Albtorplatz wird zum Märchenwald: Neue Organisatorin für den Reutlinger Weihnachtsmarkt

Jacqueline Högerle organisiert zum ersten Mal den Weihnachtsmarkt in Reutlingen. Sie möchte mehr Show, mehr Deko und keinen Markt, „der nur aus Essen und Trinken besteht“.
Dimitri Drofitsch/Privatfoto- Neue Organisatorin: Jacqueline Högerle übernimmt den Reutlinger Weihnachtsmarkt.
- Sie plant mehr Dekoration, Lichter und Liveprogramm – kein Markt nur mit Essen und Trinken.
- Altstadt und Bürgerpark bleiben getrennt, kein Bähnle; Stände weiter entlang der Wilhelmstraße.
- Albtorplatz wird zum Märchenwald mit Märchenerzählerin, Kasperle und „Eiskönigin“-Figuren.
- Liveacts an drei Tagen pro Woche, Riesenrad im Bürgerpark; längere Laufzeit nach Weihnachten möglich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Erstmals nach 20 Jahren wird nicht die Markt-Werk-Stadt GmbH den Reutlinger Weihnachtsmarkt organisieren. Die Stadt hatte die Planung neu ausgeschrieben – und vor kurzem mit Jacqueline Högerle den Vertrag unterschrieben. Die 30-Jährige freut sich auf die Aufgabe. „Es waren angenehme Verhandlungen mit der Stadt und ich kenne den Reutlinger Weihnachtsmarkt natürlich bestens. Seit ich 19 Jahre alt bin, komme ich als Besucherin her.“ Entsprechend hat die junge Unternehmerin aus Dunningen, die den Rückhalt der Schaustellerfamilie Högerle hat, ihre Ideen für den Budenzauber.
Mehr weihnachtliche Dekoration, mehr Lichter, mehr Programm. „Es soll einfach eine bessere Stimmung herrschen“, sagt Högerle im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Dunningerin möchte unter anderem mit Walking Acts, Fotospots und Livemusik Unterhaltung bieten. „Im vergangenen Jahr gab es kaum Liveprogramm, das war aber auch den hohen GEMA-Gebühren geschuldet“, sagt Högerle. Ihr komme nun entgegen, dass die GEMA die Regeln geändert habe und Livemusik nun etwas günstiger gespielt werden könne. An drei Tagen in der Woche sollen in der Altstadt und im Bürgerpark Bands, Chöre sowie Sängerinnen und Sänger auf den Bühnen stehen.
Altstadt und Bürgerpark als separate Standorte
Für Högerle sind die Weihnachtsmärkte in der Altstadt und im Bürgerpark zwei separierte Standorte. Während Clemens und Vildana Vohrer von der Markt-Werk-Stadt in den letzten Jahren versucht hatten, die Plätze zu verbinden, verzichtet Högerle darauf. „Eine richtige Verbindung – mit durchgehender Atmosphäre – wird man dort nicht schaffen. Dafür liegen die Standorte zu weit auseinander.“ Es wird also auch kein Bähnle geben. Dieses hatte vor zwei Jahren durchaus viele erwachsene und vor allem junge Besucher begeistert, bis die Fahrten im letzten Jahr eingestellt wurden. Das Sicherheitskonzept mit vielen festen Barrieren versperrte dem Bähnle die Strecke.
Den Marktplatz als Standort mit viel Flair möchte Högerle ebenfalls nicht bespielen. Ihr gefällt der bisherige Aufbau der Stände entlang der Wilhelmstraße gut. Wichtiger ist ihr, dass es wieder mehr Stände mit Kunsthandwerk gibt. „Das wurde in den vergangenen Jahren ein bisschen schleifen gelassen. Und es ist auch schwierig, qualitativ hochwertige Kunsthandwerker zu gewinnen – aber ich möchte keinen Markt, der nur aus Essen und Trinken besteht.“ 150 mögliche Standbetreiber habe sie angeschrieben, um sie auf den Reutlinger Weihnachtsmarkt zu locken. Wie viele zugesagt haben, verrät Högerle noch nicht.
Albtorplatz wird zum Märchenwald
Fest steht aber: Ihre Eltern werden wie über lange Jahre hinweg den Albtorplatz bespielen. Das ehemalige Nikolausdorf wird dabei zum Märchenwald umgewandelt. Märchenerzählerin, Kasperle-Theater, Anna und Elsa aus „Die Eiskönigin“ werden Kinder ebenso begeistern wie Märchenhütten, in denen Szenen beispielsweise aus dem Froschkönig oder Frau Holle nachgestellt werden. Natürlich wird es dort auch gastronomische Stände geben, damit Kinder und Erwachsene im Märchenwald verzaubert werden.
Im Bürgerpark wird Högerles Partner Christian Göbel aus Worms das Riesenrad betreiben. Auch er ist kein Neuer auf dem Reutlinger Weihnachtsmarkt, sondern brachte schon 2021 während der Pandemie den „White Star“ als Attraktion vor die Stadthalle.
Noch hat zwar nicht einmal der Sommer begonnen, doch das Datum für den Weihnachtsmarkt 2026 steht bereits fest: Ab dem 26. November bis zum 22. Dezember werden die Stände aufgebaut sein und der Altstadt weihnachtliche Atmosphäre bescheren. Ob auch Högerle wie Vohrers den Weihnachtsmarkt im Bürgerpark bis in den Januar fortführen wird? Eher nicht. „Das ist zu lange. Aber es ist gut möglich, dass wir die Stände dort bis über die Feiertage betreiben.“
30-Jährige nimmt Unmut anderer Schausteller gelassen
Zum Unmut vieler letztjähriger Marktbeschicker äußert sich Högerle kurz und knapp. Zur Erinnerung: Nachdem im vergangenen Winter klar wurde, dass sich Vohrers und die Markt-Werk-Stadt nicht auf die neue Ausschreibung für den Weihnachtsmarkt bewerben werden, hatten zahlreiche Schausteller einen Zuschlag für Högerles kritisiert. Es gab sogar eine Unterschriftensammlung, die der Stadtverwaltung überreicht wurde. Die große Schaustellerfamilie würde einen Großteil der Stände selbst betreiben, für alle anderen bliebe kein Geschäft übrig. Högerle sagt dazu: „Wir sind eher auf viele langjährige Beschicker zugegangen, die davor aussortiert wurden.“ Beispielsweise die Familie Bender, die viele Jahre vor der Marienkirche Gastronomie betrieben hatte.
Den Zuschlag für die Organisation des Reutlinger Weihnachtsmarkts hat Jacqueline Högerle übrigens für die nächsten fünf Jahre erhalten.

