Kind mit Behinderung: Damiano und Theodora sind besondere Geschwister

Der 15-jährige Damiano und die zwölfjährige Theodora zu Hause in Ulm. Sie erzählen, wie sie ihre Geschwisterbeziehung erleben.
Volkmar Könneke- Theodora, 12, has Down syndrome; her brother Damiano, 15, sees her as a typical younger sister.
- Damiano joined the "Group for Special Siblings" by BRK since Oct 2023 for siblings of children with disabilities.
- The group will split into two for different age groups to address specific needs.
- Damiano supports Theodora without being burdened; they share a strong bond.
- Upcoming event: Vera Perkovac's reading on March 21, 2025, at Ulmer Volkshochschule.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Für mich persönlich ist Theodora halt eine Schwester“, sagt Damiano Seccia. „Klar, sie hat ein paar Besonderheiten. Aber ich finde, sie hat vor allem etwas von einer kleineren Schwester, weil sie wegen ihrer Behinderung vom Verhalten her ein bisschen jünger wirkt.“ Der 15-Jährige sitzt gemeinsam mit seinen Eltern Vera Perkovac und Giovanni Seccia am Familientisch in ihrem Zuhause in Ulm. Währenddessen kommt die zwölfjährige Theodora immer wieder an den Tisch und zeigt verschiedene Gesellschaftsspiele, die sie gern spielt. Theodora hat das Down-Syndrom. Wie ihr Bruder sie beschreiben würde: „Sie ist fröhlich und offen. Sie ist einfach sehr lieb.“
Damiano Seccia gehörte zu den ersten Teilnehmern der „Gruppe für besondere Geschwister“, ein Angebot der Offenen Behindertenarbeit des Kreisverbands Neu-Ulm des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Die Gruppe ist für Kinder und Jugendliche von Geschwistern mit Behinderungen, es gibt sie seit Oktober 2023. Unter dem Motto: „Jetzt bist du auch mal dran …!“ traf sich die Gruppe bisher an verschiedenen Orten im Landkreis Neu-Ulm.
Ein Alltag, so bunt wie bei allen Familien
Jetzt wird das Angebot erweitert, aus einer Gruppe werden zwei – eine für Kinder und eine für Jugendliche. „Je nach Alter sind unterschiedliche Themen relevant, deshalb wollten wir das Angebot ausbauen“, sagt Sabrina Glöckle von der Offenen Behindertenarbeit des BRK. Warum es ein solches Angebot braucht: „Weil es immer Kinder sind, die gar nicht so gesehen werden.“ Meist seien die Kinder ohne Behinderung Mitläufer. Zudem werde ihnen schon früh Verantwortung übertragen. Mit dem Angebot soll deren besondere Lebenssituation in den Mittelpunkt gerückt werden.
Dass es einen Unterschied zwischen ihm und seiner Schwester gibt, sei Damiano als Kind aufgefallen, erzählt Vater Giovanni Seccia. „Als er so fünf Jahre alt war, hat er gefragt, warum Theodora noch nicht richtig spricht. Da war er in einem Alter, in dem er zwischen ihr und anderen Kindern vergleichen konnte.“ Als er älter wurde, sei er außerdem sehr interessiert daran gewesen, wie die Trisomie 21 entsteht. „Theodora hingegen hat keine Vorstellung, dass sie anders wäre“, sagt Vera Perkovac. „Sie hat auch keine Vorstellung von dem, was behindert ist.“ Dass ein Familienleben mit einem Kind mit dieser Besonderheit herausfordernd sein soll, hört die Mutter oft von außen. „Ob schwieriger oder leichter, das sind keine Kriterien für mich. Es gibt unterschiedliche Phasen und unsere Kinder fordern uns unterschiedlich. Aber unser Alltag ist genauso vielfältig und bunt, darauf versuche ich immer hinzuweisen.“
„Die beiden können sich aufeinander verlassen“
Wenn es darum geht, welche Rolle Damiano bei der Unterstützung von Theodora einnimmt, reflektieren sich die Eltern immer selbst, berichten sie: „Damiano sollte nie den Eindruck bekommen, er darf wegen Theodoras Behinderung etwas nicht“, sagt Giovanni Seccia. Bruder und Schwester hätten eine sehr schöne Beziehung. „Die beiden können sich aufeinander verlassen“, sagt Vera Perkovac. Ihr Sohn zeige eine „berührende Fürsorglichkeit“, nehme seiner Schwester aber auch nicht alles ab. Ihm Verantwortung für seine Schwester aufbürden, das wollen die Eltern nicht – im Gegenteil. Damiano gebe von ganz allein auf Theodora acht. So sei es beispielsweise mittlerweile möglich, dass Giovanni Seccia allein mit Theodora und Damiano zur Familie nach Italien fliegt. Der 15-Jährige bekomme auch längst mit, wenn seine Schwester aufgrund des Down-Syndroms ungerecht behandelt wird. „Das regt mich auch auf“, sagt er.
Je länger das Interview dauert, desto mehr Vertrauen fasst auch Theodora. Auf die Frage, was sie denn gern an ihrem Bruder mag, fällt ihr ein gemeinsamer Nachmittag ein: „Als Damiano Burger gemacht hat. Das war lecker“, sagt die Zwölfjährige. Sie hilft ihrem Bruder gern beim Kochen. Und sie kennt die Namen der Computerspiele, die er spielt. Gerne gehen sie auch gemeinsam zu den Pferden. Als das Foto für diesen Bericht gemacht wird, zeigt sich, wie wichtig Damiano für seine jüngere Schwester ist. Zunächst möchte die Zwölfjährige in der ungewohnten Situation nicht lächeln. Damiano redet mit Theodora, legt den Arm um sie. Er gibt ihr Halt und Orientierung – und dann lächeln die Geschwister beide in die Kamera.
Engagement zum Thema
Vera Maria Perkovac ist seit dieser Legislatur Mitglied im Ulmer Inklusionsbeirat. Zudem ist sie eine Ansprechpartnerin für die Selbsthilfegruppe „Down Kids Ulm“. Diese bietet unter anderem einen monatlichen Stammtisch und Beratung für Eltern an, die ein Kind mit Down-Syndrom haben.
Vera Perkovac erhielt den Förderpreis der Stadt Ulm für Literatur im Jahr 1989/1990. Am Freitag, 21. März 2025, um 19 Uhr, lädt die Informations- und Vernetzungsstelle Pränataldiagnostik Ulm in Kooperation mit der Ulmer Volkshochschule in den „Club Orange“ zu ihrer Lesung „Die Poesie des Down Syndroms“ mit anschließender Diskussion ein. In ihren Texten setzt sich die Autorin mit bisherigen Erfahrungen, die ihre Tochter und die Familie gemacht haben, auseinander. „Wenn die Welt beginnt, sich in das scheinbar Unperfekte zu verlieben, wird das Anderssein verblassen“, schreibt sie.
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