Zukunftssorgen in Bad Urach
: Uracher Tafel in großer Not

Dem Tafelladen in der Kurstadt wurde der Mietvertrag gekündigt. Die Suche nach neuen Räumen gestaltet sich als überaus schwierig. Steht das Angebot für Hilfsbedürftige nun vor dem Aus?
Von
Karolin Müller
Bad Urach
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Die Ehrenamtlichen Hildegund Adolph, Sylviane Guhl, Dieter Reichhold, und Martin Borchers sowie Ute Steinbrück, Ansprechpartnerin bei der Diakonischen Bezirksstelle, und Ralph Kuntz, Verwaltungsleiter im Diakonieverband, (von links), möchten die Uracher Tafel und die Kleiderstube auf keinen Fall aufgeben.

Die Ehrenamtlichen Hildegund Adolph, Sylviane Guhl, Dieter Reichhold, und Martin Borchers sowie Ute Steinbrück, Ansprechpartnerin bei der Diakonischen Bezirksstelle, und Ralph Kuntz, Verwaltungsleiter im Diakonieverband, (von links), möchten die Uracher Tafel und die Kleiderstube auf keinen Fall aufgeben.

Karolin Müller
  • Der Uracher Tafelladen muss bis 31. Juli neue Räumlichkeiten finden – Mietvertrag wurde gekündigt.
  • 60 Ehrenamtliche unterstützen den Betrieb, der wöchentlich rund 100 Kunden versorgt.
  • Anforderungen an neue Räume: ebenerdig, hygienisch, mit Lager, Kühlzelle und guter Erreichbarkeit.
  • Stadt, Diakonie und Ehrenamtliche suchen intensiv – viele Optionen scheitern an Platz oder Zugänglichkeit.
  • Notlösung Container denkbar – Kontaktaufnahme für Unterstützung bei der Suche ist ausdrücklich erwünscht.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Seit nunmehr 21 Jahren gibt es den Uracher Tafelladen in der Pfählerstraße 5. Integriert ist hier auch die Kleiderstube, in der insbesondere Menschen mit geringem Einkommen günstig gut erhaltene Secondhand-Bekleidung bekommen.

Die Idee für einen Tafelladen in der Kurstadt kam im Jahr 2004 von einigen Uracher Bürgerinnen und Bürgern. Sie waren es auch, die die Räumlichkeiten im Erdgeschoss des Fachwerkhauses mit umgestalteten – unterstützt von der Stadt, dem Diakonieverband Reutlingen als Träger sowie der Diakonischen Bezirksstelle.

Seither engagieren sich hier viele Ehrenamtliche, um anderen Menschen das Leben etwas leichter zu machen. Der Bedarf an dieser Hilfe ist in Zeiten von niedrigen Löhnen, geringen Renten, Arbeitslosigkeit und steigenden Kosten in fast allen Bereichen nicht geringer geworden – im Gegenteil: 280 ausgestellte Kundenkarten, die für etwa 700 Haushaltsmitglieder gelten, gibt es für die Uracher Tafel, die dienstags und donnerstags von 14.30 bis 16.30 Uhr geöffnet hat. Zu diesen Zeiten kommen jedes Mal etwa 50 Kunden, um hier einzukaufen.

Deadline: 31. Juli

60 Ehrenamtliche setzen sich derzeit dafür ein, dass Bedürftige im Tafelladen und der Kleiderstube einkaufen können. Doch jetzt ist die Uracher Tafel selbst in großer Not. „Wir haben heute die Kündigung bekommen“, sagte Dienststellenleiterin Susanne Bauer am Donnerstagnachmittag. Zum Glück aber nicht, ohne im Vorfeld vom Vermieter informiert worden zu sein. „Wir haben jetzt ein halbes Jahr Zeit, um zu überlegen, wie es weitergeht“, so Bauer weiter.

Frisches Gemüse gibt es im Uracher Tafelladen meistens genügend. Haltbare Lebensmittel sind nicht selten Mangelware, weshalb sich das Tafel-Team jederzeit über Spenden freut.

Frisches Gemüse gibt es im Uracher Tafelladen meistens genügend. Haltbare Lebensmittel sind nicht selten Mangelware, weshalb sich das Tafel-Team jederzeit über Spenden freut.

Karolin Müller

Bis zum 31. Juli müssen neue Räumlichkeiten gefunden werden. Das hört sich vielleicht erst einmal nach genügend Zeit an, doch die Suche gestaltet sich als überaus schwierig. Da sie frühzeitig informiert wurden, haben sich sowohl die Bezirksstelle als auch die Ehrenamtlichen und die Stadt bereits ausgiebig, wenn man so will, auf Wohnungssuche begeben. Dabei wurde nicht nur auf Anzeigen reagiert. Gezielt habe man in Urach nach leerstehend wirkenden Gebäuden Ausschau gehalten, anschließend die Besitzer ausfindig gemacht und einfach nachgefragt, berichtete die Ehrenamtliche Hildegund Adolph.

Anforderungen an die neue Bleibe

Einige Räumlichkeiten waren aber nicht mehr verfügbar und viele fielen schlichtweg aus praktischen Gründen weg. „Teils waren sie zu klein oder es gab keinen Lieferzugang“, erklärte Bauer einige Gründe. Zudem müssten die Hygienestandards eingehalten werden können und Fluchtwege vorhanden sein, ergänzt Ralph Kuntz, Verwaltungsleiter des Diakonieverbandes. Was es auf jeden Fall bräuchte, sind für die Tafel ein Verkaufs- und ein Vorbereitungsraum sowie ein Lager für Trockenware. Außerdem müsste Platz für die Kühlzelle und einen Tiefkühlschrank vorhanden sein, so das Tafel-Team.

Ebenerdig, trocken und gut durchlüftet sind weitere wichtige Merkmale. Draußen bräuchte es Platz für die Mülltonnen und die Möglichkeit, die Waren mit dem Auto anzuliefern. Gut erreichbar sollten die Räumlichkeiten ebenfalls sein, nicht zuletzt wegen der hier einkaufenden Menschen, die oftmals kein Auto haben. „Schön wäre überdies eine Nachbarschaft, die offen ist für wartende Kunden“, ergänzten die Tafel-Mitarbeiter.

„Super wäre natürlich, wenn es genügend Fläche gäbe, um den Tafelladen und die Kleiderstube wieder gemeinsam unterzubringen“, sind sich alle einig. Hierfür bräuchte es einen weiteren Verkaufsraum sowie genügend Platz für Lagerung, Entsorgung und Aufbereitung. Die jetzigen Räumlichkeiten haben eine Gesamtfläche von 268 Quadratmetern. „Wäre schön, wenn wir in dieser Range bleiben könnten“, sagte Ralph Kuntz hoffnungsvoll. „Etwas mehr wäre durchaus auch okay.“

Aufgeben steht nicht zur Debatte

Es wurde bereits viel gesucht, viele Räume wurden angeschaut. Was passiert also, wenn bis zum 31. Juli kein neuer Platz für die Uracher Tafel gefunden ist? „Das müssen wir uns noch überlegen. Dann gilt es, eine kreative Lösung zu erarbeiten“, antwortete Susanne Bauer. Zur Not könne man sich beispielsweise auch eine Containerlösung vorstellen, berichtete Kuntz. Doch hierfür müsste man natürlich einen freien Gewerbeplatz finden. Die Hoffnung möchte hier auf jeden Fall niemand aufgeben – weder für die Tafel noch für die Kleiderstube: „Die Tafel fallen lassen? Auf gar keinen Fall.“

Räumlichkeiten dringend gesucht – Wer kann helfen?

Die Diakonische Bezirkstelle Bad Urach ist nach eigenen Angaben offen für alle Angebote. Wer helfen kann, oder eine Idee hat, der kann sich an Susanne Bauer (Telefon (0173) 836 15 76; E-Mail: susanne.bauer@diakonie-reutlingen.de) oder Ute Steinbrück (Telefon (0176) 17 46 28 84; E-Mail: ute.steinbrueck@diakonie-reutlingen.de) wenden.