Unternehmen Metzingen, Reutlingen, Zollernalbkreis
: Fußballer vertreiben ihren eigenen Torwarthandschuh

Drei Torhüter, ein Flügelspieler. Christopher Kleiner, Holger Wahl, Denis Grgic und Michael Lamparter wissen, was im Fußball zählt. Nun vertreiben sie ihren eigenen Torwarthandschuh. Mit Erfolg.
Von
Christina Hölz
Metzingen/Reutlingen/Region
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  • Aktive und ehemalige Fußballer aus der Region mischen den Markt mit einem neuen Torwarthandschuh auf. Kunden haben sie neuerdings auch in der Bundesliga. Von links: Holger Wahl aus Glems, Denis Grgic (Frickenhausen), Firmengründer Christopher Kleiner (Straßberg) und Michael Lamparter aus Bempflingen.⇥

    Aktive und ehemalige Fußballer aus der Region mischen den Markt mit einem neuen Torwarthandschuh auf. Kunden haben sie neuerdings auch in der Bundesliga. Von links: Holger Wahl aus Glems, Denis Grgic (Frickenhausen), Firmengründer Christopher Kleiner (Straßberg) und Michael Lamparter aus Bempflingen.⇥

    Thomas Kiehl
  • Bundesliga-Keeper Andreas Luthe, künftig in Diensten von Union Berlin, trägt die Handschuhe der hiesigen Unternehmer. ⇥

    Bundesliga-Keeper Andreas Luthe, künftig in Diensten von Union Berlin, trägt die Handschuhe der hiesigen Unternehmer. ⇥

    dpa
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Mit Nationaltorhüter Manuel Neuer hat Jungunternehmer Christopher Kleiner zumindest eines gemeinsam. Beide standen schon mit sechs Jahren im Tor ihres Heimatvereins. Kleiner beim TSV Straßberg im Zollernalbkreis – Neuer bekanntlich bei Schalke 04. Fußballerisch hat es der 32-jährige Christopher Kleiner später immerhin bis zum Verbandsliga-Keeper beim FC Albstadt gebracht. Und auch in der Bundesliga hinterlässt der studierte Sportmanager in der bevorstehenden Saison seine eigene Duftmarke: Nicht Manuel Neuer, aber immerhin Andreas Luthe, Ex-Augsburger und neuer Torhüter von Union Berlin, läuft neuerdings mit Handschuhen der Sportartikelmarke „Catch and Keep“ auf – so heißt Christopher Kleiners eigene Firma.

Ein junges Label auf dem Weg nach oben. 2017 beschloss Christopher Kleiner mit einem befreundeten Torsteher, seine eigene Handschuhkollektion zu vertreiben. Eine Idee, die auch  aus Frust geboren ist. Denn was der Schlussmann mit eigenen Handschuhen und der Ausrüstung von Jugendspielern erlebte, machte ihn nicht glücklich. Von kurzer Lebensdauer seien viele Torwarthandschuhe gewesen, noch dazu teuer und oft mit schlechtem Belag ausgestattet.

War Kleiner mit seiner Torwartschule unterwegs, um den Nachwuchs auszubilden, hat sich dieser Eindruck bestätigt: „Viele Kinder waren genervt und unzufrieden. Da dachte ich: Das kann ich besser.“

Drei Jahre später ist Andreas Luthe der erste Bundesliga-Keeper, der auf den Handschuh von „Catch and Keep“ vertraut. Auch etliche Torhüter aus Junioren-Nationalteams und Torspielerinnen der Frauen-Bundesliga tragen bereits die neue Marke. Bestellungen von renommierten Clubs füllen die Auftragsbücher, und auch immer mehr kleinere Vereine setzen auf die Firma von der Zollernalb.

Für die Macher ist dieser Erfolg bei aller Freude eine logische Konsequenz: „Bei vielen Ausrüstern entwickeln Leute Handschuhe, die noch nie selbst im Tor standen“, bedauert Christopher Kleiner.

Anders in seinem eigenen Start up: Da mischt der Keeper bei der Entwicklung des Handschuhs selbst mit, lässt seine Erfahrungen bei der Fertigung (im Ausland) mit einfließen. Er verhandelt weltweit mit Herstellern und Lieferanten und schart aktive und ehemalige Fußballer um sich: Sportler arbeiten für Sportler.

Zu Kleiners Sidemen gehören so renommierte Fußballspieler wie der ehemalige Reutlinger Oberliga-Torhüter Denis Grgic (er gewann mit dem SSV den WFV-Pokal), heute Schlussmann in der Landesliga-Elf des FC Frickenhausen.

Ebenfalls im Team: Der Glemser Holger Wahl, langjähriger Bezirksliga-Keeper und heute Fußball-Abteilungsleiter des TSV Wittlingen. Zudem Michael Lamparter aus Bempflingen, der als Rechtsaußen einst für den TSV Pliezhausen auf Torejagd ging.

Gemeinsam tüfteln die Mitarbeiter etwa an einem „ganz speziellen Grip“. Das ist der Belag auf jedem Handschuh, meist eine Mischung aus Haftschaum und Latex. Und gemeinsam wird in „Musterungen“ die Qualität der Handschuhe diskutiert, später  Rückmeldungen der Kunden ausgewertet, die in die weiteren Produkte einfließen: „Für Verbesserungsvorschläge sind wir immer offen. Wir schreiben auch zurück.“

Dass die drei Torhüter die Handschuhe testen, versteht sich von selbst. Sie wissen, wovon sie reden, wenn sie ihr Projekt im persönlichen Gespräch vorstellen – bei vielen Vereinen und Torwartschulen, Jugendmannschaften und Aktiven, Amateuren und Profis. Zum Konzept von „Catch and Keep“ gehört die Beratung vor Ort („Face to Face“) im Stil der guten alten Tupperparty.

Wer nicht über Kleiners Vertriebsleute einkauft, bestellt im firmeneigenen Online-Shop. In den Sportgeschäften ist der Handschuh nicht erhältlich. Weil keine Händler zwischengeschaltet sind, könne das Unternehmen auf handelsübliche Gewinn-Margen verzichten und die Produkte günstiger weitergeben, betonen die Mitarbeiter.

Das nämlich ist die Grundidee  des Firmengründers: „Mein Ziel war es, einen Handschuh anzubieten, der qualitativ so hochwertig ist wie der großer Hersteller, nur deutlich günstiger,“ sagt  Kleiner. Gerade Kinder, Jugendliche und ihre Eltern investierten oft viel Geld in einen neuen Markenhandschuh, – „aber am Ende passt das Verhältnis zwischen Preis und Leistung nicht.“

Das darf nicht sein, sagten sich die Praktiker, rechneten und verhandelten weiter mit ihren Partnern: „Unsere Spitzenmodelle kosten heute knapp ein Drittel von dem vergleichbarer Handschuhe der Konkurrenz“, betonen sie. Für Kinder soll es sogar günstigere Modelle geben. „Jeder Amateurfußballer muss die Möglichkeit haben, mit Profi-Handschuhen aufzulaufen“, so die Maxime des Start-ups.

Dennoch, und trotz eines großen und hart umkämpften Marktes, will das Unternehmen weiter wachsen. Christoph Kleiners ehrgeiziges Ziel: „Wir peilen die Top-Fünf in Europa an.“

Ob die Neuers, Bürkis und Gulascis dieser Welt einmal auf ein so kleines Label umsteigen? Fraglich in Zeiten des individuellen Sportler-Sponserings der Hersteller. Damit, sagen die Catcher, können sie nicht dienen. „Wir überzeugen lieber durch unsere Firmenphilosophie.“

Schwäbisches Knowhow für die Bundesliga

Die junge Firma „Catch and Keep“ wurde im Jahr 2017 in Straßberg im Zollernalbkreis gegründet. Weitere Informationen unter www.catchandkeep.de oder telefonisch unter der Nummer 0172/7377107.