Tarifstreit in der Brotindustrie
: Bei Jaus Bakery in Weißenhorn stehen die Bänder still

Früh- und Spätschicht streiken gemeinsam für mehr Lohn. Noch bis 22 Uhr laufen keine Hamburgerbrötchen und weitere Produkte vom Band. Die Gewerkschaft fordert bayernweit zehn Prozent mehr Lohn.
Von
Stefan Czernin
Weißenhorn
Jetzt in der App anhören
Warnstreik Brotindustrie bei Jaus Bakery in Weißenhorn

Warnstreik bei Jaus Bakery in Weißenhorn: Von 6 Uhr bis 22 Uhr geht am Dienstag in der Produktion nichts mehr.

Matthias Kessler

Die Trillerpfeifen und das Megafon sind schon weitem zu hören, Fahnen werden geschwenkt: Auf dem Parkplatz der Firma Jaus Bakery in der Daimlerstraße in Weißenhorn legen am Dienstag, 11. Juni, die Früh- und die Spätschicht die Arbeit nieder. Hamburgerbrötchen, Schnittbrote, Baguette und Ciabatta für den europäischen Einzelhandel werden in dem Betrieb mit rund 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hergestellt, während des Warnstreiks liegt die Produktion zwischen 6 Uhr und 22 Uhr still. Grund ist ein Tarifstreit in der Brotindustrie. Anfang Juni haben die Verhandlungen begonnen, zehn Prozent mehr Lohn fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Bayern. „Aber die Arbeitgeber sind leider taub“, sagt Paul Stüber, Gewerkschaftssekretär der NGG Schwaben, auf einer Kundgebung vor dem Betrieb. Das Gegenangebot beläuft sich auf 5,5 Prozent sowie ein weiteres, kleines Plus für bestimmte Tarifgruppen.

Ende Juni steht die nächste Runde an. „Und wenn wir unser Ziel nicht erreichen, stehen wir wieder auf der Straße.“ Bundesweit seien die Löhne in der Brotindustrie in Bayern am niedrigsten, berichtet Stüber am Rande der Veranstaltung. Und das wollen die Beschäftigten nicht länger akzeptieren. Zumal die Lebenshaltungskosten deutlich angezogen haben.

„Ohne mehr Geld geht es nicht“

Das untermauert NGG-Landesbezirkssekretär Sebastian Wiedemann in einer Mitteilung. Die Gewerkschaft vertritt in Bayern rund 1000 Beschäftigte in der Brotindustrie. Mit dem Angebot der Arbeitgeber könnten die gestiegenen Kosten für Miete, Energie und Lebensmittel niemals aufgefangen werden. „Außerdem rangieren die Beschäftigten der bayerischen Brotindustrie im Vergleich quasi im Lohnkeller.“

Mit einer großen Fahne steht Jaus-Bakery-Betriebsratschef Mustafa Süslü unter den Demonstranten. „Unsere Belegschaft ist zu 90 Prozent organisiert und immer bereit zu streiken“, berichtet er. „Wenn wir kämpfen, können wir auch etwas erreichen.“ Die Preissteigerungen würden die Arbeiter und Arbeiterinnen immer mehr belasten. „Ohne mehr Geld geht es nicht. Sonst gehen wir wieder auf die Straße.“ Der nächste Warnstreik in der Region ist schon terminiert. Wo und wann, wird aber noch nicht öffentlich bekannt gegeben.