Bundesgartenschau 2039 im Echaztal: Reutlingen beschließt Bewerbung für „eine einmalige Chance“

Die Echaz ist das verbindende Element der Bewerbung der sechs Kommunen für die Bundesgartenschau 2039.
Maik Wilke- Reutlingen bewirbt sich mit fünf Echaz-Kommunen für die Bundesgartenschau 2039.
- Der Gemeinderat stimmte einstimmig zu – Kosten rund 70 Millionen Euro, teils gegenfinanziert.
- Befürworter erwarten Schub für Stadtentwicklung, Renaturierung der Echaz und Wirtschaft.
- Kritik richtet sich auf Finanzierung und fehlende externe Prüfung, dennoch breiter Zuspruch.
- Vorschläge reichen von Bezirksbeteiligung bis zur Dampflok „Paula“ als möglichem Publikumsmagnet.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Stadt Reutlingen bewirbt sich gemeinsam mit Pfullingen, Eningen, Lichtenstein, Kirchentellinsfurt und Wannweil für die Bundesgartenschau 2039. Das haben nun alle Gemeinderäte der sechs Echaz-Kommunen beschlossen; das Reutlinger Gremium am Donnerstagabend einstimmig. Für die Stadt sind damit Kosten in Höhe von etwa 70 Millionen Euro verbunden, die sich aber zum Teil (etwa 36 Millionen Euro durch Eintrittsgelder) selbst finanzieren und zum anderen die Stadtentwicklung enorm beschleunigen.
Welche Areale umgebaut werden sollen, haben die Stadt und die SÜDWEST PRESSE mehrfach vorgestellt (wir berichteten). Am Donnerstagabend konnten die Fraktionen des Gemeinderats ihre Statements zur erhofften Bundesgartenschau 2029 abgeben. Hier die wichtigsten Aussagen.
Entscheidung für Kinder und Enkelkinder
CDU, Frank Glaunsinger: „Die Bewerbung für die Buga 2039 ist für unsere Stadt und das Echaztal eine riesige Chance“, sagte Frank Glaunsinger. „Wir haben selbst bei unseren Besuchen auf anderen Gartenschauen erlebt, mit welchem Stolz die dortigen Repräsentanten die baulichen Veränderungen vorgestellt haben. Auch Reutlingen hat viele Besucherattraktionen zu bieten, die wir gerne nach außen zeigen dürfen.“ Die Buga werde Reutlingen beleben und unter anderem das Biosphärengebiet bekannter machen.
Grüne, Karsten Amann: Als elfjähriger Junge habe Karsten Amann selbst eine Kinderdauerkarte für die Landesgartenschau 1984 in Reutlingen gehabt. Heute ist seine Tochter elf Jahre alt „und das zeigt doch, dass wir eine Entscheidung nicht nur für uns, sondern für unsere Kinder und Enkelkinder treffen. Wir können ein Bild formen, wie unsere Stadt in Zukunft aussehen soll. Was damals im Kleinen gelungen ist, können wir heute selbst im Großen auf den Weg bringen.“ Das Konzept der Gartenschau mit der Echaz im Zentrum und viel Renaturierung biete zudem die richtigen Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels. Ob sich die Stadt die Kosten leisten kann? „Die Wertschöpfung, die in der Region entsteht, ist enorm. Daher sollten wir den Mut haben und die Buga angehen.“
FWV wünscht sich die alte Dampflok „Paula“
FWV, Georg Leitenberg. „Die Bundesgartenschau wird die Lebensqualität der Menschen hier vor Ort nachhaltig verbessern“, betonte Georg Leitenberger. Das Großprojekt werde sich für die Region lohnen und „es wird einen richtigen Investitionsturbo geben“. Lobenswert am Konzept ist für die FWV auch, „dass sich die Bezirke einbringen können. Nicht nur Gönningen mit der Tulpenblüte, sondern alle anderen ebenfalls.“ Leitenberger plädierte dafür, die alte Dampflok „Paula“ zwischen Honau und Engstingen fahren zu lassen. „Das wäre sicher ein echter Besuchermagnet.“
AfD, Matthias Brenner: Auch die AfD-Fraktion sieht die Buga als Chance, „vor allem für das Hotelgewerbe, den Handel und die Gastronomie“, sagte Matthias Brenner. Allerdings werde die Fraktion die Finanzierung des Projekts kritisch begleiten.
SPD, Helmut Treutlein: Die Landesgartenschau 1984 habe damals ein Bewusstsein für den Wert der Echaz geweckt. Dass nun die Echaz erneut im Fokus ist, freut Helmut Treutlein. „Wir sind Oberbürgermeister Thomas Keck sehr dankbar für seinen Vorschlag, die Buga im Verbund mit unseren Nachbarn umzusetzen“, lobte der Fraktionssprecher seinen Parteikollegen. Die Gartenschau werde die Wirtschaftskraft stärken und sei ein solidarisches Projekt. „Wir genießen ja heute schon die Landschaft ohne zu fragen, auf welcher Gemarkung die Sehenswürdigkeiten liegen.“
Grünflächenturbo und ohne Zaudern angehen
WiR, Sven Lange: Das gemeinsame Vorgehen für die Buga kann zu einer besonderen Stärke werden, sagte Sven Lange. „Aber wir sehen es kritisch, dass wir selbst die Machbarkeitsstudie vorgelegt haben. Da fehlt eine Kontrollinstanz. Es besteht die Gefahr, dass man ein Ergebnis so interpretiert, dass man eine gewünschte Lösung herausbekommt.“ Als Beispiel nannte er die geplante Surfwelle, deren Bau vor Jahren als technisch nicht möglich bewertet wurde, nun aber kommen soll.
Linke, Timo Widmaier: Die Bundesgartenschau werde die Stadt widerstandsfähiger gegen den Klimawandel machen, betonte Timo Widmaier, und sprach von einem „Grünflächenturbo“. Ganze Quartiere werden von einer Begrünung profitieren. „Außerdem zeigt uns die Regional-Stadtbahn, dass mutige Entscheidungen richtig sind. Während andere Gartenschauen solche ÖPNV-Projekte nur temporär und sehr teuer umsetzen mussten, haben wir dafür längst den Grundstein gelegt.“ Die Stadt könne sich selbstbewusst zeigen und werde bundesweit stärker wahrgenommen.
FDP, Hagen Kluck: Die FDP hatte die Bundesgartenschau in Reutlingen vorgeschlagen und sei erfreut, dass „unsere Idee mit Fleisch gefüllt wird“, so Hagen Kluck. Auch er dankte OB Keck für dessen Weitsicht, die anderen Echaztalkommunen einzubinden. „Es war sicher nicht leicht, alle unter einen Hut zu bringen. Aber es ist ihm gelungen.“ Nun soll Reutlingen das Projekt trotz der Kosten nicht mit Zaudern und Hadern angehen.

