Pferd stirbt nach Feuerwerk
: „Sie lag in der Box und konnte nicht mehr aufstehen“

Am Tag nach einem nahen Feuerwerk muss auf einem Reiterhof in Langenau eine betagte Stute eingeschläfert werden. War der Stress zu viel für das Tier?
Von
Stefan Czernin
Langenau
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Pferde von Feuerwerk verschreckt, eins gestorbenTreffen mit Pferdebesitzerin Andrea Ebel am Reiterhof in Langenau

Andrea Ebel (links) und Martina Rüd mit ihren Pferden auf dem Reiterhof der Familie Eberhardt in Langenau. Sie wollen auf die tragischen Konsequenzen aufmerksam machen, die Feuerwerke in der Nähe von Ställen haben können.

Matthias Kessler

„Die Tierärztin musste sie erlösen.“ Eine Veterinärin schläferte am 14. Juli auf der Steinhäusle Ranch, dem Reiterhof der Familie Eberhardt in Langenau, eine 31 Jahre alte Stute ein. Über 30 Jahre ist ein mehr als ansehnliches Alter für ein Pferd. „Das war eine alte Dame“, sagt Reiterhof-Besitzer Alexander Eberhardt. Trotzdem kam das Ableben des Tieres überraschend. Und es gibt einen starken Verdacht darüber, was für den Tod des Tieres verantwortlich ist. Auf einem Hof in der Nachbarschaft gibt es ein gastronomisches Angebot. Dort können auch größere Geburtstage und Hochzeiten gefeiert werden. Am 13. Juli fand dort eine größere, private Feier statt. Und dazu gehörte auch ein Feuerwerk. Den Feuerwerker hatte die Festgesellschaft auf eigene Faust gebucht.

„Das war schon brachial“, berichtet Eberhardt. 60 Pferde gibt es auf der Ranch. Sie gehören der Familie Eberhardt oder Pferdebesitzerinnen und -besitzern, die diese dort untergebracht haben. Gegen 22.15 Uhr explodierte dann nicht nur das Feuerwerk am Himmel über dem Reiterhof, sondern auch die WhatsApp-Gruppe der Pferdebesitzer. Das berichtet Andrea Ebel, die ihren Wallach Spotty schon seit einigen Jahren auf dem Hof untergebracht hat. Ein Video des Feuerwerks sorgte für Entsetzen. „Pferde sind Fluchttiere“, so Ebel. Und sie seien wegen des Feuerwerks und des damit einhergehenden Lärms in Panik geraten. Zu den Boxen im Stall gehört jeweils auch ein kleiner Außenbereich, der immer zugänglich ist. Einige der Pferde hätten Prellungen erlitten, die aber nicht behandelt werden mussten.

Stute konnte nach dem Feuerwerk nicht mehr aufstehen

Schlimmer traf es die 31 Jahre alte Stute. „Sie lag am nächsten Morgen in ihrer Box und konnte nicht mehr aufstehen“, sagt Martina Rüd. Sie hat ebenfalls ein Pferd in dem Stall und ist eine Freundin der betroffenen Besitzerin. „Ich bin als seelisch-moralischer Beistand dazugekommen.“ Der Zustand der Stute sei dem Alter entsprechend gut gewesen. Aber der nächtliche Stress sei dann offenbar doch zu viel gewesen, das Herz machte nicht mehr mit.

Der Tod des Tieres erschütterte die Stallgemeinschaft. Etliche Pferdebesitzer schrieben E-Mails an die Langenauer Stadtverwaltung, getrieben von der Frage: Warum wird ein Feuerwerk so nahe an einem Reiterhof genehmigt? Die Schilderungen in den Nachrichten sind eindrücklich und emotional.

„Sie werden sich ausmalen können, was in der Zeit dieses Feuerwerks in dem Stall ausbrach! Stress hoch 4, Angst, stressbedingtes Herumgerenne in Box und auf Paddocks und so weiter“, heißt es in einer. „Ich möchte mir nicht ausmalen, was panische Pferde anrichten, vor allem in Bezug zur Nähe der Autobahn“, in einer anderen.

Feuerwerk war ohne Genehmigung möglich

Der Feuerwerker hatte das Feuerwerk bei der Stadt gemeldet – und die hat offenbar kaum Möglichkeiten, ein Verbot auszusprechen. „Gemäß der Sprengstoffverordnung dürfen pyrotechnische Gegenstände durch Inhaber einer Erlaubnis abgebrannt werden. Eine Genehmigung ist hierfür nicht erforderlich. Vielmehr muss lediglich eine Anzeige bei der zuständigen Behörde vorgenommen werden“, teilte das städtische Ordnungsamt den Pferdebesitzern mit. „Das Feuerwerk am 13. Juli wurde von einem solchen Inhaber einer Erlaubnis durchgeführt und das Feuerwerk auch rechtskonform angezeigt.“ Es könne nur untersagt werden, wenn die Schutzvorschriften nicht eingehalten werden können. Und genau dort liegt das Problem, erklärt Anja Rieck vom Ordnungsamt auf Anfrage dieser Zeitung. „Die Schutzvorschriften betreffen Menschen“, so Rieck. Ein benachbartes Krankenhaus oder ein Altenheim wären ein Grund für einen Unterlassungsbescheid, ein naher Reiterhof hingegen nicht. „Es traurig, was dem Tier passiert ist“, sagt auch die Langenauer Bürgermeisterin Daria Henning. Aber auch sie sieht die Probleme, Feuerwerke im Einzelfall zu unterbinden.

Auch Tierschutzbehörde hat keine Handhabe

Ähnlich sieht es auf Kreisebene aus: „Unser Veterinäramt hat als Tierschutzbehörde keine Handhabe, Feuerwerke aus tierschutzrechtlichen Gründen zu verbieten. Es ist hinlänglich bekannt, dass Pferde (wie auch Rinder) Fluchttiere sind, die mitunter sehr sensibel oder sogar panisch auf Feuerwerk reagieren“, teilt Pressesprecherin Daniela Baumann vom Landratsamt Alb-Donau-Kreis mit.

Reiterhof-Besitzer Eberhardt betont, dass das Feuerwerk von der privaten Festgesellschaft bestellt worden war. Und nicht vom Hofbesitzer. „Die Familie hält Milchvieh und möchte das selbst nicht.“ In der Satzung für Feiern sei sogar verankert, dass Feuerwerke nicht erwünscht sind. „Aber nicht jeder hält sich daran“, so Eberhardt. Der Gastro-Hofbesitzer wollte sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern. „Wir wollen niemanden an den Pranger stellen“, sagt auch Pferdebesitzerin Andrea Ebel.   „Aber ein Bewusstsein dafür schaffen, was die Konsequenzen von solchen Feuerwerken sein können.“

Veterinäramt fordert Vorwarnung

Aus Sicht des Veterinäramts sollten Betriebe, die Fluchttiere wie Pferde oder Rinder halten, „von den Veranstaltern unbedingt vorab informiert werden, wenn außerhalb der Neujahrstage in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft Feuerwerke abgebrannt werden“, so die Kreisbehörde. Um so die Tiere bestmöglich schützen zu können.