Modekonzern in Metzingen
: Hugo Boss empfiehlt Aktionären Übernahmeangebot abzulehnen

Vorstand und Aufsichtsrat beziehen Stellung zum Angebot des britischen Großaktionärs Frasers Group. Sie halten die Offerte von 38 Euro je Aktie für zu niedrig.
Von
Regine Lotterer
Metzingen
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Mehr als 100 Millionen Euro hat Hugo Boss für das neue Gebäude investiert.

Hugo Boss hat eine Stellungnahme zum Übernahmeangebot der Frasers Group abgegeben.

Thomas Kiehl
  • Hugo Boss empfiehlt, das Übernahmeangebot der Frasers Group über 38 Euro je Aktie abzulehnen.
  • Vorstand und Aufsichtsrat stuften die Offerte nach Prüfung als finanziell unangemessen ein.
  • Externe Gutachten von Bank of America und Goldman Sachs unterstützen diese Einschätzung.
  • Der Konzern setzt auf „Claim 5 Touchdown“ bis 2028 – erwartete Fortschritte schon dieses Jahr.
  • Frasers will die Beteiligung auf über 30 % erhöhen, doch konkrete Änderungen sieht das Angebot nicht vor.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Modekonzern Hugo Boss rät seinen Aktionärinnen und Aktionären davon ab, das Übernahmeangebot der britischen Frasers Group anzunehmen. Eine entsprechende Stellungnahme hat das Unternehmen mit Sitz in Metzingen am Donnerstag, 9. Juli 2026, veröffentlicht. Vorstand und Aufsichtsrat hätten nach eingehender Prüfung einstimmig beschlossen, das Angebot als finanziell unangemessen einzustufen, heißt es in der Pressemitteilung. Der gebotene Preis von 38 Euro je Aktie spiegle weder den aktuellen Unternehmenswert noch das mittel- und langfristige Potenzial des Konzerns ausreichend wider, betonen Vorstand und Aufsichtsrat.

Gestützt wird diese Einschätzung nach Angaben von Hugo Boss durch zwei externe Gutachten. Sowohl die Bank of America als auch Goldman Sachs seien im Rahmen unabhängiger Stellungnahmen zu dem Ergebnis gekommen, dass der Angebotspreis aus finanzieller Sicht nicht angemessen sei. Das Angebot sei dabei einem umfassenden Prüfungsverfahren unterzogen worden.

Hugo Boss verweist zur Begründung seiner ablehnenden Haltung vor allem auf die eigene Wachstumsstrategie. Mit dem Programm „Claim 5 Touchdown“ will der Konzern bis 2028 die nächste Phase profitablen Wachstums erreichen. Hugo Boss sei bestens aufgestellt, um seine Strategie eigenständig umzusetzen und nachhaltigen, langfristigen Wert für seine Aktionäre zu schaffen, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme. Erste operative Fortschritte würden bereits im laufenden Geschäftsjahr erwartet.

Daniel Grieder: Boss hat überzeugende Strategie

„Hugo Boss hat eine überzeugende Strategie, ein starkes Finanzprofil und einen klaren Weg hin zu deutlicher, langfristiger Wertschöpfung“, erklärt Vorstandsvorsitzender Daniel Grieder. Mit der laufenden Strategieumsetzung wolle das Unternehmen seine Marken stärken, die Profitabilität strukturell verbessern und die Cash-Generierung in den kommenden Jahren beschleunigen. Vor diesem Hintergrund sei man überzeugt, dass der gebotene Preis den inneren Wert des Unternehmens nicht angemessen abbilde.

Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Sturm stellte sich hinter die Empfehlung. Hugo Boss sei ein starkes Unternehmen mit klarer strategischer Ausrichtung und einem erfahrenen Managementteam, erklärte er.

Jeder Aktionär muss selbst entscheiden

Nach Einschätzung von Vorstand und Aufsichtsrat dient das Angebot vor allem dazu, der Frasers Group eine Erhöhung ihrer Beteiligung auf mehr als 30 Prozent zu ermöglichen. Darüber hinaus sehe das Angebot keine konkreten Änderungen oder Maßnahmen vor, die sich auf die derzeitige Geschäftsaktivität von Hugo Boss oder dessen geschäftliche und strategische Ziele auswirken würden. „Vorstand und Aufsichtsrat nehmen daher eine neutrale Haltung gegenüber der Absicht der Frasers Group ein, ihre Beteiligung zu erhöhen, und begrüßen deren anhaltende Unterstützung für die Strategie von Hugo Boss und dessen Managementteam“, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens.

Um eine unabhängige Beurteilung sicherzustellen, hatte der Aufsichtsrat einen eigenen Transaktionsausschuss eingesetzt. Michael Murray, Vorstandschef der Frasers Group und Mitglied des Hugo-Boss-Aufsichtsrats, war nach Unternehmensangaben wegen möglicher Interessenkonflikte nicht an den Beratungen beteiligt. Er habe weder an Prüfungen noch an Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Angebot mitgewirkt. Zudem hätten alle Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat, die selbst Hugo-Boss-Aktien halten, erklärt, dass sie nicht beabsichtigen, das Angebot für die von ihnen gehaltenen Aktien anzunehmen.

Gleichzeitig weist Hugo Boss darauf hin, dass jede Aktionärin und jeder Aktionär die Entscheidung über eine Annahme des Angebots eigenverantwortlich treffen müsse. Maßgeblich seien die persönliche Situation und die eigene Einschätzung der künftigen Kursentwicklung.

Die britische Frasers Group ist ein Einzelhandelskonglomerat, hinter dem der Unternehmer Mike Ashley steckt. An Hugo Boss ist die Gruppe früheren Angaben zufolge mit gut 26 Prozent direkt beteiligt.