Ein tragischer Unfall steht am Beginn dieser Geschichte einer Familie aus armen Verhältnissen, die aus einem Dorf unweit von Starokostjantyniw in der Ukraine stammt. Die Stadt ist die Heimat von Maia Syrovatska und ihrer Tochter Maryna Heinrich, die schon wenige Tage nach Kriegsbeginn den Verein „Münsingen hilft“ mitbegründet und den Vorsitz übernommen hat. Mehrfach schon hat der Verein Hilfstransporte in eigener Regie durchgeführt, um dort die zahlreichen Binnenflüchtlinge, Menschen im Altersheim oder die Klinik sowie die Feuerwehr genauso zu unterstützen wie Ukrainer in anderen Landesteilen. Natürlich sind die Helfer von der Alb dort inzwischen sehr gut bekannt und so wandte sich die Stadtverwaltung im Spätsommer an Maia Syrovatska mit der Frage, ob der Verein vielleicht einen Rollstuhl für einen Vater von drei Kindern organisieren könnte.

Verletzung an Wirbelsäule durch schweren Arbeitsunfall

„Er hatte sich bei einem Arbeitsunfall, bei dem ein Gerüst eingestürzt ist, schwer verletzt“, erzählt Syrovatska im Gespräch mit unserer Zeitung. Bei einer Operation Ende des vergangenen Jahres musste ein Wirbel entfernt werden. Die anschließende Rehabilitation fiel kurz aus, denn die Familie konnte die Kosten für die aufwendige Nachbehandlung nicht aufbringen. So wurde stattdessen seine Frau instruiert, wie sie ihren Mann pflegen soll. Dank ihrer Unterstützung konnte er nach einiger Zeit wieder sitzen, allerdings nie lange, da die Schmerzen zu stark waren.
Der Verein Münsingen hilft hat sich dazu entschieden, Oleksandr Sova und damit auch seiner Frau Alla sowie den Kindern Maksym (10 Jahre), Dima (5) und Bogdan (3) zu helfen. „Wenn er eine professionelle Rehabilitation erhält, stehen die Chancen, dass er wieder laufen kann, sehr gut“, berichtet Syrovatska. Eigentlich wollte seine Schwiegermutter das für die Reha-Behandlung nötige Geld verdienen. Doch als diese Mitte Februar dieses Jahres nach Polen ging, weil dort gute Aussichten auf eine bessere Arbeitsstelle bestanden, machte der Krieg die Pläne durch die große Zahl an Ukrainern, die wenig später in das Nachbarland fliehen mussten, zunichte.

„Papa, jetzt hast du ein Auto“

In einem der Hilfstransporte im Herbst befand sich also ein Rollstuhl für Oleksandr, den Syrovatska und Stefan Dumbeck, der stelltvertretende Vorsitzende von „Münsingen hilft“, gemeinsam der Familie überbrachten. Die Freude war überwältigend. „Papa, jetzt hast du ein Auto“, haben die Kinder gerufen, erinnert sich Syrovatska. Der Rollstuhl lässt sich in eine Liege verwandeln und so muss Oleksandr Sova nicht jedes Mal, wenn die Schmerzen im Sitzen zu stark werden, zurück auf die Matratze gelegt werden. Nun hat sich „Münsingen hilft“ zum Ziel gesetzt, eine Rehabilitation für Oleksandr zu finanzieren, damit er künftig wieder für seine Familie sorgen kann.
„Unser Verein möchte Menschen in unterschiedlichster Weise unterstützen, nicht nur durch Hilfsgüter“, betonte Syrovatska. Denn gerade die Armen litten unter den Folgen des Kriegs noch mehr, weil es weniger Arbeit gebe und sie die hohen Preise nicht bezahlen könnten. Genau das hat jetzt die Familie Sova zur Flucht gezwungen. Da der Mann, der vor seinem Unfall in einem Milchwerk gearbeitet hatte, kein Geld mehr verdienen kann, steht ihnen anstatt 300 Euro nur noch eine staatliche Unterstützung von 75 Euro pro Monat zur Verfügung.

Nur 75 Euro im Monat für die Familie zur Verfügung

„Ein Brot kostet aber schon einen Euro“, berichtet Syrovatska. Und für das deutlich teurer gewordene Gas, mit dem die Wohnung beheizt werden muss, reicht das Geld erst recht nicht. „Es gibt noch einen Ofen, für den Alla Sova Holz gesammelt hat.“ Doch inzwischen gibt es nur noch maximal drei Stunden Strom am Tag, sodass beispielsweise auch die über eine Pumpe regulierbare Matratze von Oleksandr Sova nicht mehr funktioniert. So hat sich die Familie jetzt am Donnerstag zur Flucht entschieden. Nach Polen, zu Allas Mutter. Sie hat in einer Wohnung ein 16 Quadratmeter großes Zimmer, das in der nächsten Zeit für sechs Personen reichen muss.

Weihnachtsaktion: „Die gute Tat“

Liebe Leser, dank Ihrer Spenden konnten das Metzinger-Uracher-Volksblatt/Der Ermstalbote, die Reutlinger Nachrichten und der Alb Bote in den vergangenen Jahren viele soziale Projekte oder Einrichtungen unterstützen.Dieses Mal gehen die Spenden an die Vereine „Ermstal hilft“ (inklusive Café Kyjiw) und „Münsingen hilft“. Spenden für die Weihnachtsaktion „Die gute Tat“ richten Sie bitte an Georg Hauser GmbH & Co KG unter dem Stichwort „Weihnachtsaktion“ an die Volksbank Ermstal-Alb, IBAN: DE 03 6409 1200 0233 4340 03, oder an die Kreissparkasse Reutlingen, IBAN: DE 33 6405 0000 0000 900 5 40. Eine Spendenbescheinigung wird nach Ende der Aktion ausgestellt. Dazu muss bei der Spende oder Überweisung unbedingt die vollständige Adresse des Spenders angegeben werden. Bei einer Spende bis 100 Euro reicht fürs Finanzamt der Kontoauszug.