40 Prozent der Früchte beschädigt
: Die Lese des Reutlinger Weins könnte komplett ausfallen

Ein heftiger Hagelsturm im Juli hat dem Reutlinger Weinberg extrem zugesetzt. Fast die Hälfte der Früchte ist zerstört – und es ist nicht sicher, ob es überhaupt einen 2026er-Jahrgang des Reutlinger Weins geben wird.
Von
Maik Wilke
Reutlingen
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Die Schäden, die ein schwerer Hagel im Juli dieses Jahres hinterlassen hat, sind an den Trauben im Reutlinger Weinberg gut zu erkennen.

Stadt Reutlingen
  • Heftiger Hagel im Juli zerstörte am Reutlinger Weinberg rund 80 % Laub und 10 % Trauben.
  • 30 % der verbliebenen Beeren sind beschädigt – die gemeinsame Lese fällt dieses Jahr aus.
  • Es ist unklar, ob überhaupt geerntet wird; ein 2026er-Jahrgang ist gefährdet.
  • 2025 gilt als Top-Jahrgang, doch die alten Rebstöcke von 1957 stehen vor dem Ende.
  • Auf 58 Ar wachsen 60 % Müller-Thurgau und 40 % Portugieser, Verkauf meist über die Stadt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Schicksal eines Winzers ist hart. Egal, wie viele Stunden man in die Reben investiert, ist der Ertrag oft ungewiss. Die Früchte unterscheiden sich von Jahr zu Jahr – und im schlimmsten Fall fällt eine Ernte komplett aus. Das könnte in diesem Jahr dem Reutlinger Weinberg wiederfahren. „Derzeit kann nicht abgeschätzt werden, ob überhaupt geerntet werden kann.“

Diese Aussage hat Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck vor wenigen Tagen an die Mitglieder des Gemeinderats und an unsere Redaktion geschickt. Anlass: Jedes Jahr am Ende der Sommerferien kommen Mitglieder des Gremiums im städtischen Weinberg zusammen, um einen Teil der Früchte von den Reben zu ernten. Die Lage Am Schönen Weg bietet einen wundervollen Blick über die Stadt, der Oberbürgermeister prüft mit einem geschulten Blick in das Refraktometer den Oechsle-Gehalt der Trauben. Reutlingens Weinberg ist kein großer, und doch hat die gemeinsame Lese Tradition.

10 Prozent abgeschlagen, 30 Prozent der Beeren beschädigt

In diesem Jahr wird sie höchstwahrscheinlich ausfallen, wie Keck mitteilt. Während in anderen Gebieten die Ernte so früh begonnen hat, wie noch nie, hat ein Wetterereignis den Reutlinger Reben enorm zugesetzt. „Das schwere Hagelunwetter am 15. Juli hat in unserem Weinberg etwa 80 Prozent des Laubs zerstört und zehn Prozent der Trauben abgeschlagen. Zudem wurden 30 Prozent der verbliebenen Beeren beschädigt“, erklärt der Oberbürgermeister, der nach dem Hagel selbst die Reben besichtigt hat.

Der Anblick war für Keck, der selbst aus einer Winzerfamilie kommt, sicher schwer zu ertragen. „Durch den Hagel und die starke Trockenheit in diesem Jahr haben sich die Trauben sehr uneinheitlich weiterentwickelt. Während in anderen Weinbaulagen bereits mit einer vorzeitigen Weinlese begonnen werden musste, müssen wir dieses Jahr auf unsere gemeinsame Weinlese verzichten“, so der Oberbürgermeister, der aber für die kommenden Jahre optimistisch bleiben möchte: „Es bleibt zu hoffen, dass wir in den kommenden Jahren, von solchen Wetterereignissen verschont bleiben und diese schöne Tradition mit dem Gemeinderat und der Verwaltung wieder in altbewährter Weise weiterführen können.“

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Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck zeigt: Die Hagelkörner, die im Juli fielen, waren größer als die Trauben an den Rebstöcken.

Stadt Reutlingen

2025 noch ein Top-Jahrgang

Damit wird der Reutlinger Weinberg zu einem Beispiel dafür, wie unterschiedlich die Ernten von Jahr zu Jahr sein können. Noch vor ziemlich genau zwölf Monaten hingen viele knackige und schmackhafte Beeren an den Reben, Oberbürgermeister Keck sagte: „Beim Ertrag werden wir eine deutliche Steigerung haben.“ Der 2025er Reutlinger Wein könne ein Top-Jahrgang werden – der 2026er dagegen wird im schlimmsten Fall gar nicht gekeltert.

Im Reutlinger Weinberg werden auf 58 Ar zu 60 Prozent Müller-Thurgau und zu 40 Prozent Portugieser angebaut. Doch die 1957 gesetzten Rebstöcke der Stadt gehen dem Ende ihres Lebens entgegen. Bereits bei einem Besuch des Fellbacher Winzers Gert Aldinger 2023 hatte dieser einen Neustart empfohlen; die Stadt könne in Zukunft Burgunder und Chardonnay in den kalkhaltigen Reutlinger Böden anbauen. Doch solch ein Umbau kostet viel Geld. Angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt stehen die Reben nicht weit oben auf der Prioritätenliste.

Wo es den Reutlinger Wein zu kaufen gibt

Hauptabnehmer der etwa 1000 Flaschen Wein aus eigenem Anbau ist die Stadt Reutlingen selbst. Müller-Thurgau und Portugieser werden bei städtischen Veranstaltungen ausgeschenkt und an Jubilare verschenkt. Für Bürger und Gäste gibt es Reutlinger Wein zu kaufen, und zwar bei der Tourist-Info am Marktplatz, an der Pforte des Rathauses und im Heimatmuseum. Die Flaschen kosten zwischen 7 und 9 Euro, der Sekt etwa 10 Euro.

Einen alkoholfreien Wein, der immer beliebter wird, bietet die Stadt nicht an. „Bei den geringen Mengen, die wir produzieren, lohnt sich das nicht“, sagt Keck. Die Reutlinger Weine seien vielmehr als Reminiszenz an die große Weinbau-Vergangenheit der Stadt zu verstehen. Immerhin haben die Wengeter laut Keck über 400 Jahre den Bürgermeister gestellt und seien die mit Abstand stärkste der zwölf Zünfte gewesen.