Wochenmarkt muss umziehen: Fünf Monate Baustelle auf dem Reutlinger Marktplatz

Sobald die Leitungssanierung auf dem Reutlinger Marktplatz im Juli in die zweite Bauphase geht, muss die Außengastronomie des „Nua“ weiter in die Mitte des Platzes rücken. Denn bis auf Höhe des Maximilianbrunnens wird die Baustelle eingerichtet.
Dimitri Drofitsch- Auf dem Reutlinger Marktplatz werden ab Montag, 27. April, bis Ende September Leitungen saniert.
- Fünf Monate Baustelle – Versorgungssicherheit für Fernwärme, Strom und Wasser steht im Fokus.
- Außengastro vom „Nua“ rückt ab 10. Juli weiter in die Platzmitte, Gäste sitzen nahe am Bauzaun.
- Wochenmarkt zieht ab Dienstag in den Bürgerpark an die Stadthalle, teils Konflikte mit Events.
- Stadtfest, Altstadtlauf und Schwörtag sollen ohne Einschränkungen stattfinden. Samstags ruht die Arbeit.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Marktplatz ist das Herz jeder Stadt. Hier treffen sich Menschen, gehen rund um das Zentrum in den Geschäften einkaufen und besuchen Cafés und Restaurants. Umso sensibler sind Bauarbeiten, die das vielfältige Treiben einschränken – und auf Reutlingen kommt nun eine fünf Monate lange Baustelle zu: Ab kommendem Montag, 27. April, bis Ende September werden Leitungen im Untergrund saniert. „Es ist eine Operation am offenen Herzen“, sagt Angela Weiskopf.
Reutlingens Baubürgermeisterin ist bewusst, dass dieser Eingriff für Unmut sorgen wird. „Aber die Sanierung ist leider unumgänglich und kann nicht warten. Das Risiko wäre zu hoch“, sagte Weiskopf im Pressegespräch am Dienstag im Rathaus. Bereits im vergangenen Winter hatte die Fair-Netz Schäden an Fernwärmeleitungen beim Maximilianbrunnen beheben müssen. An diesen Leitungen hängt die Wärmeversorgung der Gebäude am Marktplatz sowie in der Wilhelmstraße. „Wir müssen die langfristige Versorgung sicherstellen“, betonte Thorsten Jansing, Geschäftsführer der Fair-Netz. Und die Arbeiten müssen jetzt, in den warmen Monaten, erfolgen und fertig sein, „bevor die Heizperiode beginnt“.
Außengastronomie des Café „Nua“ wird verlegt
Das Dilemma für Stadt und Fair-Netz liegt auf der Hand: Im Winter können die Leitungen nicht saniert werden, im Sommer kollidiert die Baustelle mit Festen, Veranstaltungen, Außengastronomie und Shopping bei Sonnenschein. Wichtig für das Stadtmarketing: Das Stadtfest am 19. und 20. Juni soll ohne Einschränkungen gefeiert werden. „Es wäre fatal, wenn dieses Fest, das nur alle zwei Jahre stattfindet, beeinträchtigt wird“, sagte Yasmin Miriam Maier von StaRT. Ihr war die Erleichterung, dass man eine Lösung gefunden hat, im Pressegespräch anzusehen – doch auf andere Beteiligte hat die Marktplatz-Baustelle größere Auswirkungen.
Beim „Nua“, ehemals Café am Markt, ist bei gutem Wetter oft jeder Sitzplatz der Außengastronomie belegt. Doch genau an dieser Stelle wird die zweite Bauphase ab dem 10. Juli starten. Vom Maximilianbrunnen am Sparkassengebäude vorbei bis zum Eingang in die Katharinenstraße zieht sich dann die abgesicherte Baugrube. Die „Nua“-Außengastro wird weiter in die Mitte des Marktplatzes verlagert und es wird einen Durchgang geben, doch die Gäste sitzen zwischen Café und Bauzaun. Optimal ist das nicht.
Wochenmarkt ab Dienstag rund um die Stadthalle
Komplett umziehen muss der Wochenmarkt. Die Beschicker werden ihr Gemüse und Obst bereits ab kommendem Dienstag, 28. April, im Bürgerpark vor der Stadthalle anbieten. Die Stände werden sowohl auf der Seite Richtung „Krankenhäusle“ und Skateanlage als auch direkt vor dem Haupteingang der Stadthalle aufgebaut. „Die Fläche nur im Bürgerpark reicht nicht aus, weil auch der Boden nicht die richtige Beschaffenheit hat“, erklärte Nicolay Dietrich, der bei der Stadt den Wochenmarkt betreut. Das wiederum sorgt für einen neuen Konflikt.
Vor allem an den Samstagen kollidiert der Wochenmarkt mit Events in und vor der Stadthalle. „Wir haben etwa 100 Veranstaltungen, die mit Terminen des Markts zusammenfallen“, sagte Tatjana Väth-Simon, Leitung Veranstaltungsmanagement der Stadthallen GmbH. Für viele Veranstaltungen muss der Bereich vor dem Haupteingang frei sein. Väth-Simon und Dietrich erklärten, dass man auch dafür Lösungen finden werde. Wo genau der Ersatz der Ersatzfläche jedoch sein wird, scheint offen.
Alternative um die Marienkirche hat mehr Nachteile
Trotz Einschränkungen für viele Beteiligte ist die gefundene Lösung für die Stadt die beste Option. „Jeder muss sich bewegen und alle müssen Kompromisse eingehen“, betonte Weiskopf. Man habe zudem geprüft, ob die Stände des Wochenmarkts in die Wilhelmstraße und auf den Weibermarkt neben der Marienkirche umziehen. Das habe jedoch mehr Nach- als Vorteile. Zum einen würden die Beschicker die Schaufenster und Eingänge der Geschäfte verdecken und beim Weindorf hätten die Lauben ohnehin Vorrang. Zum anderen „soll der Wochenmarkt als Ganzes erlebbar bleiben“, so Weiskopf. „Es ist sinnvoll, dass die Stände zusammenbleiben, weil sich das Angebot ergänzt.“
Samstags wird an der Baustelle nicht gearbeitet
Der Umzug des Markts auf den Bürgerpark sei nun eben ein Versuch. Ein Lernprozess. Ähnlich ist es in der Altstadt für Anwohner, Gastronomen und Händler. Jede Woche werden sie sich mit der Fair-Netz treffen, um über die aktuellen Baupläne informiert zu sein und Optimierungsbedarf zu diskutieren. Und wichtig: An den Samstagen wird nicht gearbeitet. „Dann wären wir zwar früher mit der Leitungssanierung fertig, aber für die Gastronomie und den Handel wären die Folgen zu groß“, sagte Fair-Netz-Projektleiter Tobias Armbruster.
Etwa 700.000 Euro kostet die Sanierung der Fernwärme-, Strom- und Wasserleitungen im Untergrund, die aus dem Jahr 1968 stammen. Mindestens 40 bis 50 Jahre sollte der Reutlinger Marktplatz nach der Sanierung von weiteren solcher Maßnahmen verschont bleiben.
Öffentlicher Baggerbiss, Altstadtlauf und „Stattstrand“
Der Baggerbiss für die Sanierungsarbeiten an den Leitungen auf dem Marktplatz ist öffentlich. Oberbürgermeister Thomas Keck wird diesen am Mittwoch, 29. April, um 14 Uhr vornehmen.
Die erste Bauphase bis Anfang Juli hat geringere Auswirkungen als die zweite, weil in dieser Phase vor der BW-Bank gearbeitet wird. Sparkasse und „Nua“ sind (noch) nicht betroffen.
Neben dem Stadtfest sollen auch der Altstadtlauf und der Schwörtag ohne Einschränkungen stattfinden. Von dem Umzug des Wochenmarkts in den Bürgerpark sei zudem der „Stattstrand“, die Gastro-Location an der Echaz, nicht betroffen.

