Schicksal eines Mädchens: Zehnjährige kämpft gegen den Krebs

Die zehnjährige Florina im Kreis ihrer Familie, (von links) Vater Vassiliki, Sohn Noan, Mutter Shaban Nuhiu, daneben Jana Reiner und ihr Sohn Marlon.
Norbert LeisterRhabdomyosarkom, ein seltsames Wort, hinter dem sich eine seltene Krankheit verbirgt. „In Deutschland bekommen nur zehn Kinder pro Jahr Weichteilkrebs“, sagt Vassiliki Nuhiu aufgeregt. Er betreibt in Metzingen das Restaurant „Hubertus Schützenhaus“. Er spricht die ganze Zeit, seine Fassungslosigkeit ist ihm deutlich anzumerken, auch nach mehr als zwei Jahren. Warum muss ausgerechnet seine Tochter solch eine schreckliche Krankheit kriegen?
Nuhiu hat ein Buch hergestellt, über Florina, seine zehnjährige Tochter. Es ist ein Fotobuch, darin sind zahlreiche Bilder zu sehen, von der achtjährigen Florina, als sie im Februar 2024 die Krebs-Diagnose hinnehmen musste.
Fassungslos ist auch Vassilikis Frau Shaban. Die Familie wohnt in Pfullingen, sie möchte im Moment nur eins: Noch ein paar schöne Tage zusammen mit Florina erleben. Die heute Zehnjährige hatte schon so viel einstecken müssen – und dennoch scheint sie die Stärkste in der Familie zu sein.
Möglichkeiten ausgeschöpft
„Sie ist ein wahrer Sonnenschein, auch wenn sie in der Klinik ist“, sagt Shaban Nuhiu. Die Kurzfassung des Leidenswegs von Florina liest sich wie eine nicht enden wollende Horrorfahrt durch eine Geisterbahn: Nach über zwei Jahren Therapie hat das Mädchen 26 hochdosierte Chemotherapie-Blöcke verkraften müssen, dazu 51 Bestrahlungen, acht Operationen und fünf Hyperthermien – „alle Möglichkeiten sind jetzt ausgeschöpft, den Krebs zu besiegen“, sagt die Mutter des Mädchens.
Jana Reiner aus Reutlingen hat mit ihrer Tochter Marlen das gleiche Schicksal erlebt. Marlen war genauso alt wie Florina, Reiners Tochter ist mittlerweile verstorben. Doch Reiner steht der Familie Nuhiu zur Seite: „Meine Tochter und Florina haben sich in der Klinik kennengelernt, beide hatten die gleiche, äußerst seltene Krankheit, beide haben sich angefreundet und waren schnell ein Herz und eine Seele“, berichtet Reiner.
Florina lebt noch. Sie singt sehr gern, das hat sie für sich entdeckt, als sie nicht mehr in die Schule gehen konnte, und keinen Kontakt mehr zu ihren Freundinnen und Freunden haben durfte. Wegen der Infektionsgefahr. Dieser Gefahr ist Florina ständig ausgesetzt, wenn sie von den Behandlungen in der Klinik wieder nach Hause kommt. „Wenn bei ihr die Temperatur steigt, müssen wir sofort wieder in die Klinik“, sagt Shaban Nuhiu.
Besuch von Ayliva, der Sängerin
Als Florina in den vergangenen fast zweieinhalb Jahren viel zu oft stationär in der Klinik war, wurde sie einmal von Ayliva besucht. Sie ist eine der momentan angesagtesten deutschen Sängerinnen und ein Riesen-Idol für Florina. Vater Vassiliki Nuhiu berichtet davon mit strahlenden Augen.
Die Zehnjährige singt selbst Lieder von Ayliva nach, zweifellos hat Florina Gesangstalent. Und sie hat auch selbst einen Song geschrieben: Der Titel lautet „Das Wichtigste“ – in den ersten Zeilen heißt es: „Zwei Jahre Kampf, zwei Jahre Hoffnung, jeden Tag gehofft, dass alles besser wird.“
Und immer wieder kam der Moment, der ihr „den Boden unter den Füßen nimmt“, wie Florina es selbst beschrieben hat. Die Situation ist für die Eltern kaum auszuhalten. Wie geht man damit um? „Wir leben von Tag zu Tag“, sagt die Mutter. Ständig zwischen Hoffen, Verzweiflung, Entsetzen und irgendwie weiterleben müssen. „Mir tun die Geschwister von Florina so leid, die immer zu kurz kommen“, sagt Shaban Nuhiu. Eine Tochter ist 19, ein Sohn, Noan, sechs Jahre alt. Zu allem Unglück kommt noch hinzu, dass Vassiliki und Shaban Nuhiu selbstständig sind: Sie betreiben seit 16 Jahren ihr Restaurant „Hubertus“ bei der Metzinger Minigolf-Anlage.
Spenden über Gofundme
Wegen der Krankheit ihrer Tochter mussten die Nuhius schon oft die Gaststätte schließen und Feiern absagen müssen. Weil ihre Anwesenheit in der Klinik erforderlich war. Finanziell sieht es also schlecht aus bei den Nuhius. „Deshalb habe ich über eine Spendenplattform darum gebeten, die Familie zu unterstützen“, sagt Jana Reiner. Unter www.gofundme.com/f/hilfe-fur-florina kann gespendet werden.
Florina, ihre Geschwister und ihre Eltern möchten nochmal zusammen nach Griechenland, in die Heimat von Shaban Nuhiu. Ein paar Tage (mehr oder weniger) unbeschwert zusammen sein. Medizinisch sei das möglich, sagt Reiner. Paluna, das Palliativteam für schwerstkranke Kinder an der Uniklinik Tübingen, habe gesagt, dass auch im Ausland die Palliativversorgung gut vernetzt sei.
Das Schicksal der Familie ist kaum auszuhalten, Florina scheint bei alledem den größten Optimismus auszustrahlen. Sie möchte bei den „Voice kids“ auftreten. Ob sie sich das zutraut? Florina zieht die Schultern nach oben. Klar, wo soll das Problem sein? „Florina ist da sehr selbstbewusst und würde sich auf jede Bühne stellen“, sagt die Mutter. Sie und der Vater, sie sind so unglaublich stolz auf ihre Zehnjährige.
