Wie hoch ist eine Milliarde?: Wenn Geld keine Rolle spielt


Aufeinandergestapelt ist eine Milliarde Euro in 100er-Scheinen doch recht ansehnlich hoch.
Monika Skolimowska/dpaDie Zahl der Milliardäre ist schon wieder gestiegen. Von 587 im Jahr 2005 auf 3000. Weltweit versteht sich. Das Geld scheint ja direkt auf der Straße zu liegen. Das tut es nicht. Wäre das nämlich der Fall, läge so eine Milliarde ganz schön im Weg. Mal angenommen, sie bestünde aus einem Stapel von 100-Euro-Scheinen, müsste dies in Metern relativ hoch sein.
Öschhalle sei zu klein
Ein handelsübliches Bündel mit 100 Scheinen (also 10.000 Euro) ist 1,2 Zentimeter hoch. Um auf eine Million Euro zu kommen, braucht man 100 dieser Bündel, also 10.000 Scheine, was einen Stapel von 1,2 Metern Höhe ergibt. Aber damit sind wir ja erst Millionär, wir wollten ursprünglich ja auf eine Milliarde hinaus. Dies zu erreichen, ist ganz leicht. Man muss die Million nur mit der Zahl 1000 multiplizieren, dann wird der Stapel Geldscheine 1,2 Kilometer hoch.
Von da oben ist die lächerliche Million nicht mehr zu sehen. Sie dürfte etwa so bedeutend sein wie die Frage, ob Nachbars Katze überm Dösen in der Sonne längst ihrer Pflichten überdrüssig geworden, der Maus hinterm Holzlager weitestgehend freie Hand lässt. Ach, dafür ist ja auch später noch Zeit. Womit wir beim Thema Zeit wären, besser gesagt bei den Zeiten, die sich, wir ahnen und wissen es, gerne mal ändern. Früher hat man Sporthallen gebaut, auf dass sich die Jugend und die jungen Erwachsenen in Wettkämpfen messen können, auch in Sportarten, die im Freien keinen Spaß machen. Handball zum Beispiel. Oder Basketball. In beiden Sportarten aber scheinen die Verbandsverantwortlichen jegliches Maß verloren zu haben. Um es am Beispiel der Bundesligahandballerinnen der TuS Metzingen zu verdeutlichen: Die dürfen ihre Heimspiele nicht mehr in der angestammten Öschhalle austragen.
Die Halle sei zu klein und habe keine zweite Tribünenseite. LED-Banden und Pipapo fänden keinen Platz, weswegen die Handballspielerinnen nach Tübingen umziehen in die Paul-Horn-Arena. Das ist ja an sich kein Weltuntergang, abgesehen von der subtil dargereichten Forderung an alle Städte und Gemeinden, die Bundesligasport beheimaten, endlich mal größere Hallen zu bauen. Hallen, die die Kommunen, sprich die Steuerzahler, finanzieren müssten. Nur damit weiterhin das zu sehen ist, was es schon seit Jahren, manchmal seit Jahrzehnten gibt. Handball oder Basketball. Da haben wohl einige Damen und Herren vom verführerischen Trunk namens Größenwahn genippt. Früher sollte Sport Spaß machen. Für die Aktiven und für die Zuschauer. Heute soll Sport reich machen. Die Spieler, die Manager und die Funktionäre. Vielleicht trüben einige Stapel Geldscheine die Sicht auf die Realität, aber angesichts der finanziellen Blutgrätschen, die uns dieser Tage aufgebürdet werden, sollten Verbandsfunktionäre mal einen Gang runterschalten und anerkennen, dass das Wachstum ihres Sports hin und wieder an Grenzen gerät. Grenzen, die die vier Mauern einer Halle vorgeben.
