Kommunalwahl Reutlingen: CDU stellt die stärkste Fraktion – AfD mit 5 Sitzen

Die Reutlinger CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Gaiser freute sich gegen Ende der Stimmauszählung bereits über das gute Abschneiden der Christdemokraten bei der Kommunalwahl.
Mathias GrimmWenn man es boshaft formulieren möchte, könnte man sagen: Im Foyer des Reutlinger Rathauses hatte die SPD am Montag mehr Sitzplätze als künftig im Großen Sitzungssaal. Die Sozialdemokraten haben bei der Kommunalwahl lediglich 12,38 Prozent der Stimmen geholt – und verlieren damit einen Sitz im Reutlinger Gemeinderat. „Das Ergebnis schmerzt uns, keine Frage“, sagt Helmut Treutlein, bisheriger Fraktionsvorsitzender der SPD am Montagmittag. „Vor allem, weil die politischen Ränder gestärkt sind. Das Anwachsen der AfD ist eine Katastrophe für unsere Stadt.“
Tatsächlich gehört die AfD zu den Gewinnern der Kommunalwahl; ganz vorne landet aber wie erwartet die CDU. Die Christdemokraten holen 22,51 Prozent und sichern sich damit neun Sitze im Gemeinderat. Gleich viele wie vor fünf Jahren. Daher ist die Stimmung zwar gut, aber auch nicht euphorisch. „Wir sind zufrieden“, sagt Gabriele Gaiser gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Nur zufrieden? Immerhin ist die CDU somit in den kommenden fünf Jahren stärkste Fraktion im Gremium. „Wenn man sieht, dass wir fast 30.000 Stimmen mehr geholt haben als die Grünen, ist es schade, dass wir trotz dieses Ergebnisses nur einen Platz mehr haben“, sagt Gaiser.
Grüne verlieren Stimmen, aber nicht so stark wie im Bundestrend
Bei der Europawahl wurden die Ampelparteien ordentlich abgestraft – die CDU hat's gefreut. Diese Entwicklung ist auch in Reutlingen zu sehen, allerdings nicht auf dem Niveau der Europawahl. „Das Ergebnis ist deutlich besser als der Bundestrend“, sagt Katharina Ernst, die auf Listenplatz 1 der Grünen in die Wahl ging. „Das zeigt, dass wir in den letzten fünf Jahren schon das gemacht haben, was die Reutlinger von uns erwartet haben.“ 19,58 Prozent der Reutlingerinnen und Reutlinger wählte Kandidatinnen und Kandidaten der Grünen; das sind fast vier Prozentpunkte weniger als vor fünf Jahren. Dennoch ist Ernst nicht enttäuscht, sondern blickt positiv auf die gewählten Grünen. Mit dem erst 18 Jahre alten Jaron Immer und der 16-jährigen Eleanor Weber habe man junge Leute in der Fraktion, ergänzt von den Erfahrenen um Dr. Karsten Amann und Gabriele Janz. „Es ist also eine gute Mischung, die frischen Wind in unsere Fraktion und in den Gemeinderat bringen wird“, sagt Ernst.
FDP verliert Fraktionsstatus
Enttäuschend verlief die Kommunalwahl in Reutlingen für die FDP. Mit 6,22 Prozent sind die Liberalen lediglich siebststärkste Partei – und mit nur zwei Sitzplätzen im Gemeinderat künftig keine Fraktion mehr (ab drei Plätzen gibt es den Fraktionsstatus). Entsprechend schlecht war die Laune bei der FDP am Montag.
Deutlich bessere Laune hatten: Die Freien Wähler (FWV) und „Wir in Reutlingen“ (WiR). Die FWV holt 12,96 Prozent und bleibt somit bei fünf Sitzen im Gemeinderat, die WiR-Fraktion bleibt bei drei Sitzen (7,88 Prozent).
Blockiert die AfD die Stadtpolitik?
Stimmenkönig wurde in Reutlingen der CDU-Mann Frank Glaunsinger – durchaus überraschend. „Nein, damit hatte ich auch nicht gerechnet“, sagt Glaunsinger, der 23.530 Stimmen holte. „Natürlich freue ich mich über diesen Zuspruch, da empfindet man Freude und Dankbarkeit.“ Auch Platz zwei geht an die CDU, Gabriele Gaiser erhielt 22.360 Stimmen.
Die fünf Sitzplätze im Gemeinderat für die AfD sind dagegen für die anderen Parteien undankbar. Denn: Als zuletzt 1-Mann-Vertretung im Rat in Person von Hansjörg Schrade fiel die AfD eher durch Abwesenheit auf oder bei Anwesenheit dadurch, dass sie sich bei Abstimmungen enthielt. Das wird unsäglich, sagt Helmut Treutlein (SPD). „Kommunalpolitik ist keine Frage von Regierung und Opposition, wie die AfD vielleicht denkt. Es geht um eine gemeinsame Politik für die Stadt – da werden es schwierige Gespräch mit einer Fraktion, die nicht an Kompromissen interessiert ist.“

Schlechte Laune bei der SPD: Die Sozialdemokraten verlieren einen Sitz im Gemeinderat und holen weniger Stimmen als die AfD. Von links: Ronja Nothofer, Mert Akkeceli und Edeltraut Stiedl.
Mathias GrimmDie Linke wird künftig mit Rüdiger Weckmann und Timo Widmaier zwei Sitze im Gemeinderat belegen – und auch Andreas Schwarz von „Die Partei“ hat es mit 5092 Stimmen ins Gremium geschafft.
Die Wahlbeteiligung lag in Reutlingen bei 53,73 Prozent (zum Vergleich: 2019 hatten 50,3 Prozent der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger ihre Stimmen abgegeben.