Weihnachtsaktion Kreis Reutlingen
: Ermstal hilft: Sprachkurse bieten ukrainischen Flüchtlingen Ablenkung von den Ängsten

Unvorbereitet und überstürzt sind die ukrainischen Flüchtlinge im Ermstal gelandet. Um sich besser zurechtzufinden, besuchen sie die Sprachkurse, die ebenfalls von „Ermstal hilft“ angeboten werden.
Von
Anja Weiß
Dettingen
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Anja Webb unterrichtet seit April ukrainische Flüchtlinge.

Thomas Kiehl

Nach dem Weg fragen, einen Arzt aufsuchen, etwas einkaufen oder einfach ein paar höfliche Floskeln austauschen: Wer dies will, muss eine Sprache beherrschen, zumindest in den Grundzügen. Ohne Sprache ist man einsam, selbst wenn es heute dank diverser Sprach-Apps gute technische Möglichkeiten gibt, um wenigstens das Notwendige zu kommunizieren. Doch ein richtiger Austausch ist so natürlich nicht möglich. Um den zu erreichen, hilft oft nur eines: ein Sprachkurs.

Sprachkurse seit April

Auch hier ist „Ermstal hilft“ schnell aktiv geworden. Zeitnah, nachdem die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine hier angekommen sind, wurden im alten Rathaus in Dettingen Kurse angeboten. Anja Webb, die gelernte Fremdsprachenlehrerin ist und unter anderem Russisch kann, unterrichtet mit anderen Lehrkräften seit April Deutsch. „Die Nachfrage“, sagt sie, „war von Anfang an hoch.“ Was sie dabei besonders beeindruckend findet: „Alle kommen freiwillig, um zu lernen, ohne dass es jemand von ihnen fordert.“ Und das, obwohl Deutsch alles andere als einfach ist, wie die Schüler unisono betonen. Von Schachtelsätzen über auseinandergezogenen Verben bis zu langen Wortungetümen – Deutsch zu lernen ist eine wahre Herausforderung, der sie sich aber Woche für Woche tapfer stellen. Die Gründe, die die Teilnehmer in die Kurse führen, sind sehr unterschiedlich.

Verstehen und selbständig sein

„Ich möchte die Sprache des Landes verstehen, in dem ich jetzt im Moment lebe“, erzählt eine. Andere haben den Wunsch, sich ohne fremde Hilfe zurechtzufinden, sei es bei Unterwegssein, beim Einkauf oder beim Behördengang. Zudem ist leider nicht absehbar, wie lange der Krieg in der Ukraine noch andauert. Darum wird für viele die Suche nach einer Arbeitsstelle immer wichtiger und auch der Wunsch, mehr mit den Menschen zu kommunizieren.

Ablenkung von den Sorgen

Außerdem bietet das Treffen von Gleichgesinnten in den Sprachkursen eine Ablenkung von den Ängsten und Sorgen um die Familie, vom Heimweh, das mit jeder Woche größer wird. „In unseren Kursen herrscht eine positive Lernatmosphäre, wir können auch über andere Dinge sprechen oder lachen“, erzählt Anja Webb. Dadurch, dass es vier Lehrerinnen sind, bleibt Zeit, um bei Bedarf Dinge intensiver zu behandeln oder bei anderen Fragen des täglichen Lebens zu unterstützen. „Wir feiern auch regelmäßig Geburtstage oder den Abschied von Teilnehmern, die in die Integrationskurse wechseln“, sagt Webb.

Kinderbetreuung dabei

Die Sprachschüler sind zwischen 18 Jahren und 60 plus, in jedem der Kurse sind zwischen acht und zwölf Teilnehmern. Für Mütter mit kleineren Kindern wird zudem eine Kinderbetreuung angeboten und auch in der Erstaufnahmestelle in der EBK gibt es Kurse, auf ausdrücklichen Wunsch der dort lebenden Ukrainer, betont Webb, sie alle seien hoch motiviert, die Sprache zu lernen. Davor haben die Lehrerinnen den größten Respekt, wie sie betonen.

Es kommt viel zurück

Und es kommt auch viel Dank und Anerkennung für sie zurück. Die Flüchtlinge sind froh, dass sie hier in Sicherheit sind. „Deutschland hat mich in schweren Zeiten aufgenommen. Es ernährt und wärmt mich. Ich lerne auch Deutsch, weil ich Danke sagen möchte“, das hat eine Schülerin erst vor kurzem gesagt. „Da habe sie richtig Gänsehaut bekommen“, und es ist auch der Beweis, dass ihre Arbeit auf fruchtbaren Boden fällt und weit mehr ist als nur ein Sprachkurs.

Weihnachtsaktion: „Die gute Tat“

Liebe Leser, dank Ihrer Spenden konnten das Metzinger-Uracher-Volksblatt/Der Ermstalbote, die Reutlinger Nachrichten und der Alb Bote in den vergangenen Jahren viele soziale Projekte oder Einrichtungen unterstützen.Dieses Mal gehen die Spenden an die Vereine „Ermstal hilft“ (inklusive Café Kyjiw) und „Münsingen hilft“. Spenden für die Weihnachtsaktion „Die gute Tat“ richten Sie bitte an Georg Hauser GmbH & Co KG unter dem Stichwort „Weihnachtsaktion“ an die Volksbank Ermstal-Alb, IBAN: DE 03 6409 1200 0233 4340 03, oder an die Kreissparkasse Reutlingen, IBAN: DE 33 6405 0000 0000 900 5 40. Eine Spendenbescheinigung wird nach Ende der Aktion ausgestellt. Dazu muss bei der Spende oder Überweisung unbedingt die vollständige Adresse des Spenders angegeben werden. Bei einer Spende bis 100 Euro reicht fürs Finanzamt der Kontoauszug.