen danken wir für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit.“
Ablehnung in Bronnweiler, Gönningen und Ohmenhausen
Die Nachricht, dass am Käpfle in Reutlingen kein Windpark entstehen wird, wird in manchen Stadtbezirken für Erleichterung sorgen. Zumindest bei einem Teil der Bürgerinnen und Bürger, die sich im Vorfeld der Abstimmung des Gemeinderats gegen die geplanten Windräder ausgesprochen hatten. In Bronnweiler hatte der Bezirksgemeinderat die Pläne von Stadt und Schöller SI einstimmig abgelehnt. In Ohmenhausen und Gönningen wurden diese mit großer Mehrheit abgelehnt.
Dabei kam Schöller SI der Skepsis der Bürger bereits entgegen und plante nur noch vier statt fünf Windräder am Käpfle; zwei auf Reutlinger und zwei auf Pfullinger Gemarkung in einem interkommunalen Windpark. Mit 22 Ja- und 18 Nein-Stimmen votierte der Reutlinger Gemeinderat im November dafür, die Planungen und Untersuchungen weiter zu verfolgen. Ein möglicher Bau des Windparks wäre frühestens ab 2028 infrage gekommen – nun ist dieser Prozess vorzeitig abgeschlossen.

