Rich Präzision Riederich: Metallspezialisten und ihr Gespür für Schönes

Erfolgreich unterwegs mit einem Branchenmix: Die Riedericher Metallverarbeitungsspezialisten von Rich Präzision, mit Gottfried, Wolfgang und Alexander Rich an der Spitze (von links), gehören zu den innovativen Mittelständlern im Land.
Thomas Kiehl- Rich Präzision stellte sich nach einer Insolvenz 2019 neu auf und diversifizierte stark.
- Das Unternehmen vermeidet Abhängigkeit: Kein Kunde soll mehr als 15 Prozent Umsatz bringen.
- Heute liefert Rich u. a. Medizintechnik, Kälte- und Elektrotechnik sowie Getriebeteile.
- Unter „Rich Stil“ entwirft die Firma Titanringe, die bereits im Handel erhältlich sind.
- Umsatz stieg von 3,5 auf 4,6 Mio. Euro, „Top 100“-Preis erhalten – vierte Generation ist dabei.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am Anfang war der Bauchrevolver. Mit diesem Gerät fertigte Firmengründer Wilhelm Rich vor 77 Jahren die ersten Drehteile made in Riederich. Drehen und Fräsen, gerade die damit verbundene Millimeterarbeit, ist bis heute die Kernkompetenz von Rich Präzision geblieben. Doch während das Unternehmen bis vor wenigen Jahren vor allem für die Automobilindustrie produzierte, hat sich das Portfolio der Ermstäler mittlerweile deutlich geändert. Denn Abhängigkeiten von einer einzigen Branche will Geschäftsführer Wolfgang Rich um jeden Preis vermeiden: „Wir haben eine interne Grenze – keiner darf für mehr als 15 Prozent des Umsatzes aufkommen“, erklärt der Finanzchef, zugleich Personal- und Vertriebsleiter des Mittelständlers.
Von „klassischem Risikomanagement“ spricht der Firmenchef hier. Man könnte auch sagen: Die beiden Geschäftsführer und Brüder Wolfgang und Gottfried Rich haben das Familienunternehmen ein Stück weit neu erfunden. Warum sonst würden die Riedericher heute ganz eindeutig fremdgehen? Als Metallverarbeiter mischen sie seit einiger Zeit mit selbst designten Titanringen die Schmuckbranche auf. Doch dazu später. Jüngst ist der alteingesessene Zulieferer mit einem neuen Preis bedacht worden: Rich überzeugte beim bundesweiten Innovations-Wettbewerb „Top 100“ als Ideenschmiede und modern tickendes Unternehmen. Im Haus sei die Freude groß über die Auszeichnung, sagt Wolfgang Rich. Schließlich handelt es sich um ein renommiertes Kräftemessen unter den Mittelständlern im Land.
Wenn sich ein langjähriger, erfolgreicher Autozulieferer auf neues, sogar künstlerisch-kreatives Terrain begibt, hat das einen Grund. Im Falle von Rich Präzision war's eine handfeste Krise. Erzählt Wolfgang Rich, spricht er von einer Zeit vor der selbstverwalteten Insolvenz im Jahr 2019 – und einer Zeit danach. Vor 2019 waren die Metaller zu gut 70 Prozent abhängig von der Autoindustrie, zu 40 Prozent sogar von einem großen Kunden. Der zog sich zurück, als es in der Branche bereits kriselte, und stellte seine Aufträge schließlich komplett ein. Ein Beinahe-Knock-out, der die Riedericher wirtschaftlich ins Straucheln brachte – die unternehmerischen Visionen aber nicht lähmte.

Metaller goes Schmuckdesigner: Eine Kollektion mit Titanringen ist das jüngste Kind aus dem Hause Rich.
Thomas KiehlDer Neustart, der die Schließung des dritten Werkes und die Trennung von zehn Mitarbeitern erforderte, tat weh. Doch Rich Präzision schaffte den Turnaround. Wolfgang Rich suchte neue Vertriebskanäle („ein ziemlicher Kraftakt“), mit seinem Bruder Gottfried (Produktionsleitung und Qualitätssicherung) sowie seinem Sohn Alexander (mittlerweile ebenfalls im Führungsteam) erschloss sich die Firma einen neuen Kundenkreis.
Heute findet sich die Technologie aus dem Riedericher Industriegebiet (speziell Teile aus Titan) etwa in medizintechnischen Produkten wie den künstlichen Gelenkköpfen, die bei Hüftoperationen verbaut werden. Rich fertigt CNC-Komponenten für die Kältetechnik (etwa für Gefrierschränke), produziert für die Elektrotechnik und stellt Getriebeteile her, beispielsweise für Kupplungen und Automatikgetriebe. Auch Nutzfahrzeughersteller ordern beim Familienbetrieb in der Ohmstraße, was aber nur rund fünf Prozent des Umsatzes ausmacht. Überhaupt nährt sich das Traditionsunternehmen mit seinen derzeit gut 35 Mitarbeitern nur noch zu einem kleinen Teil von der Automobilindustrie. „Wir legen Wert auf einen gesunden Branchenmix“, sagt Wolfgang Rich.
Dazu gehören auch Experimente. Der Mittelständler denkt die ureigenen Kompetenzen neu und lanciert unter dem Label „Rich Stil“ eine Kollektion mit Ringen aus Titan auf dem Markt. Vom Metaller zum Schmuckdesigner? Ein eigenes Produkt sollte es sein, gerne etwas Kreativ-Künstlerisches: Vom Ehering über den Partnerring bis hin zum filigranen Damenschmuck reicht die Palette – mal sind die Oberflächen glatt, mal mit Gravur versehen, auch Diamanten strahlen auf dem Titanring. Über einen Metzinger Juwelier ist das Schmuckstück bereits im Handel zu haben. Um die Kollektion bekannter zu machen, sucht Wolfgang Rich jetzt nach neuen stationären Vertriebspartnern – Schmuckläden und Juwelieren – in der Region Neckar-Alb.
Das jüngste „Kind“ des Hauses richtig in Stellung zu bringen, ist ein Wunsch des Geschäftsführers. Enormes Wachstum strebt er momentan aber nicht an. Zwar ist der Umsatz zuletzt trotz aller Krisen wieder gestiegen (von 3,5 auf 4,6 Millionen Euro im Jahr), doch die Verantwortlichen fahren weiter auf Stabilitätskurs. „Im Moment sind wir gut beschäftigt“, freut sich Wolfgang Rich. Er hofft, dass das in Zeiten geopolitischer Turbulenzen so bleibt und die Riedericher ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern können.
Vierte Generation steht bereit
Die Riedericher Rich Präzision hat sich auf den externen Prüfstand begeben und am bundesweiten Innovations-Wettbewerb „Top 100“ teilgenommen. Die Firma wurde als eines von 100 Unternehmen mit einer Betriebsgröße von bis zu 50 Mitarbeitern ausgezeichnet.
Nach schweren Jahren will der Betrieb stabil wachsen, zumal die vierte Generation bereitsteht: Alexander Rich hat bereits Verantwortung im Familienunternehmen übernommen und verstärkt die Führungsriege.

