Mehrfamilienhäuser in Dettingen: Gehen mehr als 1000 Euro pro Quadratmeter im neuen Baugebiet?

In der Mitte des neuen Baugebiets „Vor Buchhalden“ sind Mehrfamilienhäuser geplant. Potentielle Bauträger können sich mit ihren Konzepten bewerben.
Emil Schmid- Im Baugebiet „Vor Buchhalden“ in Dettingen sind Mehrfamilienhäuser geplant, Bauträger können sich bewerben.
- Verwaltung schlägt Quadratmeterpreis von 1.050 Euro vor, Rat diskutiert Marktpreis ohne Festlegung.
- Gemeinderat entscheidet im September, welche Bewerber elf kommunale Bauflächen erhalten.
- Diskussion um externe Planungsbüros: Umfang der Unterstützung noch unklar, Kosten bei 20.000 Euro.
- Kritik an rein preisorientierter Vergabe, Fokus auf städtebauliche und ökologische Kriterien gefordert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Hätte Dettingen endlos Flächen für neue Wohngebiete – die Gemeinde könnte ihre leeren Kassen mit Bauplatz-Erlösen zackig wieder füllen. „Wer kann sich das noch leisten?“, fragten die Gemeinderäte noch in der Mai-Sitzung, und zwar mit Blick auf den Preis für kommunale Wohngrundstücke im neuen Gebiet „Vor Buchhalden“. Pro Quadratmeter müssen Häuslebauer dort 750 Euro berappen (wir haben mehrfach berichtet). Doch das hat viele Interessenten nicht abgeschreckt. Im Gegenteil: Mehr als doppelt so viele Bewerber wie Plätze verzeichnet die Verwaltung jetzt für die elf Bauflächen, die sie selbst an Frau und Mann bringt. Einleuchtend klingt das Fazit von Torsten Hooge, im Rathaus Fachmann für kommunale Liegenschaften: „Der Preis hat sich im Bewerberverfahren als angemessen und marktgerecht entpuppt.“
Für die Konkurrenten um das begehrte Bauland geht es nach der Sommerpause ans Eingemachte. Am 25. September entscheidet der Gemeinderat, wer von den 26 Bewerbern auf den elf gemeindeeigenen Plätzen sein Eigenheim planen kann.
Bald entscheidet der Gemeinderat, wer dort bauen darf
Das alles waren jedoch Nebengeräusche in der jüngsten Sitzung, denn da ging es hauptsächlich um die beiden Bauflächen für den Geschosswohnungsbau. Mehrfamilienhäuser sollen bekanntlich in der Mitte des Buchhaldenareals entstehen (siehe Foto). Allerdings ist bislang weder klar, welcher Bauträger das Millionenprojekt stemmt, noch, welche Kriterien Investoren beim Bau zu erfüllen haben.
Was das angeht, machen sich die Kommunalpolitiker auf den Weg. Die Verwaltung schlug vor, eine offene und niederschwellige Konzeptvergabe für Bauträger zu initiieren. „Damit sprechen wir möglichst viele Interessierte an und halten den Zugang einfach, erklärt Torsten Hooge. „Wer sich bewerben möchte, muss nur wenige inhaltliche Vorgaben beachten.“
Preise fürs Bauland festsetzen, ja oder nein
Die Verwaltung würde das Verfahren gerne in die Hand des Pfullinger Büros Citiplan geben und brachte dafür eine außerplanmäßige Ausgabe von 20 000 Euro ins Spiel. Ob ein Zuschuss für diese Kosten möglich ist, werde geprüft. Ansonsten soll das Geld aus den Einnahmen der Grundstücksverkäufe erwirtschaftet werden. Zudem favorisierten die Rathaus-Vorderen einen fixen Kaufpreis für die Bauplätze: Torsten Hooge schlug vor, den Quadratmeterpreis für die Bauplätze auf einen den Betrag von 1 050 Euro festzusetzen – dieser Preis solle für alle Bewerber gleichermaßen gelten.
Vor allem an diesem Fixpreis entzündete sich danach die Debatte im Rat. Weg damit in der Ausschreibung des Wettbewerbs, forderte Dr. Frank Schwaigerer, Fraktionssprecher der Unabhängigen Liste (UL). Stattdessen möchte er die Preisgestaltung für die Geschosswohnungen dem Markt zu überlassen. „Hier geht es nicht um Privatleute, sondern um einen Bauträger. Und der will mit dem Projekt Gewinn machen.“ Höhere Einnahmen könne die klamme Kommune ja bestens brauchen. „Die kann man hier generieren, es steckt einiges an Potential drin.“
„Hier sind die Mandatsträger in der Minderheit“
Die UL brachte einen alternativen Beschlussvorschlag in die Debatte ein und legt einen weiteren Schwerpunkt auf das Konzept der Bewerber: Ideen für den Bau sowie der Bieterpreis sollen als Entscheidungskriterium für einen Bauträger maßgebend sein. Die Räte verweisen auf die Bebauung des Stern-Areals, das ebenfalls ohne Festpreis entwickelt worden ist. Auch nimmt Frank Schwaigerer das Ortsbauamt in die Pflicht. Er fordert die externe Unterstützung eines Planungsbüros „nur bei Bedarf“, womit sich auch das Honorar für die Experten halbieren soll.
Zudem wünscht sich der Pädagoge am Ende eine Projektvorstellung im gesamten Gemeinderat. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, eine Jury zu berufen, bestehend aus dem Bürgermeister, Baufachleuten der Verwaltung, Stadtplaner und jeweils einem Mitglied jeder Fraktion. Schwaigerer sieht hier jedoch die „Mandatsträger in der Minderheit.“
Der Rat folgte schließlich in den wesentlichen Punkten dem Beschlussvorschlag der Unabhängigen, allerdings erst nach längerer Diskussion. Bürgermeister Michael Hillert und Ortsbaumeister Felix Schiffner warnten davor, keinen Preis für die Flächen festzusetzen. Dann stehe automatisch der monetäre Aspekt vor Kriterien wie etwa städtebaulichen Finessen und ökologischem Bauen. „Die große Gefahr ist: Wer viel bezahlt, bekommt den Zuschlag“, mahnte Schiffner. Zudem müsste das ganze Verfahren rechtssicher sein, weshalb das Bauamt externe Dienste brauchen könne.
Der Rathauschef berichtete derweil von Kritik nach dem Wettbewerb ums Stern-Areal: „Schon damals hat man uns vorgeworfen, wir hätten nur nach dem Preisangebot entschieden. Ich rieche die Klagen schon.“
FWV-Chef Dr. Rolf Hägele hatte sich zuvor ebenfalls dafür ausgesprochen, einen Preis festzusetzen und die Dienste des Pfullinger Planungsbüros in Anspruch zu nehmen. Er will die Dimension des Buchhalde-Projekts nicht mit der des Stern-Areals vergleichen. Fraglich sei, ob es reiche, die externen Berater nur sporadisch hinzuzuziehen. Auch Peter Brugger (CDU) plädiert dafür, den Wettbewerb in die Hände der „Citiplan“ zu geben. Mit den Städteplanern habe Dettingen schon im Areal „Sorglos wohnen“ gute Erfahrungen gemacht.
Schließlich kam Ortsbaumeister Felix Schiffner dem UL-Wunsch nach weniger Dienstleistung von außen entgegen. „Wir schauen, was wir selbst tun können, müssen rechtlich aber auf der sicheren Seite sein.“

