Modellbahn-Schau in Eningen: Kleine Schätze auf 377 Metern Schiene

Wo sich das „Schweizer Krokodil“ in Grün, ein Güterexpress, der ICE und die große Tender-Dampflok 99804 begegnen: Das gibt es nur bei den Modellbahnern.
Jürgen Herdin- Modellbahn-Schau in Eningen: „Mist72“ präsentierte 377 Meter Schienen voller digitaler und analoger Züge.
- Besucher durften eigene Züge mitbringen und an einer „OP-Station“ reparieren lassen.
- Highlights: Schweizer „Krokodile“, ein 3-Meter-ICE 4 und die US-Dampflok „Big Boy“.
- Verein hat 28 Mitglieder, Nachwuchssorgen durch Konkurrenz von Smartphone und Playstation.
- Solidaritätsaktion mit Märklin: Sonderwagen zugunsten historischer Eisenbahnen für 23 Euro.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer nennt seinen Verein eigentlich „Mist“? Leute, die die passionierten Modell-Eisenbahn-Freunde aus der Region noch nicht kannten, erfuhren dies an den beiden Tagen der „langen Gleise“ am Wochenende in Eningen. „Mist72“ ist das Kürzel für „Märklin-Insider-Stammtische“, die „72“ bezeichnet die Postleitzahl, in deren Region der engagierte Modellbauverein aktiv ist. Aus den Raumschaften Tübingen und Reutlingen stammen derzeit 28 Enthusiasten, die sich auf die Welt der Modelleisenbahnen spezialisiert haben.
Der Verein hat seinen Sitz in Eningen – und legte in der Arbachtalstraße bei seiner Show am Wochenende einmal mehr einen neuen Rekord hin: Die Züge und deren Wagen verkehren mittlerweile auf einer Länge von 337 Metern. 1860 Gleisstücke waren hierfür nötig – sowie viel Fleiß und Liebe zum Modellbau. Voll digitalisiert läuft es bei den hiesigen Stammtischlern um deren Vorsitzenden Alfred Großmann schon lange. Auf einer Art „Kommandobrücke“, der Schaltzentrale an der Stirnseite des Parcours, befindet sich neben allerlei Technik ein Monitor, auf dem sich via Kameras im Raum vier Positionen gleichzeitig überwachen lassen.
Auf der Strecke gingen neben den modernsten, digital gesteuerten Zügen, wie dem ICE 4, auch herkömmliche analoge Züge im Maßstab „HO“ - also 1:87 - auf die Reise. Und das ganz Besondere dieser Schau werden sich künftige Besucher jetzt schon notieren: „Sie können ihre eigenen Züge mitbringen, die stellen wir dann auch auf die Gleise. Außerdem gibt es eine ‚OP-Station‘. Dort werden die kleinen Lieblinge auf Schienen repariert.“ Das verriet Hubert Junger. Der Sprecher von „Mist72“ erläuterte auch, weshalb am Publikum immer wieder ein über drei Meter langer ICE 4-Lindwurm mit allerlei Namensschildern vorbeifuhr.
Jede der 20 Loks einzeln ansteuern
Es geht ums „Wir-Gefühl“. Identitätsstiftend trägt jeder Wagen den Namen eines Vereinsmitglieds. Deren 27 waren es. „Einer fehlt noch, der wird nachgereicht“, sagt der Eninger Oliver Grimm, der seit drei Jahren mit dabei ist. Es ist also ein vergleichsweise kleines Bündnis, das sich hier mit Leidenschaft und viel Liebe zum Detail dem Modellbau verschrieben hat. „Passive Mitglieder“ gibt’s keine; wohl aber Nachwuchs-Sorgen. Wie fast überall haben Kinder ihre Technik-Erstkontakte eher mit Playstation und Smartphone, weniger indes mit den auf putzig geschrumpften Dampfrössern.
Und so erfahren die Kleinen oft gar nichts von den roten Schienenbussen, Modell VT 97, in denen ihre Urgroßeltern bis in die 1980er-Jahre „in echt“ durchs Land transportiert wurden; und auch nichts von den wuchtigen Loks der Union Pacific Railroad, die bis zu 100 Güterwagen am Stück durch die USA zogen. Dabei gibt es bei „Mist72“ ebenfalls eine Menge Hightech zu erleben. Auf den Gleisen sind mehrere Eisenbahnen gleichzeitig unterwegs. „Jede der bis zu 20 Loks können wir einzeln ansteuern“, erklärt Hubert Junger; und das funktioniert längst auch mit Smartphones.

„Eisenbahn-Romantik muss bleiben“: Oliver Grimm (links) und Hubert Junger von „Mist72“ haben sich auch einen der Solidaritätswagen von Märklin und dem SWR-Eisenbahner-Urgestein Hagen von Ortloff gesichert.
Jürgen HerdinStolz sind die Eninger, dort wurde der Verein 2014 offiziell aus der Taufe gehoben, auf ihre Big Boys, den Giganten unter Dampf aus den USA der 1940e- Jahre. Auch die „Krokodile“ aus der Schweiz und Deutschland waren auf der Schau ein Hingucker. Faszination Eisenbahn: Zur Liebe mit den Schätzchen auf Schienen gehört auch die Solidarität mit den Bahnen in Originalgröße.
Märklin brachte unlängst gemeinsam mit der Initiative „Eisenbahn-Romantik muss bleiben!“ einen exklusiven Sonderwagen für bezahlbare 23 Euro heraus. Mit diesem Projekt unterstützen die Göppinger und der bekannte Fernseh-Eisenbahner Hagen von Ortloff vom SWR die Eisenbahnfreunde, deren historischer Lokschuppen in Crailsheim im Oktober 2025 ein Raub der Flammen geworden war. Und natürlich war der Solidaritäts-Sonderwagen auch in Eningen zu haben.
