Charity-Eisbaden in Reutlingen
: Frieren für die Frühgeborenen

Zum zweiten Mal wagten sich auf dem Reutlinger Marktplatz zahlreiche Menschen ins eisige Wasser. Die ungewöhnliche Spendenaktion unterstützt Frühgeborene und ihre Familien. Der Verein hat ein ehrgeiziges Ziel.
Von
Mathias Grimm
Reutlingen
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Eiskaltes Vergnügen: Mit einem Lächeln und erhobenem Arm genießt eine Teilnehmerin ihr Bad zwischen Eisbrocken in einer Tonne in Reutlingen. Die ungewöhnliche Aktion sammelt Spenden für frühgeborene Kinder.

Eiskaltes Vergnügen: Mit einem Lächeln und erhobenem Arm genießt eine Teilnehmerin ihr Bad zwischen Eisbrocken in einer Tonne in Reutlingen. Die ungewöhnliche Aktion sammelt Spenden für frühgeborene Kinder.

Mathias Grimm
  • Charity-Eisbaden auf dem Reutlinger Marktplatz sammelt Spenden für den Frühchen e.V.
  • Ziel dieses Jahr: 60.000 Euro für zwei Techniktürme im Kreißsaal – „Mini-Intensivstation“.
  • Viele Teilnehmende stiegen ins Eiswasser, teils bis zu zehn Minuten – einige auch länger.
  • Pfullinger Unternehmen Engel spendet 30 Pakete Spezialkleidung im Wert von 3.000 Euro.
  • Endsumme steht noch aus, doch zahlreiche Vereine und Bürger unterstützten die Aktion.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Als Niclas Klinger auf dem Reutlinger Marktplatz ins eiskalte Wasser steigt, rechnet er mit einem kurzen Vergnügen. 30 Sekunden in der Eistonne — dann ist für ihn wohl Schluss, denkt er. Tatsächlich hält er es deutlich länger aus. Doch sportlicher Ehrgeiz ist nicht der Grund, weshalb er am Sonntag beim Charity-Eisbaden mitmacht. Klinger möchte seinen Kindern zeigen, „dass es nicht viel braucht, um Gutes zu tun“ wie er nachher zitternd neben der Tonne erzählt. Klinger bringt es am Ende auf über eine Viertelstunde im Eiswasser. Danach weiß er: Ein paar Minuten im kalten Wasser können so zu einer Hilfe für Familien werden, die ganz andere Sorgen haben.

Zum zweiten Mal wurde der Reutlinger Marktplatz zur Bühne einer ungewöhnlichen Spendenaktion für den Frühchen e.V. Teilnehmen durfte, wer mindestens 16 Jahre alt war; vorgesehen waren für die meisten Teilnehmer höchstens zehn Minuten im Wasser. Rund um das Eisbaden waren zahlreiche Vereine mit Ständen vertreten. Was wie eine Mutprobe aussah, hatte einen ernsten Hintergrund: Der Verein unterstützt Familien mit frühgeborenen Kindern und hilft der Reutlinger Kinderklinik bei Anschaffungen.

Technik für den Kreissaal

Maritta Krehl und Katharina Dodik hatten die Aktion im vergangenen Jahr erstmals organisiert. Damals stiegen rund 250 Menschen in 16 Eistonnen. Etwa 5000 Euro kamen zusammen, einschließlich bereits zugesagter Unternehmensspenden. Diesmal war das Ziel besonders ehrgeizig: Insgesamt 60.000 Euro sollen für zwei sogenannte Techniktürme zusammenkommen, die im Kreißsaal eingesetzt werden sollen. Sabine Dörr, Vorsitzende des Frühchenvereins, bezeichnet die Geräte als eine Art „Mini-Intensivstation“ für die Versorgung unmittelbar nach der Geburt.

Augen zu und durch: Niclas Klinger aus Reutlingen wagte sich beim Charity-Eisbaden auf dem Marktplatz ins kalte Wasser. Seinen Kindern wollte er damit zeigen, wie einfach es sein kann, Gutes zu tun.

Augen zu und durch: Niclas Klinger aus Reutlingen wagte sich beim Charity-Eisbaden auf dem Marktplatz ins kalte Wasser. Seinen Kindern wollte er damit zeigen, wie einfach es sein kann, Gutes zu tun.

Mathias Grimm

Wie viel Geld die diesjährige Veranstaltung eingebracht hat, konnte Dörr am Sonntag noch nicht sagen. Die Endsumme müsse man „erst mal zusammenzählen“, erklärte die Vereinsvorsitzende. Fest stand ein Beitrag des Pfullinger Naturtextilunternehmens Engel: Geschäftsführerin Vera Kolompar übergab dem Verein 30 Pakete mit Kleidung für Frühgeborene im Gesamtwert von 3000 Euro. Die Übergabe stand zugleich für eine Partnerschaft, die seit drei Jahrzehnten besteht. „Wir feiern das ganze Jahr“, sagte Dörr mit Blick auf das 30-jährige Bestehen des Vereins.

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Diese Zusammenarbeit begann mit einem Problem, das heute kaum vorstellbar scheint: Für sehr kleine Frühgeborene gab es kaum passende Kleidung. Was zur Verfügung stand, war häufig Puppenkleidung. Doch Frühgeborene brauchen nicht einfach nur kleinere Strampler. Die Kleidung muss auch ermöglichen, dass Pflegekräfte an die Kinder gelangen und medizinische Leitungen ihren Platz haben. Gemeinsam mit Engel entwickelte der Verein deshalb spezielle Kleidungsstücke.

Ein Beispiel ist der Body. Üblicherweise wird er unten geschlossen. Bei Frühgeborenen, die über Kabel und Schläuche versorgt werden, ist das unpraktisch. Die gemeinsam entwickelte Lösung lässt sich seitlich öffnen und schließen. Dabei floss die Erfahrung von Pflegekräften ein, mit denen der Verein auf Station im Austausch stand. Aus dem Wunsch, den Kleinsten etwas Passendes anzuziehen, wurde eine dauerhafte Zusammenarbeit. Engel hat die Produkte nach Angaben der Geschäftsführerin immer wieder weiterentwickelt und vertreibt sie inzwischen auch weltweit. Bei der Spendenübergabe auf dem Marktplatz waren auch Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck und Pfullingens Bürgermeister Stefan Wörner dabei.

Augen zu und durch: Niclas Klinger aus Reutlingen wagt sich beim Charity-Eisbaden auf dem Marktplatz ins kalte Wasser. Seinen Kindern will er damit zeigen, wie einfach es sein kann, Gutes zu tun.

3.000 Euro für die Kleinsten: Das Pfullinger Unternehmen ENGEL übergibt dem Reutlinger Frühchenverein 30 Pakete mit spezieller Kleidung für Frühgeborene. Die Partner arbeiten bereits seit 30 Jahren zusammen.

Mathias Grimm

Für Dörr ist das mehr als eine Geschichte über Kinderkleidung. Der Verein begleitet Eltern, deren Alltag sich mit einer Frühgeburt schlagartig verändert. Die Unterstützung reicht von der akuten Betreuung bis zur Nachsorge, wenn die Familien die Klinik wieder verlassen haben. Die Zusammenarbeit mit Engel ist eines von mehreren Projekten des Vereins, der sein 30-jähriges Jubiläum das ganze Jahr über feiert. In Deutschland kommen jährlich etwa 50.000 bis 60.000 Kinder zu früh zur Welt – hinter jeder Zahl steht eine Familie.

Auf dem Marktplatz zeigte sich, wie unterschiedlich diese Hilfe aussehen kann. Manche steuerten Geld bei, Unternehmen spendeten Sachleistungen, Vereine unterstützten die Veranstaltung mit vielen Ständen. Wie viel Geld am Ende zusammenkam, musste der Verein noch ermitteln. Die endgültige Bilanz stand damit zwar aus, der Erfolg der Veranstaltung zeigte sich aber schon auf dem Marktplatz: Zahlreiche Menschen und Vereine hatten sich für die gute Sache engagiert. Und für die Kleinsten nahmen viele sogar ein Bad im eiskalten Wasser auf sich.