Bosch in den USA und Deutschland
: Roseville und Reutlingen als „globales Rückgrat“

Bosch startet noch in diesem Jahr die Siliziumkarbidproduktion (SiC) im kalifornischen Roseville. Zusammen mit dem Halbleiterwerk in Reutlingen seien beide Standorte das „Rückgrat der globalen SiC-Fertigung“.
Von
Maik Wilke
Reutlingen
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Bosch Reutlingen 200mm SiC-Wafer Halbleiter

In Reutlingen produziert Bosch neben modernsten MEMS-Sensoren künftig ausschließlich Leistungshalbleiter auf Basis der 200-Millimeter-Technologie. Die 150-Millimeter-Technologie wird eingestellt.

Martin Stollberg/Bosch
  • Bosch startet dieses Jahr die SiC-Produktion in Roseville – erstes US-Halbleiterwerk.
  • Roseville und Reutlingen bilden laut Bosch das „Rückgrat der globalen SiC-Fertigung“.
  • In Reutlingen entstehen künftig nur 200-mm-Leistungshalbleiter, die 150-mm-Linie endet.
  • US-Handelsministerium fördert Roseville mit 225 Mio. Dollar; Teil einer 2-Mrd.-Dollar-Investition.
  • Zwei-Werke-Strategie soll nahe bei Kunden liefern und Lieferketten robuster machen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Vor drei Jahren hatte Bosch eine Chipfabrik in Roseville übernommen – nun sollen dort die gleichen, hochmodernen Siliziumkarbid-Halbleiter wie in Reutlingen gefertigt werden. Noch in diesem Jahr soll die SiC-Produktion starten. Das verkündete der Konzern am Montagnachmittag in einer Pressemitteilung, die in den USA veröffentlicht wurde.

Der Standort in Kalifornien wird somit die erste Halbleiterfertigung von Bosch in den Vereinigten Staaten. Möglich macht dies unter anderem eine Finanzierungsvereinbarung mit dem US-Handelsministerium in Höhe von 225 Millionen US-Dollar. Diese Summe ist Teil der Bosch-Investition von zwei Milliarden Dollar in die kalifornische Chipfabrik.

In der Pressemitteilung geht der Konzern häufig auf die Verknüpfung der beiden Halbleiter-Produktionen in Roseville und Reutlingen ein. Denn im hiesigen Werk werden künftig ebenfalls ausschließlich Leistungshalbleiter auf Basis der 200-Millimeter-Technologie hergestellt (wir berichteten). Diese gelten als Schlüsseltechnologie für die E-Mobilität, weil sie die Reichweite und die Ladeeffizienz steigern. Die eingeführte dritte Generation der Bosch-SiC-Chips bietet laut Unternehmen eine um bis zu 20 Prozent höhere Leistungsfähigkeit und ermöglicht gleichzeitig durch weitere Miniaturisierung eine höhere Kosteneffizienz.

Werk ist keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung für den weltweiten Markt

Der zweite Standort in den USA neben dem in Reutlingen stärke die Position von Bosch auf dem Markt und bringe diese führende Technologie im Bereich der Halbleiter näher an die Kunden. Und das „in einem der weltweit wichtigsten Mobilitätsmärkte“, so Bosch. Das Werk in Roseville scheint definitiv keine Konkurrenz zu dem in der Achalmstadt zu sein, sondern eine Ergänzung. Bosch betont: „Gemeinsam bilden beide Werke künftig das Rückgrat der globalen SiC-Fertigung von Bosch.“

Bereits 2024 hatte der nun ehemalige Vorsitzende Geschäftsführer Stefan Hartung auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE erklärt, dass die Übernahme der Chipfabrik in Roseville keinen negativen Einfluss auf die Halbleiterproduktion in Reutlingen habe: „Diese Kapazitäten brauchen wir“, so Hartung bei der Pressekonferenz in Renningen.

Der Autozulieferer und Technologiekonzern schafft laut eigenem Statement mit Produktionsstandorten in Deutschland und Nordamerika größere Flexibilität und stärkt die Resilienz der Lieferketten. Lieferketten könnten gezielt an die Anforderungen der Kunden angepasst werden, sodass diese vom jeweils optimalen Standort aus beliefert würden. „Wir unterstützen regionale Lieferkettenkonzepte in den wichtigsten Märkten und ermöglichen lokale Wertschöpfung, wo immer dies möglich ist – von Europa für Europa und den USA für die USA bis hin zu lokalisierten Lieferketten für unsere Kunden in China“, wird Erik Rein, Mitglied der Geschäftsleitung von Bosch Mobility Electronics und verantwortlich für das globale Halbleitergeschäft, in der Pressemitteilung zitiert.

Expertise und Erfahrung, die in Reutlingen aufgebaut wurde

Insbesondere für nordamerikanische Kunden schaffe Roseville eine neue regionale Fertigungspräsenz. Gleichzeitig profitieren sie von der Einbindung in das globale Halbleiter-Ökosystem von Bosch – einschließlich der umfassenden SiC-Kompetenz und Produktionserfahrung, die über viele Jahre in Reutlingen aufgebaut wurde.

Die Kombination aus Roseville und Reutlingen bildet laut Bosch eine starke Grundlage für zukünftiges Wachstum. Bosch plant, innovative SiC-Halbleiter aus beiden Werken zu liefern und damit eine Zwei-Werke-Strategie umzusetzen, die Kunden weltweit unterstützt sowie Produktionsflexibilität und Versorgungssicherheit erhöht. Dieser Ansatz verbinde Innovation, industrielle Skalierung und globale Lieferfähigkeit – entscheidende Voraussetzungen in einem Markt mit stark wachsender Nachfrage nach Elektrifizierungstechnologien, so der Konzern.

Ausbau der Reinraumfläche und hohe Investition in Reutlingen

Bosch entwickelt und fertigt seit mehr als 60 Jahren Halbleiter, in Reutlingen seit mehr als 50 Jahren. Weil der weltweite Bedarf an Halbleitern weiter steigt, hat das Unternehmen in Reutlingen die Reinraumfläche von 39.000 auf mehr als 44.000 Quadratmeter ausgebaut (wir berichteten mehrfach). Diese Flächen sind in Betrieb, Bosch hatte für den Erweiterungsbau in der Tübinger Straße etwa 250 Millionen Euro investiert.

Ende Januar dieses Jahres kündigte Bosch zudem an, „unter Berücksichtigung der gesamtwirtschaftlichen Lage“ bis 2029 weitere rund 650 Millionen Euro in den Standort zu investieren und ihn künftig vor allem auf die Produktion und Entwicklung von Halbleitern auszurichten. Gleichzeitig wurde bekannt gegeben, dass nicht 1100 Stellen an den Standorten in Reutlingen und Kusterdingen abgebaut werden, sondern 950.