Hagelabwehr aus der Luft
: Unwetterwarnung! Hagelflieger in Bereitschaft

Über dem Kreis Reutlingen zieht die nächste schwere Gewitterfront auf. Um Hagelschäden vorzubeugen, stehen die Piloten bereit.
Von
Felix Schiele
Kreis Reutlingen
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Wetter in Baden-Württemberg: ARCHIV - 11.05.2026, Baden-Württemberg, Eschach: Dunkle Regenwolken sind über dem Ostalbkreis bei Schwäbisch Gmünd zu sehen. (zu dpa: «In diesen Landesteilen drohen Gewitter») Foto: Alexander Wolf/onw-images/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Das nächste Unwetter naht und bringt Gefahren mit sich.

Alexander Wolf/onw-images/dpa (Symbolbild)
  • Über dem Kreis Reutlingen droht erneut ein schweres Gewitter – Piloten sind in Bereitschaft.
  • DWD warnt zwischen 13 und 23 Uhr vor Orkanböen bis 120 km/h und Starkregen bis 40 l/qm.
  • Es kann Hagel bis fünf Zentimeter fallen, Schäden an Natur und Infrastruktur sind möglich.
  • Hagelflieger wollen Wolken mit Silberjodid impfen, um große Körner zu vermeiden.
  • Methode ist umstritten: Nachweis der Wirksamkeit fehlt, dennoch setzen Landwirte darauf.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am Mittwochmorgen kam es zu einem Unwetter im Kreis Reutlingen. In den Morgenstunden prasselten starker Regen und Hagel auf die Straßen. Zeitweise waren mehrere Straßen überflutet und es kam zu einem kurzzeitigen Stromausfall. Sowohl die Feuerwehr als auch die Polizei waren im Einsatz, um Unwetterschäden zu beseitigen oder die Verkehrsregelung sicherzustellen.

Auch heute kann es zwischen 13 und 23 Uhr erneut zu einem schweren Gewitter kommen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Orkanböen mit bis zu 120 Km/h und heftigem Starkregen mit bis zu 40 l/qm. Dabei kann es auch stellenweise zu Hagelkörnern mit bis zu fünf Zentimeter Durchmesser kommen. Dadurch können große Schäden an der Natur und Infrastruktur entstehen.

Um dieser Gefahr vorzubeugen, sind die Hagelflieger des Jumara Air Service in Bereitschaft. Das kleine Flugunternehmen, bestehend aus drei Piloten, hält sich bereit, um gegebenenfalls vom Flughafen Stuttgart starten zu können. Einer von ihnen ist Markus Duwe. Er ist seit 15 Jahren in der Hagelabwehr als Pilot tätig.

Wie funktioniert die Hagelabwehr?

Gewitterwolken enthalten unterkühltes Wasser, das zum Gefrieren winzige Partikel als sogenannte Kondensationskerne braucht. Sind nur wenige davon vorhanden, entstehen wenige, aber große Hagelkörner. Bei der Hagelabwehr wird Silberjodid in die Wolke eingebracht, wodurch viel mehr Kerne zur Verfügung stehen. So bilden sich viele kleine statt wenige große Körner – und diese schmelzen auf dem Weg zum Boden idealerweise zu harmlosem Regen. Für die Umwelt ist das Verfahren nachweislich unbedenklich, schreibt das Unternehmen auf seiner Internetseite.

Kommt es heute zu einem Einsatz?

Das ist „abhängig von der Wetterlage auf dem Radar“, erzählt Duwe im Telefonat mit unserer Redaktion. Auch am gestrigen Tag waren die Piloten in Bereitschaft – zu einem Start kam es dabei nicht. Denn die Piloten können nur tagsüber fliegen. „In der Nacht lassen sich die Gewitterwolken nicht erkennen“, berichtet der Pilot.

Sollte es zu einem Einsatz kommen, starten die Hagelflieger vor Beginn des Unwetters und fliegen an die Gewitterfront, um dann das Silberjodid aus den Tanks in die Wolken zu „impfen“. Die starken Winde machen den Piloten dabei nichts aus, da sie nicht direkt in die Gewitterwolke fliegen, erzählt Duwe im Gespräch. Denn sie halten sich vorwiegend an der Vorderkante der Wolke auf und nutzen die Thermik ähnlich wie beim Segelfliegen, beschreibt der Pilot. Falls der Flug wetterbedingt nicht mehr fortgesetzt werden kann, besteht die Möglichkeit, auf angrenzenden Flugplätzen zu landen. Zum Einsatz kommen Maschinen vom Typ Partenavia P68. Die Flugzeuge eignen sich durch die robuste Bauweise und ihr Flugverhalten optimal zur Hagelabwehr.

Hagelflieger, Echterdingen, Rems-Murr-Kreis, WGV, Flughafen, Stuttgart

Ein Hagelflieger wartet auf den Einsatz am Flughafen Echterdingen.

SWP-Archiv

So plausibel die Theorie klingt, so umstritten ist die Hagelabwehr in der Wissenschaft. Ein Großteil der deutschen Meteorologen bezweifelt die Wirksamkeit der Methode, für die bislang kein eindeutiger Nachweis erbracht werden konnte. Zu den Kritikern zählt Michael Kunz, Hagelspezialist am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Auf der anderen Seite stehen zahlreiche Befürworter. Obwohl der wissenschaftliche Beweis fehlt, setzen Landwirte weltweit auf diese Form der Hagelabwehr – nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Spanien und den USA. Sie berufen sich auf eigene Erfahrungen und Studien, die eine Verringerung der Schäden nahelegen. Ein endgültiger Nachweis bleibt jedoch schwierig.