Zum Tatort aus Bichishausen
: Provinziell war’s – Des war’s

Wenn der Tatort witzig sein will, braucht es mehr als ein krudes Drehbuch.
Kommentar von
Peter Kiedaisch
Bichishausen
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Tatort-Aufnahmen in Bichishausen

Tatort-Dreh in Bichishausen. Dort kam der Film nicht gut an.

Maria Bloching

Die Kritiken am Tatort, den der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Bichishausen gedreht und am Sonntag ausgestrahlt hatte, sind miserabel. Künstlerische Überspitzung sei es gewesen, heißt es in einer Stellungnahme des SWR. Falsch. „Ein rechter Scheißdreck war’s. Altmodisch bis provinziell war’s. Des war’s.“ Genau so hat das schon mal jemand gesagt. 1982, der Monaco Franze in der gleichnamigen Serie, als er den betuchten, distinguierten Freunden seiner Frau in drastischen Worten beschrieb, was er von der zuvor gemeinsam genossenen oder, in seinem Fall, ertragenen Opernvorstellung hielt. Dass ein Tatort unterirdisch ist, ist nichts Neues. Dass dieser aber in der Süddeutschen Zeitung als „ein starker Tatort, dem ein eigener Trommelwirbel gebührt“, gepriesen wird, ist fast schon Slapstick. Die Misere fängt beim eigentlich schönen, weil urigen Dialekt Schwäbisch an. An dem scheitern in der Regel Schauspieler aller Gewichtsklassen. Vermutlich musste deswegen eine junge Frau (sie spielte die Schwester des Opfers) rasend schnell, betont leise und nuschelnd sprechen. Man konnte sie zwar nicht verstehen, kann ihr aber deswegen auch keine Vokabel- und Aussprachefehler ankreiden. Es tut immer weh, wenn sich Nicht-Schwaben darin üben, die Landeshauptstadt Baden-Württembergs richtig auszusprechen. Schdugerd oder „Schduua Gard“? Wenn man sich da nicht ganz sicher ist, sollte man einfach Stuttgart sagen. Das passt immer. Das dürften auch die schaffen, die das eigentlich linguistisch leicht zu handhabende Wort „aber“ als „aabaa“ wiedergeben und auch nicht Guten Morgen, sondern „Guten Moooagen“ sagen. Aber die Handlung des Tatorts ist noch armseliger. Der Täter wird beispielsweise enttarnt, weil die Kommissare jemanden danach fragen, ob er niemanden kenne mit nur drei Fingern an einer Hand. Zufällig läuft eine Kollegin vorbei, hört die Frage und sagt: „Doch, der Pizzabote.“ Fast schon Derrick-Niveau. Dass Richy Müller als Kommissar des Täters mit dem Wurf seiner Krücke habhaft wird, könnte eine Reminiszenz an einen Kultkrimi aus den 80ern sein. In „Kottan ermittelt“ brachte Dezernatsleiter Paul Schremser auch mal einen Ganoven zu Fall, indem er ihm die Krücke in den Fluchtweg warf. Aber dieser Krimi war eine Satire, Major Adolf Kottan trug Latzhose unter der Lederjacke, Assistent Alfred Schrammel warf zum Verdruss seines Chefs mit der Handgranate nach Ratten im Treppenhaus. Wenn der Tatort wirklich witzig sein will, braucht er schlicht und einfach bessere Drehbuschschreiber, bessere Regisseure und Schauspieler, die Schwäbisch denen überlassen, die es können.