Tarifstreit in der Brotindustrie
: Bei Jaus Bakery steht die Produktion still

Die Spätschicht legt am Donnerstag, 24. Juli, die Arbeit nieder. Noch bis 22 Uhr stehen die Bänder still. Grund ist ein Tarifstreit in der Brotindustrie in Bayern.
Von
Stefan Czernin
Weißenhorn
Jetzt in der App anhören
Warnstreik Jaus Bakery Weißenhorn

Kapuzen, Schirme und Pavillons boten bei der Streikkundgebung Schutz vor dem Regen. Die Stimmung war trotz des schlechten Wetters kämpferisch.

Stefan Czernin
  • Warnstreik bei Jaus Bakery in Weißenhorn legt Produktion am 24. Juli von 14 bis 22 Uhr lahm.
  • Grund ist ein Tarifstreit: NGG fordert 7 % mehr Lohn, Arbeitgeber bieten nur 2,2 %.
  • Bayern hat die bundesweit niedrigsten Löhne in der Brotindustrie, Lebenshaltungskosten steigen.
  • Betriebsrat: 90 % der Belegschaft sind organisiert, Streikbereitschaft ist hoch.
  • Dritte Tarifrunde steht an, zuletzt gab es 6,4 % Lohnerhöhung nach Streiks.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Rätschen, Musik und zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in neongelben Warnwesten machten am Donnerstagnachmittag, 24. Juli, klar: Bei der Firma Jaus Bakery in der Daimlerstraße in Weißenhorn wird gestreikt, die Spätschicht legte die Arbeit nieder. Schirme und Pavillons der Gewerkschaft NGG boten den Beschäftigten vor dem Werkstor Schutz vor dem Regen.

Hamburgerbrötchen, Schnittbrote, Baguette und Ciabatta für den europäischen Einzelhandel werden in dem Betrieb mit rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hergestellt, während des Warnstreiks lag die Produktion zwischen 14 Uhr und 22 Uhr still.

NGG fordert sieben Prozent mehr Lohn

Grund ist ein Tarifstreit in der Brotindustrie. Im Mai haben die Verhandlungen begonnen, sieben Prozent mehr Lohn fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Bayern. „Es geht darum, Druck aufzubauen und zu zeigen, dass wir es ernst meinen“, sagte Paul Stüber, Gewerkschaftssekretär der NGG Schwaben, auf der Kundgebung.

In der kommenden Woche steht die mittlerweile dritte Runde an. „Dass der Landesinnungsverband auch bei der zweiten Tarifrunde massiv auf die Lohnbremse getreten ist, hat bei den Jaus-Beschäftigten für Wut und Enttäuschung gesorgt“, berichtete Stüber.

Bundesweit seien die Löhne in der Brotindustrie in Bayern am niedrigsten, erklärte Stüber. Und das wollen die Beschäftigten nicht länger akzeptieren. Zumal die Lebenshaltungskosten deutlich angezogen haben. „Dieser Abstand muss endlich aufgeholt werden. Bayern ist eines der teuersten Bundesländer und trotzdem haben wir die schlechtesten Tariflöhne.“ Die Gewerkschaft vertritt in Bayern rund 1000 Beschäftigte in der Brotindustrie.

90 Prozent sind in der Gewerkschaft

Auch Jaus-Bakery-Betriebsratschef Mustafa Süslü war unter den Demonstranten. „Unsere Belegschaft ist zu knapp 90 Prozent organisiert“, berichtete er. Die Streikbereitschaft sei hoch. 7 Prozent Lohnerhöhung fordert die Gewerkschaft, die Arbeitgeber würden aktuell aber nur 2,2 Prozent anbieten. „Das ist weit, weit weg von dem, was wir wollen“, sagte Süslü. „Darum müssen wir ernst machen, die Menschen brauchen das Geld.“ Die Preissteigerungen würden die Arbeiter und Arbeiterinnen immer mehr belasten.

Jaus Bakery Betriebsratschef Mustafa Süslü

Betriebsratschef Mustafa Süslü am Streiktag vor dem Werkstor.

Stefan Czernin

In der vergangenen Tarifrunde konnte am Ende ein Lohnplus von 6,4 Prozent erzielt werden, berichtete Stüber. Auch damals war bei Jaus Bakery in Weißenhorn gestreikt worden.