In etwa auf halber Strecke zwischen Lwiw und Kiew liegt Starokostjantyniw. Die Stadt in der Ukraine ist die Heimat von Maia Syrovatska und ihrer Tochter Maryna Heinrich, die bereits wenige Tage nach Kriegsbeginn den Verein „Münsingen hilft“ mitbegründet und den Vorsitz übernommen hat – mit Stefan Dumbeck als zweiten Vorsitzenden an ihrer Seite. Dieser hat den Akteuren auch eine Lagerhalle im Industriegebiet als Anlaufstelle zur Verfügung gestellt. Dort werden die gespendeten Hilfsgüter vor ihrem Weitertransport in die Ukraine gesammelt. Mehrfach schon hat der Verein Hilfstransporte in eigener Regie durchgeführt, um dort die zahlreichen Binnenflüchtlinge, Menschen im Altersheim oder die Klinik sowie die Feuerwehr genauso zu unterstützen wie Ukrainer in anderen Landesteilen. Natürlich sind die Helfer von der Alb dort inzwischen sehr gut bekannt. Das führt immer wieder zu Anfragen, die über die Unterstützung mit Hilfsgütern hinausreichen.

Mehrere Kliniken wurden angefragt

So auch im Fall eines 22-jährigen ukrainischen Soldaten, der bei Kämpfen im Osten des Landes schwer verwundet wurde. Doch trotz mehrfacher Operationen konnten nicht alle Granatsplitter aus seinem Körper entfernt werden. Eine drohende Amputation des Beins stand im Raum.
Seine Mutter bat „Münsingen hilft“ bei deren Besuch in der Stadt um Unterstützung. „Das war natürlich völliges Neuland für uns und wir wussten zunächst nicht, wie wir vorgehen können“, erinnerte sich Dumbeck im Gespräch mit unserer Zeitung. Die ersten Informationen lieferte auf Nachfrage der Europaabgeordnete Andreas Glück. Als wertvolle Unterstützung erwies sich Michael Kirschbaum aus der Nähe von Stuttgart, der „sehr gut vernetzt“ unterwegs war, wie Dumbeck weiter berichtete. Über ihn entstand auch der Kontakt zur Björn Steiger Stiftung, die bei der Aktion mit „Münsingen hilft“ eng zusammenarbeitete. „Mehrere Kliniken wurden angeschrieben und aus Itzehoe lag ziemlich rasch die Zusage für eine kostenlose Behandlung vor“, erinnert sich Dumbeck. Da die Klinik selbst keine Kontakte in die Ukraine unterhält, mussten sich die Akteure von Münsingen hilft weiterhin um die erforderliche Genehmigung kümmern. Eingeschaltet wurde unter anderem die deutsche Botschaft in Kiew, die Unterlagen für die Bearbeitung auf Ebene der bürokratischen Verwaltung benötigte. Die vorhandenen Röntgenbilder und der Arztbericht wurden zudem angefordert und ans Klinikum nach einer Übersetzung weitergeleitet.

Operation im Uniklinikum Aachen

Die Entscheidung lag letztlich beim ukrainischen Verteidigungsministerium und wurde in enger Abstimmung mit der Bundesregierung getroffen – anders jedoch als die Beteiligten es erwartet und in die Wege geleitet hatten. Denn der 22-Jährige wurde zusammen mit weiteren 39 verletzten Soldaten nach Warschau gebracht und von dort ging es mit einem Flugzeug weiter nach Köln. Die Behandlung aller Kriegsopfer erfolgte dann am Uniklinikum in Aachen. Schon drei Tage nach der erfolgreich durchgeführten Operation kehrte er in die Ukraine zurück. „Es geht ihm wieder gut“, weiß Dumbeck, „aber natürlich musste er wieder zurück an die Front.“
Für die Vereinsvorsitzende Maryna Heinrich spiegelt sich darin ein Ziel des Vereins, nämlich Menschen, die in Not geraten sind, zu helfen und zwar auch abseits des ursprünglichen Vereinszwecks – der Organisation von Hilfsgütertransporten –, wenngleich dies nach wie vor im Fokus der Aktivitäten steht. Doch als der Hilferuf einer jungen Mutter beim Verein landete, deren schwer an Krebs erkrankte Mutter noch einmal an einem Laternenumzug der Enkel teilnehmen wollte, stand sofort fest, dass durch die leihweise Überlassung eines Rollstuhls aus dem Bestand dies ermöglicht werden sollte. „Da wurde nicht lange überlegt, sondern die Hilfe sofort zugesagt“, berichtete die Tochter der inzwischen verstorbenen Frau. „Meine Mutter hat sich sehr gefreut, noch einmal einen Ausflug im Ort unternehmen zu können. Das war ein Geschenk für uns.“ Hilfe im großen Maßstab und ganz unbürokratisch auf kurzem Wege – das ist das Credo des Vereins „Münsingen hilft“.

Offen für alle hilfsbedürftigen Menschen

Auch das Kleiderlager in der Halle im Münsinger Industriegebiet steht daher grundsätzlich allen Hilfsbedürftigen offen, betont Maia Syrovatska, die regelmäßig mit anderen Helfern dort im Einsatz ist, um die Bestände an Hilfsgütern für den Weitertransport vorzubereiten.

Info Der Verein führt dieses Jahr keinen Hilfstransport mehr durch, sondern erwartet Helfer aus der Ukraine, die unter anderem die angeschafften Notstromgeneratoren abholen sollen. In Verbindung damit werden kleine Geschenktüten mit Süßigkeiten gepackt, um den Kindern dort eine Freude zu bereiten. Wer sich beteiligten möchte, kann sich direkt bei Maryna Heinrich melden. Internet: „www.muensingen-hilft.de“ und Mail: „info@muensingen-hilft.de

Weihnachtsaktion: „Die gute Tat“

Liebe Leser, dank Ihrer Spenden konnten das Metzinger-Uracher-Volksblatt/Der Ermstalbote, die Reutlinger Nachrichten und der Alb Bote in den vergangenen Jahren viele soziale Projekte oder Einrichtungen unterstützen.Dieses Mal gehen die Spenden an die Vereine „Ermstal hilft“ (inklusive Café Kyjiw) und „Münsingen hilft“. Spenden für die Weihnachtsaktion „Die gute Tat“ richten Sie bitte an Georg Hauser GmbH & Co KG unter dem Stichwort „Weihnachtsaktion“ an die Volksbank Ermstal-Alb, IBAN: DE 03 6409 1200 0233 4340 03, oder an die Kreissparkasse Reutlingen, IBAN: DE 33 6405 0000 0000 900 5 40. Eine Spendenbescheinigung wird nach Ende der Aktion ausgestellt. Dazu muss bei der Spende oder Überweisung unbedingt die vollständige Adresse des Spenders angegeben werden. Bei einer Spende bis 100 Euro reicht fürs Finanzamt der Kontoauszug.