Sobald die etwas klobig anmutende Brille auf dem Kopf sitzt, folgt man Gina durch die Flure. Ein freundliches „Guten Morgen“ zur Kollegin im Büro auf der linken Seite, ein „Wie geht‘s?“ zum Kollegen auf der rechten. Die junge Frau ist flott unterwegs, doch man kann problemlos Schritt halten. Man betritt einen größeren Schulungsraum, zwei weitere junge Damen sitzen hinter einem Schreibtisch. Ihre Ausbildung macht ihnen Spaß, weil es kein 0815-Job sei, erklären sie mit einem Lächeln. Gina führt wieder aus dem Raum – keine Zeit verlieren. Denn in nur sieben Minuten erklären die Auszubildenden und Beschäftigten der RVM Versicherungsmakler GmbH aus Eningen in einem virtuellen Videoclip, was ihren Beruf erstrebenswert macht.

Per Virtual-Reality ins Versicherungsbüro

Die 360-Grad-3D-Brille (VR-Brille) war ein Highlight von vielen auf der zweiten Auflage der „Next-Step“-Ausbildungsmesse der SÜDWEST PRESSE Neckar-Alb. „Wir wollen den interessierten jungen Frauen und Männer Einblicke in unseren Alltag geben“, erklären Maggi Wiedwald und Helen Hofmann. „Mit der 360-Grad-Brille und dem Videoclip bringen wir unsere Büroräume direkt auf die Messe.“ Sperrig und langweilig? Versicherungen sind anders, sagen die beiden. „Der Job ist spannend und abwechslungsreich.“ Dass die Thematik Versicherung für Laien nicht immer einfach zu durchschauen ist, ist Helen Hofmann bewusst: „Keiner versteht’s, jeder braucht’s, wir erklären’s.“

Viele Jugendliche suchen das Gespräch

Vielfältig und kreativ, so präsentierten 25 Firmen ihren Arbeitsalltag, ihr Berufsfeld und vor allem ihre unterschiedlichen Ausbildungsmöglichkeiten. Die mehr als 600 jungen Erwachsenen zeigten sich interessiert und suchten häufig das Gespräch mit den potenziellen Arbeitgebern. Doch nicht nur die jungen Frauen und Männer waren gefragt, sondern auch deren Eltern. „Sie entscheiden sehr oft mit über die Berufswahl der Kinder. Sie geben ihnen Tipps und Ratschläge“, sagt Walter Bölk.
Eine Ausbildung ist immer noch die Basis für viele weitere Karriereschritte, betont der Ausbildungsleiter bei Bosch am Standort Reutlingen. „Man kann nach der Ausbildung immer noch neu entscheiden. Den Techniker oder den Meister machen – oder auch ganz andere Wege gehen. Und dann mit mehr Klarheit darüber, was man machen möchte.“ Denn: „Das weiß ich noch nicht“ sei häufig die erste Antwort, wenn die Jugendlichen nach ihrem Traumjob gefragt werden.

Werben für Beruf der Erzieherin

Wem auf der Messe junge Frauen mit plüschernen Handpuppen in Tieroptik begegnet sind, der hat Kontakt zur Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) Reutlingen aufgenommen. Die Fachschule für Sozialpädagogik bildet Erzieherinnen aus – und diese sind mit Leidenschaft bei ihrer Arbeit. „Man begleitet die Entwicklung der Kinder, bereitet sie auf die Schule und das Leben vor“, sagt Alisia Möck. Zumal die angehenden Erzieherinnen nicht nur in Kindergärten gebraucht werden, sondern auch an Grundschulen, in der Arbeit mit Menschen mit Handicap oder in Jugendhäusern. Und: Es gibt Geld für die Ausbildung – das war in der Branche über viele Jahre nicht gesichert.

Nur Arbeitgeber sein reicht nicht mehr

Eine faire, angemessene Bezahlung ist auch für die Pflege- und Betreuungsberufe der Bruderhaus-Diakonie wichtig. Natürlich gibt die Tätigkeit am und mit Menschen viel zurück, doch ohne gerechten Lohn sinkt die Attraktivität. „Für uns ist es immens wichtig, dass die Bezahlung wesentlich besser geworden ist, seit wir an den TVÖD angeschlossen sind“, sagt Elke Hiemesch. Die Sozialarbeiterin in der Jugendhilfe der Bruderhaus-Diakonie nimmt sich in den Gesprächen mit den jungen Menschen daher gerne Zeit, auch die Benefits wie vergünstigter ÖPNV oder betriebliche Altersvorsorge zu erklären. Nur noch Arbeitgeber zu sein, das reicht vielen Bewerberinnen und Bewerbern nicht mehr.

„Reaction-Wall“ bei der SÜDWEST PRESSE

Am Stand der SÜDWEST PRESSE konnten die Jugendlichen indes ihre Schnelligkeit testen. Die „Reaction Wall“ kam bei den jungen Frauen und Männern sehr gut an – wie generell die zweite „Next-Step“-Ausbildungsmesse, wie der Leiter Vermarktung der SÜDWEST PRESSE Neckar-Alb, Christian Testa, betonte: „Der hohe Andrang und die Tatsache, dass viele Kunden nach der ersten Auflage erneut dabei sind, zeigt die hohe Qualität der Messe und dass sich die ,Next Step‘ etabliert.“