Warnstreik bei Bosch in Reutlingen: Kein Abspeisen mit Magerquark

Umut Köksal (rechts) rief die Warnstreikenden auf der Tübinger Straße zu Solidarität gegen das Arbeitgeberangebot der Metall- und Elektroindustrie auf.
Norbert Leister- Warnstreik in Reutlingen: Über 1.000 Beschäftigte fordern 5 Prozent mehr Lohn.
- IG Metall nennt Arbeitgeberangebot „Magerquark“ und droht mit Eskalation.
- Südwestmetall bietet Einmalzahlung bis Juli 2027 und 1,3 Prozent ab Juli 2028.
- Redner kritisieren Arbeitsplatzabbau und Boni, fordern Beschäftigungssicherung.
- IG Metall-Jugend betont Gerechtigkeit, spricht von „Klassenkampf von oben“.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Warnstreik der Arbeitnehmerseite der Metall- und Elektroindustrie in Reutlingen auf der Tübinger Straße neben den Gebäuden der Robert-Bosch-GmbH. Laut IG Metall waren mehr als 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gekommen, um sich kämpferisch in die Tarifrunde einzuschalten. Das vorliegende Angebot der Arbeitgeberseite vor der dritten Verhandlungsrunde sei ein Witz – da waren sich die Sprecher der Gewerkschaft einig, die von einem Lkw inmitten der gesperrten Straße die Warnstreikenden zur Solidarität aufriefen.
„Wenn die Arbeitgeber heute nicht nachlegen, eskalieren wir“, betonte Dr. Claudia Hülsken als Erste Bevollmächtigte der IG Metall der Region Reutlingen-Tübingen. „Kommt hierher auf die sonnige Seite“, sagte Umut Köksal. Dabei forderte der stellvertretende Bosch-Betriebsratsvorsitzende seine Kolleginnen und Kollegen dazu auf, aus dem Schatten der Gebäude herauszutreten und sich in die wärmende Sonne zu stellen.
Gleichzeitig galt der Aufruf aber auch als Symbol, um gemeinsam „die erkämpften Privilegien zu verteidigen“, so Köksal. Klar sei bei alledem: „Die ganze wirtschaftliche Lage ist nicht gut.“ Aber: Die Lohnerhöhungen der vergangenen Jahre hätten die Inflationsrate nicht ausgeglichen, rief Thorsten Dietter.
Die Forderung des Reutlinger Bosch-Betriebsratsvorsitzenden: „Die Arbeitgeber müssen aufhören mit dem Arbeitsplatzabbau.“ Die Forderung der IG Metall von 5 Prozent mehr Lohn sei gerechtfertigt und angemessen, Beschäftigungssicherung unbedingt notwendig. Dabei würden die Arbeitgeber zusammen mit den Medien die Situation so darstellen, „als ob wir Arbeitnehmer verantwortlich für die Krise wären“, so Dietter. Buh-Rufe schlugen dem Betriebsratsvorsitzenden zustimmend entgegen, begleitet von einer großen Anzahl an Trillerpfeifengetöse und dröhnenden Trommelschlägen.
Als Arbeitgeberverband hatte Südwestmetall bei der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot vorgelegt, das ab Juli 2028 eine Lohnerhöhung von 1,3 Prozent vorsehe. Bis dahin sollen die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg zum Juli 2027 eine Einmalzahlung in Höhe von etwa 700 Euro erhalten.
„Das Angebot ist Magerquark“, sagte Claudia Hülsken. Den Beschäftigten werde Wasser angeboten, während Arbeitgeber sich am Wein laben. „Das ist unverschämt, wir haben 5 Prozent mehr verdient“, so die IG Metall-Chefin in der Region. Ähnlich äußerte sich auch Matthias Ott, Betriebsratsvorsitzender von Marelli: „Das ist richtig billig, uns die Zeche zahlen zu lassen.“ Bei dieser Tarifrunde gehe es um weit mehr als „nur um eine Lohnerhöhung von 5 Prozent“, so Ott. „Es geht um Werte und um eine gute Zukunft für unsere Kinder.“
Valentina und Aylin von der IG Metall-Jugend klangen noch kämpferischer: „Wir machen die Arbeit, geben jeden Tag unser Bestes und dann heißt es, wir sollen verzichten, wenn seit Jahren die Löhne nicht mal die Inflation ausgleichen.“ Oftmals würden sie gefragt, ob die Forderung nach 5 Prozent mehr Lohn in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit gerechtfertigt sei.
Ihre Antwort: „Die großen Konzerne – und dazu gehört auch Bosch – fahren immer noch Gewinne ein.“ Das Geld lande aber nicht bei den Arbeitnehmern, sondern in den Chefetagen. „Die erzielten Gewinne reichen dann immer noch für Millionen-Boni für die Manager“, so Valentina und Aylin. „Das Geld ist doch da, allerdings fragt sich, in welchen Taschen es landet.“ Zurzeit werde „Klassenkampf von oben geführt“.
Der Achtstundentag solle abgeschafft werden, die Rente sei in Gefahr, „das gute Leben ist aber nicht einfach vom Himmel gefallen, wir müssen es verteidigen“, so die IG Metall-Jugendlichen. „Was jetzt noch hilft, ist allein der Klassenkampf von unten.“ Die Abschlussworte von Aylin und Valentina: „Wir sind laut, wir sind stark und streikbereit.“ Tosender Applaus tönte ihnen durch rote Schleier von Pyrotechnik entgegen.

