Gebäude in Reutlingen wird abgerissen: „Trott-war“-Verkäufer Marcel Karala sucht eine Wohnung

Viele Reutlinger kennen Marcel Karala, bleiben in der Wilhelmstraße gegenüber des Osianders für ein kurzes Gespräch stehen. Der symphatische Slowake sucht mit seiner Frau eine Wohnung.
Maik Wilke- "Trott-war"-Verkäufer Marcel Karala sucht dringend eine Wohnung in Reutlingen.
- Aktuelle Unterkunft in der Albstraße wird abgerissen; 500 € Warmmiete sind finanzierbar.
- Ehepaar möchte im Umkreis von 10 km bleiben, z. B. Pfullingen oder Metzingen.
- Karala ist seit 2019 Verkäufer, schlief zuvor 4 Jahre im Auto.
- Kontakt: 015212462380, Karala1985@gmail.com.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der ältere Herr bleibt kurz stehen, schaut Marcel Karala freundlich an und sagt: „So verkaufst du aber keine Zeitungen.“ Karala lacht und antwortet: „Ich hab noch den ganzen Mittag Zeit.“ Karala sitzt an diesem Vormittag mit der SÜDWEST PRESSE auf der kleinen Treppe im Schatten gegenüber des Eingangs zum Osiander. Eine kurze Pause für Karala, der bei jedem Wetter in der Wilhelmstraße steht. Ob 35 Grad in der Sonne oder heftiger Regen: Der „Trott-war“-Verkäufer gehört seit Jahren zum Stadtbild und hat für jeden Passanten ein Lächeln. „Reutlingen ist eine schöne Stadt mit vielen netten Menschen“, sagt Karala. „Es freut mich, wenn Menschen immer wieder kommen und man miteinander spricht.“
Der Job als „Trott-war“-Verkäufer macht dem sympathischen Slowaken Spaß; das sieht man Marcel Karala an. Aber: In der Juni-Ausgabe der Straßenzeitung (siehe Infokasten) ist ein kleiner Artikel über ihn zu lesen, der auf seine Stimmung drückt. Denn Karala und seine Frau, die in der Katharinenstraße „Trott-war“-Ausgaben verkauft, suchen dringend eine Wohnung.
Wohnhaus in der Albstraße wird abgerissen
Aktuell wohnen die beiden in der Albstraße 10, das Gebäude wird jedoch im Zuge der Sanierung der Oberen Wässere abgerissen. Der Vermieter kann Karala keine passende neue Wohnung anbieten, weil diese für den 39-Jährigen zu teuer sind. „Eigentlich müssen wir Ende dieser Woche raus sein“, sagt Karala, der hofft, dass sich Privateigentümer mit einer leerstehenden Wohnung bei ihm melden. Bei der GWG hat er sich beworben und steht auf der Warteliste. Ob es über die städtische Wohnungsgesellschaft mit einer Vermittlung klappt, ist jedoch fraglich.
Die Ansprüche des Paares sind bescheiden. „Hauptsache ist ein Dach über dem Kopf“, sagt Karala. 500 Euro Warmmiete sind finanziell möglich, vielleicht auch etwas mehr. Am liebsten würde Karala in Reutlingen bleiben, ein Umkreis von zehn Kilometern wäre klasse. „Ob Reutlingen, Pfullingen, Metzingen, das ist uns egal.“
Vier Jahre im Auto geschlafen
Karala kommt aus Košice, der zweitgrößten Stadt der Slowakei und weit im Osten nahe der Ukraine gelegen. Seit 2019 verkauft er die Straßenzeitung, seine Frau kam später dazu. Karala kennt harte Zeiten. Bevor er in der Albstraße eine Wohnung erhalten hatte, schlief er vier Jahre lang im Auto auf einem Parkplatz in Metzingen. Das möchte er nicht mehr erleben.
Und obwohl ihm der Job als „Trott-war“-Verkäufer Freude bereitet, könnte auch diese Zeit ein Ende haben. „Wenn ich einen festen Wohnsitz habe, möchte ich auch eine andere Arbeit.“ Der 39-Jährige hat schon in Kabelfabriken, in Metallfabriken sowie auf Baustellen und im Wald gearbeitet. „Ich habe einen Führerschein, ich könnte also Pakete ausliefern. Ich denke, das würde mir gefallen“, sagt Karala und lächelt.
Zumal er als Straßenverkäufer Konkurrenz bekommt. Andere, inoffizielle „Trott-war“-Verkäufer kommen aus Stuttgart und Umgebung nach Reutlingen, laufen durch die Straßen und sprechen die Passanten offensiv an – etwas, das Karala nicht macht, weil es aufdringlich ist. „Sie haben auch keinen Ausweis von ‚Trott-war‘ und keinen Stempel von der Arbeiterwohlfahrt.“ Konkurrenz auf der Straße, die dort fehl am Platz ist.
Wer kann Karala helfen?
Das positive Gemüt ist bei Karala auch im Gespräch über die schwierige Wohnungssuche zu spüren. Denn trotz der Ironie, dass er in einigen Tagen, womöglich sogar an seinem Geburtstag, die Wohnung verlassen muss, bleibt er optimistisch. „Das ist doch ein schönes Geschenk“, scherzt Karala – und lächelt sein sympathisches Lächeln.
Marcel und seine Frau sind ruhige Menschen – und somit angenehme Mieter. Wer Marcel Karala und seiner Frau helfen möchte, eine freie Wohnung hat oder vermitteln kann, darf sich direkt bei Karala melden unter 015212462380 oder Mail an Karala1985@gmail.com.
Über die Straßenzeitung „Trott-war“
Der gemeinnützige und mildtätige Verein „Trott-war“ mit Sitz in Stuttgart bietet durch den Verkauf der gleichnamigen Straßenzeitung Menschen mit geringem Einkommen eine Perspektive, schreibt „Trott-war“ auf der Homepage. „Das monatlich erscheinende Blatt wirft einen kritischen Blick auf aktuelle Themen des Arbeitsmarkts und der lokalen Sozialpolitik. Es geht unter die Haut mit berührenden Porträts von Menschen am Rand unserer Gesellschaft und informiert erfrischend anders.“

