Eine ganze Kolonne von Menschen machte sich am Mittwochmittag auf dem Weg zum Waldfriedhof in Weißenhorn. Etwa 300 Leute versammelten sich dort, um einem bekannten und beliebten Weißenhorner Lebwohl zu sagen. 33 Jahre lang lebte Robert Bachinger am Weißenhorner Stadtrand auf einer Wiese nahe der Roth. Dort ist er in seinem Wohnwagen am 8. Januar im Alter von 67 Jahren gestorben.
„Er war ein Experte in der Entschleunigung der Zeit“, sagte der katholische Stadtpfarrer Lothar Hartmann während der Trauerfeier. Alle Plätze waren belegt, in einer dichten Reihe standen die Trauergäste an den Wänden der Halle entlang, während draußen viele weitere auf die Beisetzung warteten. Zum Auftakt erklang „Let it be“ von John Lennon.

„Er ließ sich nicht verbiegen“

„Der Graf war ein Original. Er ließ sich nicht verbiegen. Und er gehörte zu Weißenhorn dazu“, sagte Hartmann. Robert Bachinger gehörte der jenischen Gemeinschaft an und war katholisch. Der Stadtpfarrer erinnerte daran, wie Bachinger mit seinem Traktor in der Stadt unterwegs gewesen war, um Altmetall zu sammeln. Dabei sei es immer wieder zu netten Begegnungen gekommen, Bachinger winkte vom Traktor herab, es entwickelten sich Gespräche. „Die Menschen haben ihn gemocht. Und sie haben seine Lebensart akzeptiert.“
Robert Bachinger wurde am 19. August 1955 in Ichenhausen geboren, durchlebte keine einfache Kindheit und Jugend. Auf der Wiese am Weißenhorner Stadtrand, auf der er lebte, fertigte Bachinger aus dem gesammelten Schrott auch Kunstwerke an. „Er liebte seine Freiheit und seine Ungebundenheit“, sagte Pfarrer Hartmann. Er sei den Menschen zugetan gewesen, zu viel Nähe habe er aber nicht gewollt. Bachinger war am 8. Januar in seinem Wohnmobil wohl im Schlaf verstorben. Kein langer Krankenhausaufenthalt, kein Heim. Das sei wohl ganz in seinem Sinne, vermutete Hartmann. „Er wollte niemanden zur Last fallen.“

Viele Blumen und Tränen

„Irgendwo anders zu leben, hätte er nicht verkraftet“, hatte Helmut Moßner schon kurz nach Bachingers Tod gegenüber unserer Zeitung erklärt. Der pensionierte Gymnasiallehrer hatte eine Bachinger-Ausstellung im Heimatmuseum initiiert und den Aussteiger immer wieder besucht und fotografiert. „Er wollte niemand auf den Wecker gehen, sondern nur sein Leben auf seine Weise leben.“
Nach der Gedenkfeier zog die Trauergemeinschaft zu Bachingers Grabstelle auf dem Waldfriedhof, wo die Urne beigesetzt wurde. Viele Blumen wurden dort niedergelegt, Tränen flossen. „Lasst mich weiterleben in eurer Erinnerung“, heißt es in Robert Bachingers Beerdigungskarte. Und dann wird noch ein „Servus“ nachgeschoben.