Brand in Umspannwerk
: Stromausfall in Reutlingen – Was wir wissen und was nicht

Nach dem Brand im Umspannwerk bleibt unklar, wann alle Haushalte wieder Strom haben. Auch der Grund für das Feuer ist den Ermittlern noch ein Rätsel. Was bisher bekannt ist – und was noch unklar ist.
Von
dpa/swp
Reutlingen
Großflächiger Stromausfall in Reutlingen: 08.06.2026, Baden-Württemberg, Reutlingen: Nach einem großflächigen Stromausfall in Reutlingen stehen Polizeikräfte auf dem Gelände eines Umspannwerks, in dem es in der Nacht gebrannt hatte und sichern Spuren. Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Spurensicherung auf dem Gelände des Umspannwerks in Reutlingen: Vieles ist in dem Fall noch in Bewegung.

Christoph Schmidt/dpa
  • Nach Brand in Umspannwerk Reutlingen fiel in Spitzenzeit Strom für etwa 20.000 Haushalte aus.
  • Zwei Trafos brannten, das Feuer war gegen 5.00 Uhr gelöscht – Umspannwerk Mitte ab 6.00 Uhr in Betrieb.
  • Teile der Versorgung seit 5.45 Uhr und 7.00 Uhr wiederhergestellt, viele Haushalte weiter ohne Strom.
  • Behörden richten einen Notfalltreffpunkt ein, Kreisklinikum nutzte Notstrom, zehn OPs wurden verschoben.
  • Ursache unklar: Ermittlungen laufen in alle Richtungen, drei Brandstellen und Schäden am Gelände gefunden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach einem Brand in einem Umspannwerk ist der Strom in der Region Reutlingen in Tausenden Haushalten ausgefallen. Der Netzbetreiber spricht von Hinweisen auf eine Brandstiftung. Waren tatsächlich Saboteure am Werk? Und wie lange dauern die Einschränkungen noch? Vieles bleibt bislang unklar. Eine Übersicht über die Fakten.

Was wir wissen

Brand: Die Feuerwehr wurde um 1.43 Uhr über den Stromausfall informiert. Zwei Minuten später erhielt die Feuerwehr den Hinweis auf den Brand im Umspannwerk. Nach Angaben der Einsatzkräfte standen zwei Trafos in Flammen. Gegen 5.00 Uhr war das Feuer gelöscht. Das Umspannwerk Mitte ist laut Stadt seit 6.00 Uhr wieder in Betrieb.

Stromausfall: Laut Netze BW begann die Störung gegen 1.37 Uhr im Umspannwerk Reutlingen-West, kurze Zeit später fiel das gesamte Umspannwerk aus. Das Umspannwerk wird von der Netze BW und der FairNetz, die für die örtliche Versorgung des Stadtgebiets Reutlingen zuständig ist, gemeinsam betrieben. Da vom Umspannwerk Reutlingen‑West aus auch zwei starke Leitungen zum Umspannwerk Reutlingen‑Mitte führen, war laut Betreiber auch dieses Umspannwerk betroffen. Um 5.45 Uhr und um 7.00 Uhr waren Teile der Versorgung wiederhergestellt.

Ausmaß: In der Spitze waren etwa 20.000 Haushalte ohne Strom. Auch Stunden nach dem Brand waren noch rund 7.600 Haushalte oder rund 30.000 Menschen nicht zurück am Netz. Unter anderem waren die Reutlinger Stadtteile Betzingen, Ohmenhausen und das Industriegebiet Mark West ohne Strom, das gilt auch für die Gemeinden Kirchentellinsfurt und Wannweil. Wichtig sei es vor allem, die Bevölkerung wieder mit Strom zu versorgen – auch mit Provisorien, sagte Jens Balcerek von den Reutlinger Stadtwerken.

Einschränkungen: Die Behörden gehen offenbar davon aus, dass viele Menschen noch länger ohne Stromversorgung bleiben. Für die Nacht wird ein Notfalltreffpunkt eingerichtet, sagte Bürgermeister Roland Wintzen. Dort sollen Menschen etwa ihr Handy laden oder Babynahrung erwärmen können. Die Einschränkungen für die Menschen sollten so gering wie möglich gehalten werden. Vom Stromausfall betroffen war auch das Reutlinger Kreisklinikum. Die Notstromaggregate seien sofort angesprungen, hieß es dort. Insgesamt seien zehn Operationen verschoben worden.

Spuren: Nach Angaben des Netzbetreibers Netze BW sind insgesamt drei Brandstellen gefunden worden. Außerdem seien der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Die Ermittler äußerten sich dazu vorerst nicht.

Was wir nicht wissen

Ursache: Die Polizei hält sich entsprechend mit Vermutungen zur Ursache oder Vermutungen über einen Anschlag noch zurück. „Unsere Ermittlungen sind in jeglicher Richtung“, sagte Tina Rempfer vom Polizeipräsidium Reutlingen. „Wir beziehen ein, ob es eventuell ein technischer Defekt sein könnte oder eine Brandlegung, eventuell fahrlässig oder auch vorsätzlich“, sagte die Polizistin. Dem Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg liegen keine weiterführenden Erkenntnisse zur mutmaßlichen Brandstiftung in Reutlingen vor. Bislang wurden auch keine Bekennerschreiben veröffentlicht.

Nach Angaben von Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck müssten auch drei zeitgleiche Brände im Umspannwerk auch nicht zwangsläufig auf eine Brandstiftung hindeuten. „Bei technischen Dingen kann es auch sein, dass Brände gleichzeitig ausbrechen.“

Mögliche Täter Auch wenn sich die Polize noch nicht offiziell dazu äußert: Nach Einschätzung aus SIcherheitskreisen deute die Vorgehensweise auf linksextremistische Täter hin und weise Parallelen etwa zu entsprechenden Taten in Berlin auf. Das erfuhr die dpa am Montagnachmittag. Hinweise auf einen möglichen Drahtzieher im Ausland gebe es nicht. In Berlin hatte es im September 2025 und im Januar 2026 zwei mutmaßlich linksextremistisch motivierte Brandanschläge auf die Stromversorgung gegeben.

Dauer: Unklar ist, wann die Stadt und die umliegenden Gemeinden wieder ohne Einschränkungen am Netz hängen. „Eine belastbare Prognose zur vollständigen Wiederherstellung der Stromversorgung ist derzeit noch nicht möglich“, teilte die Stadtverwaltung mit. Nach Angaben von Richard Huber (Netze BW) könnte es bis zur Vollversorgung durchaus rund 48 Stunden dauern.

Schaden: Bislang wird der Schaden nach dpa-Informationen auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Offizielle Schätzungen dazu gibt es nicht.