Markus Frohnmaier in Reutlingen
: Nur wenige interessieren sich für den Bürgerdialog mit der AfD

Gut 300 Leute demonstrieren gegen den Auftritt der Alternative für Deutschland in der Betzinger Kemmlerhalle. Doch alles bleibt friedlich.
Von
Thomas de Marco
Reutlingen
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Markus Frohnmaier beim Bürgerdialog in der Betzinger Kemmlerhalle.

Kommt wegen eines Staus mit Verspätung aus Karlsruhe nach Betzingen: Markus Frohnmaier beim Bürgerdialog in der Kemmlerhalle.

Dimitri Drofitsch
  • Rund 50 Personen nahmen am AfD-Bürgerdialog in der Betzinger Kemmlerhalle teil, 300 demonstrierten dagegen.
  • Polizei und Sicherheitskräfte waren im Großeinsatz, die Veranstaltung verlief friedlich.
  • Markus Frohnmaier verspätete sich wegen Staus, kritisierte hohe Energiepreise und forderte innere Sicherheit.
  • Demonstranten lehnten Aufenthaltsverbote ab, die nach einem Angriff auf einen AfD-Infostand verhängt wurden.
  • AfD fordert den Ausstieg aus dem Rundfunkstaatsvertrag und die Einführung eines „Grundfunks“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Markus Frohnmaier von der AfD will in Baden-Württemberg Ministerpräsident werden und hat dafür am Freitagabend in Betzingen geworben. Doch nur rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer  sind zum Bürgerdialog in die Kemmlerhalle gekommen. Dafür mobilisierten die Gegner der AfD etwa 300 Menschen bei der Kundgebung vor der Halle. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vertreten, bis zum Ende der Veranstaltung blieb es aber friedlich.

Schon gegen 17.30 Uhr haben sich viele vor der Halle versammelt zur Demonstration gegen die AfD, die von der IG Metall angemeldet ist. Hinter der Hoffmann-Schule gegenüber stehen viele Mannschaftstransporter des Polizeipräsidiums Einsatz aus Göppingen. Der Platz unmittelbar vor der Halle ist abgeriegelt. Um 17.43 Uhr wird eine größere Gruppe vom Bahnhof zur Versammlung eskortiert.

Demonstranten kritisieren Aufenthaltsverbote für ihre Leute

„Wie schön, dass wir so viele sind!“, sagt der erste Redner. „Kein Raum der AfD, die sich mit so einem Dialog als bürgernah darstellen will.“ Immer wieder wird die deutsche Aufrüstung kritisiert, der Name Wladimir Putin ist allerdings nie zu hören. Auf jeden Fall sei auch die AfD keine Friedenspartei, sondern wolle eine bis an die Zähne bewaffnete Armee.

Das Blockieren von Ständen und Versammlungen der AfD ist für die Gegendemonstranten ganz klar legitim. Deshalb wehren sie sich auch heftig gegen den Platzverweis für 26 Personen, die unter diesen „staatlichen Repressalien“ zu leiden hätten. Gemeint sind Leute, die am vergangenen Samstag einen Infostand der AfD attackieren wollten, klärt Reutlingens Ordnungsamtsleiter Albert Keppler auf. Die Polizei hätte beantragt, gegen die 26 ein Aufenthaltsverbot in unmittelbarer Nähe von AfD-Veranstaltungen zu verfügen. Zwei von ihnen hatten vor dem Verwaltungsgericht in Sigmaringen Einspruch eingelegt – und vorerst Recht bekommen. Zwischendurch wird ein AfD-Sympathisant, der mit der Antifa in Dialog treten will, von der Polizei weggeführt.

Demonstration gegen den Bürgerdialog der AfD in der Betzinger Kemmlerhalle.

Demonstration gegen den Bürgerdialog der AfD in der Betzinger Kemmlerhalle. Die Polizei hat Kräfte des Polizeipräsidiums Einsatz aus Göppingen angefordert.

Dimitri Drofitsch

Wer um 18.45 Uhr in die Halle will, wird gründlich durchsucht. Eine Sicherheitsfirma aus dem Kreis Reutlingen, die nicht genannt werden will, ist mit zehn Personen im Einsatz. 25 Minuten später sagt Maximilian Gerner, Direktkandidat im Wahlkreis Reutlingen: „Frohnmaier steckt im Stau. Er sagt, wir sollen aber schon anfangen.“ Doch vor dem Beginn wird erst einmal aufgeräumt: Mehr als die Hälfte der Bestuhlung wird wieder abgebaut, das Publikum nimmt die vorderen Ränge ein.

Um 19.22 Uhr startet Gerner: „Je mehr Prozent wir in Baden-Württemberg bekommen, umso mehr zeigen wir im Superwahljahr den anderen Bundesländern, was möglich ist!“ Im Osten sogar Alleinregierungen, so Gerner. Er ist gegen Windräder auf dem Käpfle bei Gönningen, will den Ausstieg aus der Kernenergie rückgängig machen und mehr dezentrale Biogasanlagen auf der Alb. Für ihn ist Deutschland im Niedergang zwischen Schwarzafrika und dem Nahen Osten, „wohin man blickt!“

Nach ihm sprechen die Bundestagsabgeordneten Jan Nolte und Lars Haise. Wenn draußen friedlich demonstriert werde, hätten die Leute ihr gutes Recht dazu, sagt Nolte. „Aber die wissen gar nicht, wofür wir stehen. Die demonstrieren gegen eine Partei, die nur in ihren Köpfen besteht. Wenn wir so wären, wie die glauben, dann wären wir gar nicht in der AfD!“

Um 19.30 Uhr ist draußen die Demonstration beendet, die Polizei räumt die Hamburger Gitter weg. 20 Minuten später trifft Frohnmaier ein, der auf dem Weg aus Karlsruhe im Stau gesteckt hatte. „Ich habe spontan zugesagt für heute Abend“, meint der AfD-Spitzenkandidat im Wahlkampf. Eigentlich wollte er am 28. Februar mit AfD-Hardliner Björn Höcke in Rommelsbach auftreten: „Doch da habe ich einen anderen Termin, der mehr Wirkung verspricht“, sagt er.

Aufräumen, bevor der Bürgerdialog der AfD begonnen hat: Nur rund 50 Leute sind in die Kemmlerhalle gekommen.

Aufräumen, bevor der Bürgerdialog der AfD überhaupt begonnen hat: Nur rund 50 Leute sind in die Kemmlerhalle gekommen.

Dimitri Drofitsch

„Grundfunk“ statt Rundfunkstaatsvertrag und GEZ-Gebühren

Für Frohnmaier sind in diesem Wahlkampf drei Bereiche wichtig, betont er in der Kemmlerhalle: „Erstens Wirtschaft: Wir brauchen niedrigere Energiepreise.“ Alle 25 Minuten gehe ein Industriearbeitsplatz verloren. „Die CDU hatte lange genug Zeit, das zu ändern.“ Zweitens Innere Sicherheit: „Alle drei Stunden erleben wir eine Messerattacke in Baden-Württemberg. Deshalb soll die Polizei gestärkt werden, die rund 35.000 Illegalen müssen konsequent rückgeführt werden.“

Drittens wolle die AfD Baden-Württemberg zum Land der freien Rede machen. Das bedeute einen Ausstieg aus dem Rundfunkstaatsvertrag, „keine GEZ-Gebühren mehr“. Frohnmaier will stattdessen einen „Grundfunk“, also ein Grundangebot. Seine Partei lehne auch den „Nanny-Journalismus“ ab, der nicht berichte, sondern die Denkweise vorschreibe.

Bis zum Ende bleibt alles friedlich. Reutlingens Direktkandidat Gerner erinnert sich an andere Auftritte in der Betzinger Kemmlerhalle. „Da ging es deutlich wilder zu.“