Vermeintliche Grippewelle im Landkreis Reutlingen: Erstmal nur im Bett bleiben

In der Apotheke gibt es einen neuen Vierfachtest, der gleichzeitig auf Corona, RSV, und Influenza A und B testet.
Philipp Steyer-Ege- Neue Vierfachtests in Apotheken erkennen Corona, RSV sowie Influenza A und B gleichzeitig.
- KVBW empfiehlt, bei Erkältungssymptomen zu Hause zu bleiben und ggf. einen Corona-Test zu machen.
- Schulen und Apotheken melden keine außergewöhnlichen Krankheitsausfälle oder Grippewelle.
- Digitale Plattform „docdirekt“ bietet kostenlose medizinische Ersteinschätzung und Videosprechstunden.
- Tests seit Corona beliebter, jedoch verzichten 80 % der Kunden weiterhin auf Testkäufe.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Für viele ist der Begriff Corona mittlerweile eher zu einer Einheit für die Zeitmessung mutiert, als zu einer Krankheit, der man mit Respekt begegnen sollte. Nicht selten hört man Aussagen wie: „Das ist aber lange her, das war doch vor Corona!“
Für viele Menschen war die Zeit damals ein sprichwörtlicher Fiebertraum, für manche allerdings ein tatsächlicher, der auch Menschen das Leben gekostet hat.
Bei dem Virus handelt es sich immer noch um eine reale Gefahr, genauso wie bei der echten Grippe, also Influenza. Aus dem Sicherheitsabstand und der Maskenpflicht hat sich schnell wieder der gewohnte Normalzustand entwickelt.
Grippewelle hier noch nicht angekommen
Zwar habe sich laut Inhaberin der Stadtapotheke, Kathrin Schweizer, wieder die klassische Erkältungswelle im Winter eingestellt, aber von einer besonders außergewöhnlichen Situation könne nicht die Rede sein. „Es wäre aber schön, wenn man aus Corona gelernt hätte, das Umfeld zu schützen, und sich nicht unter Leute begibt, wenn man krank ist“, ergänzt sie.
Dass die Grippewelle hier noch nicht angekommen ist, die derzeit wieder in aller Munde ist, beobachtet auch Schulleiterin Ulrike Fezer vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Metzingen: „Wir haben keine höheren Ausfälle, als sie sonst für die Jahreszeit üblich sind.“ Im Dezember sei die Zahl der Krankheitsfälle sogar höher gewesen.
Ähnlich wie bei den Apotheken dürften die Schulen keine Diagnosen über genaue Erkrankungen erfassen und können nicht zwischen Influenza und anderen Erkrankungen differenzieren. Auch die Sieben-Keltern-Schule hat nicht mehr Krankheitsfälle im Kollegium und den Klassen, als erwartet.
Gabriele Kiunke von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) bestätigt diese Beobachtungen: „Zu einer angeblichen Grippewelle liegen uns keine Erkenntnisse vor.“ Dennoch schadet es nicht, eine vorbeugende Haltung einzunehmen, gerade wenn Fasching vor der Tür steht.
Was tun im Krankheitsfall?
Laut Kiunke ist die Empfehlung der KVBW grundsätzlich, bei Erkältungssymptomen oder Unwohlsein zu Hause zu bleiben und eventuell einen Corona-Test zu machen. „Wer sich unsicher bei der Einschätzung seiner Symptome und des Schweregrades ist, kann sich an unser Serviceangebot docdirekt wenden“, erklärt Kiunke. Dort erhalten Patienten eine medizinische Ersteinschätzung und erhalten entsprechend der Dringlichkeit eine Empfehlung für das passende Versorgungsangebot mit einem Videogespräch eines Tele-Arztes aus Baden-Württemberg, sofern empfohlen.
Auch Apothekerin Schweizer empfiehlt, sich im besten Fall zu Hause auszukurieren: „Leute rennen zu schnell zum Arzt, im Normalfall ist die Erkältung nach ein paar Tagen wieder weg. Die Kliniken haben so schon genug zu tun.“ Sofern keine Symptome wie starkes Fieber über 39 Grad, Schüttelfrost oder Atemnot vorliegen und der Krankheitsverlauf nach ungefähr vier Tagen abflacht, sei ein Praxisbesuch nicht zwingend notwendig.
Tests boomen seit Corona
Schweizer warnt davor, dass die Dunkelziffer der Erkrankten aber deutlich größer sein könnte, als Kunden in ihrem Laden reflektieren. „Die wenigsten testen sich tatsächlich. Die ganze Testerei gibt es außerdem erst seit Corona, das ist jetzt die zweite Saison, in der wir vermehrt die neuen Tests verkaufen“, erklärt sie. Zwar würden immer noch knapp 80 Prozent der Kunden auf einen Test verzichten und nur Medizin kaufen, aber insgesamt haben sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich mehr Tests verkauft.
Ferndiagnose über Docdirect
Bei docdirekt sind ausschließlich erfahrene und qualifizierte niedergelassene Ärztinnen und Ärzte aus Baden-Württemberg als Tele-Ärzte und -Ärztinnen tätig.
Nutzbar ist docdirekt sowohl am Computer oder Notebook als auch über mobile Endgeräte. Für Menschen ohne digitalen Zugang ist der Service über die bundesweite Rufnummer 116117 erreichbar.
Der digitale Weg über www.docdirekt.de bietet jedoch Vorteile: keine Wartezeit für die Ersteinschätzung und eine direkte Weiterleitung zur Videosprechstunde. Die medizinische Ersteinschätzung ist kostenlos und ohne Registrierung möglich. Wird eine Videosprechstunde durchgeführt, übernehmen für gesetzlich Versicherte die Krankenkassen die Kosten.
Docdirect ist ein Produkt der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg.
Diese recht neuen Vierfachtests, die gleichzeitig auf Influenza A und B, RSV und Corona testen können, hält Schweizer auch für sinnvoll, weil dadurch das Gesundheitssystem etwas entlastet werden kann. Bei allen Krankheiten handelt es sich um erkältungsähnliche Atemwegserkrankungen, die je nach Vorerkrankungen unterschiedlich stark ausfallen können.
Zwischen Oktober und März rechnet das Gesundheitswesen ohnehin mit mehr Erkrankungen. Der Gipfel sei meist im Januar und Februar, direkt, nachdem Menschen vermehrt an Weihnachten und Silvester zusammen die Feiertage verbracht haben, meldet das Bundesministerium für Gesundheit.
