Bombenfund in Marbach: Weltkriegsbombe entschärft – Evakuierung des Pferdegestüts

Die entschärfte Bombe mit Ingo Dobosz (links) und Stefano Canova vom Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden‑Württemberg.
Joachim Lenk- In Marbach wurde am Montagvormittag eine Weltkriegsbombe gefunden und entschärft.
- Der Fund lag auf dem Gelände der Landesreitschule, entdeckt bei Baggerarbeiten.
- Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden‑Württemberg entschärften den Sprengkörper.
- 27 Personen und 33 Pferde wurden evakuiert – Straßen L249 und L247 waren vorübergehend gesperrt.
- Gegen 12.15 Uhr endeten die Sperrungen, der Verkehr lief anschließend wieder.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Große Aufregung am Montagmorgen in Marbach: Gegen 9.45 Uhr wurde bei Baggerarbeiten auf dem Gelände der Landesreitschule eine 250 Kilogramm schwere, scharfe Fliegerbombe der US‑Armee aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Wenig später entschärften Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden‑Württemberg das gefährliche Relikt. Insgesamt wurden 27 Personen sowie 33 Pferde evakuiert, teilt die Polizei auf Anfrage mit.
Derzeit wird auf der Frohnwiese zwischen Landesreitschule und Schloss Grafeneck unter anderem eine Multifunktionsfläche gebaut, informiert Landoberstallmeisterin Astrid von Velsen‑Zerweck, die Leiterin des benachbarten Haupt- und Landgestüt Marbach.
Bereits im Vorfeld der Bauarbeiten wurden Luftbilder aus dem Zweiten Weltkrieg ausgewertet. Darauf seien Bombentrichter zu erkennen gewesen, sagt Bernd Gekeler vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden‑Württemberg. Deshalb waren er und weitere Mitarbeiter bereits am Montagmorgen vor Ort. Eine weise Entscheidung. Denn gegen 9.45 Uhr stieß der Bagger tatsächlich auf die Bombe. Sofort wurde die Polizei verständigt, die die Evakuierung von 27 Menschen und 33 Pferden innerhalb eines 300‑Meter‑Radius einleitete. Die Personen und die Tiere wurden vorübergehend im Haupt- und Landgestüt Marbach untergebracht.
Sperrung von Straßen und Bahnlinie
Zudem wurden die Landesstraße 249 nach dem Abzweig nach Ödenwaldstetten und beim Schelmenbühl in Dapfen sowie die Landesstraße 247 beim Marbacher Dreieck voll gesperrt. Im Einsatz waren die Straßenmeisterei Münsingen, Rettungstransportwagen, die Feuerwehr Dapfen mit zwei Fahrzeugen sowie sieben Streifenwagenbesatzungen der Polizei. Außerdem wurde der Bahnverkehr zwischen Marbach und Münsingen eingestellt, da das Gleis nur wenige Meter vom Fundort entfernt vorbeiführt.
Explosiv und gefährlich
Rund 15 Minuten benötigten Bernd Gekeler und sein Mitarbeiter Ingo Dobosz, um den Kopf- und den Heckzünder der scharfen Fliegerbombe zu entschärfen. Dabei handelt es sich um einen hochgefährlichen Prozess, der ausschließlich von ausgebildeten Experten des Kampfmittelräumdienstes durchgeführt wird. Dieses Handwerk erfordert höchste Präzision, Fachwissen und Nervenstärke, war am Rande des Fundortes zu hören. Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg sind auch nach Jahrzehnten noch hochexplosiv und können bereits durch Erschütterungen detonieren.
Nach der Entschärfung gegen 12 Uhr wurde die Bombe mit einem Bagger auf den „Bomber“ verladen, wie die Männer des Kampfmittelräumdienstes ihr Transportfahrzeug nennen. Die Mitarbeiter der Straßenmeisterei bauten die Absperrgitter auf den drei Zufahrtsstraßen wieder ab, und die Schwäbische Alb‑Bahn durfte den Verkehr auf der Strecke wieder aufnehmen. Auch die Pferde und die zuvor evakuierten Menschen kehrten in die Landesreitschule und in ihre Häuser zurück.
Warum im Bereich der Frohnwiese eine Bombe abgeworfen wurde, ist nicht bekannt. Möglicherweise wollten die US‑Bomber die Bahnlinie oder den Bahnhof treffen. Während des Zweiten Weltkriegs befand sich auf der Haid in Engstingen, wo heute der Gewerbepark liegt, eine Munitionsanstalt (Muna). Von dort aus wurden Munitionsteile über Kohlstetten, Offenhausen, Marbach, Münsingen und Schelklingen in das gesamte Deutsche Reich transportiert.
Es ist bekannt, dass die US-Armee Anfang 1945, kurz vor Kriegsende, die Muna Haid im Februar, März und im April bombardiert hatte.
