Gemeinderatswahl Dettingen: Gut die Hälfte fliegt aus dem Gremium, viele Junge ziehen ein

Mehr Bürger als 2019 gehen wählen: Die Gemeinderatswahl in Dettingen ist dieses Jahr für viele Überraschungen gut.
Emil SchmidHoppla, wenn das nicht nach Zeitenwende klingt: Gleich mehrfach lässt das Ergebnis der Dettinger Gemeinderatswahl von 2024 aufhorchen. Nie war in den vergangenen 15 Jahren so viel Stühlerücken im Gremium, nie haben die Bürger so vielen langjährig engagierten Ratsmitgliedern den Einzug ins Rathaus verweigert – und selten zuvor haben so viele junge Kommunalpolitiker den Sprung ins Parlament geschafft. Kommen wir dann noch auf den Bundestrend der Europawahl zu sprechen, fällt auf: In Dettingen zählt, im Gegensatz zur eben gerupften SPD, just die den Sozialdemokraten nahe stehende Unabhängige Liste (UL) zu den Wahlgewinnern.
Die Unabhängige Liste verliert ihren Fraktionsvorsitzenden
Und da wir gerade bei der UL sind: Diese Fraktion sorgt für die meisten Überraschungen nach dem denkwürdigen Wahltag. Zum einen erreichen die „Unabhängigen“ ihr im Wahlkampf formuliertes Ziel: Sie bauen die Zahl der Sitze aus und nehmen künftig mit sechs statt mit nur fünf Bürgervertretern am Ratstisch Platz. Doch dafür präsentiert sich die UL mit mehrfach neuem Personal: Vom alten Team gestalten nur der Gymnasiallehrer Dr. Frank Schwaigerer und der Bestatter und Schreiner Uwe Serway die Politik der kommenden fünf Jahre mit. Dem langjährigen Gemeinderat und Fraktionschef, Architekt Archibald Fritz, hat es nicht mehr gereicht. Auch seine bisherigen Weggefährten Elke Göhner und Patrick Schmauder schaffen den Sprung in den Rat nicht mehr. Dafür rücken drei Neue nach, die im Ort zum Teil alles andere als unbekannt sind. Auf Anhieb mehr als 2100 Stimmen konnte Kai Münzing auf sich vereinen – die Expertise des gremienerfahrenen ehemaligen Dettinger Kirchenpflegers und langjährigen Verantwortlichen für die Kindergärten scheint wohl gerade jetzt gefragt.
Auch der Weinhändler und Sommelier Evangelos Pattas, vierter UL-Mann, hat sich immer wieder im Ort eingebracht. Das tut auch Grundschullehrerin und TSV-Akteurin Isabell Melzer, mit 36 Jahren nur die zweitjüngste in der UL-Riege. Absoluter Youngster und Newcomer: Student und Forstwirt Bastian Schmauder (25).

Um die Mittagszeit war ausgezählt: Die Helfer im Dettinger Rathaus legten sich ins Zeug.
Emil SchmidMit Blick auf derlei Rochaden gibt es im Dettinger Gemeinderat eigentlich nur eine Konstante – und die heißt Dr. Rolf Hägele. Seit vielen Jahren darf sich der stellvertretende Bürgermeister zugleich Stimmenkönig des Dettinger Gremiums nennen. Auch dieses Jahr setzt der Apotheker wieder Maßstäbe. Wenngleich er und seine Freien Wähler im Vergleich zu 2019 einige Stimmen und gut drei Prozent einbüßten, gilt die FWV doch wieder als Gewinner dieses Urnengangs: Rolf Hägele holte allein 5229 Stimmen (!) und setzte sich damit deutlich vor den Zweitplatzierten im Rat, seinen Fraktionskollegen Martin Salzer, den Leiter der Georg-Goldstein-Schule in Bad Urach (2821 Stimmen). Die FWV stellt übrigens auch den Drittplatzierten in Sachen Gemeinderatswahl: Es handelt sich dabei um den Buchhalde-Landwirt Ulrich Hiller.
Neue Gesichter auch bei den Freien Wählern
Bleiben noch die altbekannten FWV-Gesichter Manuel Straßer und Carmen Seeger mit wie gehabt solidem Ergebnis – dann wird auch bei den „Freien“ mächtig durchgewechselt: Routinier Wolfram Beck ist nach 30 Jahren als Gemeinderat nicht mehr angetreten, auch Katharina Beutler machte Schluss mit der Kommunalpolitik, Klaus Hirrle und Thomas Gaiser verlieren ihre Sitze knapp. Dafür rücken nun die 27-jährige Erzieherin Alexandra Lieb, Zimmerermeister Jochen Kleih (42) und der Apotheker Ulrich Heigold (43) nach. Einen Sitz verliert die FWV an die Unabhängigen.
Die CDU kann ihr Ergebnis fast halten
Schließlich die CDU: Für die Gruppe um Fraktionschef Dr. Michael Allmendinger (der Jurist holt mit 2724 Stimmen das viertbeste Ergebnis im Gremium) bleibt es bei vier Sitzen und einem nahezu konstanten Ergebnis im Vergleich zu 2019. Allerdings ist die Fraktion künftig eine reine Männerrunde: Zu Michael Allmendinger und seinen erfahrenen Sidemen Simon Nowotni und Jochen Rehm gesellt sich in Zukunft der Versicherungsexperte Peter Brugger. Der Neue zieht für die bisherige Gemeinderätin Christine Weible ins Gremium ein.
Erfreulich ist die Wahlbeteiligung in Dettingen: Mehr als 59 Prozent der stimmberechtigten Bürger gingen an die Urne. Das sind zehn Prozent mehr als 2014 - und ein Prozent mehr als 2019.
