Mehr als 2000 Euro gesammelt: So will ein Reutlinger Student Erdbebenopfern vor Ort in Marokko helfen
Als vergangene Woche in Marokko die Erde bebte, war Younes Iggoute klar, dass er helfen möchte. Der Student ist in Reutlingen geboren und aufgewachsen, doch in Marokko liegen seine Wurzeln: Seine Eltern stammen aus dem nordafrikanischen Land, auch Familienangehörige hat der 28-Jährige dort.
Knapp 50 000 Häuser in weiten Teilen des Landes sind komplett oder teilweise eingestürzt, fast 3000 Menschen sind gestorben (Stand Freitag, 15. September). Iggoute erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, dass auch Mitglieder seiner Familie ihr Zuhause verloren haben – körperlich gehe es ihnen aber gut, sagt er: „Meine Familie hatte so weit Glück.“
Auf der Online-Plattform „Gofundme“ begann er, Geldspenden zu sammeln – zunächst spendeten Bekannte und Familienangehörige und wer nicht viel Geld geben konnte oder wollte, verbreitete die Aktion weiter. Das hatte Erfolg: Nach nur drei Tagen hatte Younes Iggoute mehr als 1800 Euro gesammelt, zusammen mit einigen anderen Spenden, die nicht über die Plattform liefen, hat er inzwischen mehr als 2000 Euro zusammen.
Spenden vor Ort verteilen
Ihm sei klar, dass es wohl auch Spendenaufrufe gebe, die nicht seriös seien, erklärt der Reutlinger. Deshalb bemüht sich Iggoute um Transparenz: In der nächsten Woche möchte er nach Marokko fliegen und dort die Spendengelder so einsetzen, dass direkt vor Ort geholfen werden kann. In diesen Prozess möchte er denen, die gespendet haben – oder es noch vorhaben – Einblick gewähren: Über seinen privaten Instagram-Account wird er Fotos und kurze Videos aus Marokko posten.
Vor Ort brauche es wohl vor allem die medizinische Erstversorgung der Verletzten und auch für Schlafplätze muss gesorgt werden: Deswegen will Younes Iggoute wohl Zelte und Schlafsäcke vor Ort besorgen, genauso wie warme Kleidung – denn bereits jetzt im Frühherbst könne es gerade nachts schon sehr kalt werden.
Abgelegene Orte als Ziel
Konkret erzählt Iggoute von einem Frauenhaus in Marokko, das er kennt: „Dort konnten aktuell 60 bis 70 Frauen und Kinder untergebracht werden. Mit den bisherigen Spenden könnte ich dort helfen.“
Allgemein geht es ihm auch darum, abgelegenen Orten im Land zu helfen – etwa der Provinz Ouarzazate, der Kleinstadt Amizmiz und dem Dorf Asni.
Gegen Mitte kommender Woche will er nach Marokko fliegen, sich „selbst ein Bild machen“, wie er sagt – und nach seiner Rückkehr hofft Iggoute, eine noch größere Spendenaktion auf die Beine stellen zu können. Hierfür will er die Reutlinger Stadtverwaltung um Hilfe bitten und auch bei größeren Firmen in der Region wegen Spenden anfragen.
Younes Iggoute weiß: Die Not ist gerade groß an vielen Orten in der Welt: In Libyen sind aktuell mehr als 11 000 Menschen wegen Überschwemmungen gestorben, das Erdbeben in der Türkei und Syrien am 6. Februar kostete wohl mehr als 60 000 Menschen ihr Leben und auch der Krieg in der Ukraine geht weiter. Deshalb stellt der 28-Jährige klar: „Wenn jeder seinen Teil beiträgt, kann man viel verändern.“ Er versucht es – in Marokko.
Geldspenden weiterhin möglich
Die Spendenaktion von Younes Iggoute aus Reutlingen auf „Gofundme“ läuft weiter. Auf www.gofundme.com/f/morocco-quake-relief-rebuilding-together kann weiter Geld gespendet werden. Sachspenden sind aktuell noch nicht umsetzbar – doch Iggoute möchte versuchen, dies nach seiner Rückkehr aus Marokko umzusetzen. Hierzu möchte er vielleicht noch eine geeignete Räumlichkeit finden.


