Gäste beim Musikfest
: „Warum Mallorca? Ich mach' lieber Urlaub in Bad Urach“

Berlin ist die Kulturmetropole schlechthin – dennoch zieht es Hauptstadt-Bürger Wolf Konrad-von Appen nach Bad Urach, wenn er Konzerte erleben will. Was ihn an den Herbstlichen Musiktagen und am Ermstal begeistert.
Von
Christina Hölz
Bad Urach
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Musiktage-Besucher aus der Hauptstadt: Wolf Konrad-von Appen (links) mit seinem langjährigen Schulfreund Florian Prey, dem künstlerischen Leiter der Uracher Festspiele.

Musiktage-Besucher aus der Hauptstadt: Wolf Konrad-von Appen (links) mit seinem langjährigen Schulfreund Florian Prey, dem künstlerischen Leiter der Uracher Festspiele.

Christina Hölz
  • Ein Berliner Besucher lobt die Herbstlichen Musiktage Bad Urach und die Umgebung.
  • „Tom und Flo“ spielten Songs der 60er – das Publikum schnippte zum a-cappella-Finale.
  • Die Crossover-Strategie von Leiter Florian Prey bringt neue Festivalgäste nach Bad Urach.
  • Am Mittwoch stehen Schumann und Brahms auf dem Programm, aufgeführt vom Vokalzirkel.
  • Wolf Konrad-von Appen verbindet Wandern, Thermalbad und Konzerte – Urlaub statt Mallorca.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am Ende schnippt die ganze Konzertgemeinde mit den Fingern. Gitarre und Kontrabass schweigen, Thomas Prestele und Florian Laske singen a-Capella. Und wie: Die swingenden sechziger Jahre haben die Bad Uracher Künkele-Mühle fest im Griff an diesem Montagabend. „Everyday“ von Buddy Holly, „The Boxer“ von Simon und Garfunkel und natürlich „God only knows“ von den Beach Boys. Kaum ein Evergreen aus der Zeit der ersten Boybands fehlt beim Musiktage-Gastspiel des Augsburger Duos „Tom und Flo“.

Nicht nur optisch erinnern die beiden Musiker ein bisschen an „Simon und Garfunkel“. Die Männer haben den Sound der 60er-Jahre auch bestens perfektioniert. Klare Melodien, eingängige Riffs, schwärmerischer Schmelz in der Stimme: Das kommt an beim Publikum. Obendrein, wenn es als „Beilage“ Leckeres es aus der Mühlen-Küche gibt und das Grießflammeri so zart-fluffig daherkommt, wie die Sänger George Harrisons „Here comes the sun“ interpretieren.

Swinging Sixties in Reinform: "Tom und Flo" bei den Herbstlichen Musiktagen.

Swinging Sixties in Reinform: "Tom und Flo" bei den Herbstlichen Musiktagen.

Christina Hölz

Beatles-Songs bei einem Musikfest, das sich eigentlich der Klassik verschrieben hatte? Ja, das geht. Nicht umsonst hat die musikalische Crossover-Politik des künstlerischen Leiters Florian Prey in den vergangenen Jahren die Türen für neue Festivalbesucher geöffnet. Die sieht man in Bad Urach öfters – am Freitag dürften sie beim Konzert der Reggae-, Funk- und Latinband „Jamaram“ sogar in der Mehrzahl sein.

Doch der Prey‘sche Mix lockt auch Besucher aus dem weiten Umkreis an. Zum Festival pilgerten in den vergangenen Jahren Konzertliebhaber von Paris bis in die Vereinigten Staaten. Seit langem gut vertreten ist auch die Hauptstadt: Die Berlinerin Karin Dette etwa ist Gründungsmitglied im Förderverein des Festivals, den „Freunden der Herbstlichen Musiktage.“

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Herbstliche Musiktage Bad Urach: Das Programm am Mittwoch, 7. Oktober

Robert Schumann, ausgewählte Lieder für Chor

Robert Schumann, Dichterliebe, op.48 zu Gedichten von Heinrich Heine
(Bearbeitung für Chor)
Johannes Brahms, Andante cantabile aus Klavierquartett op.47
(in der Bearbeitung von Robert Schumann)

Ausführende: Vokalzirkel, Johannes X. Schachtner (Leitung)
Klavierduo Neeb, Gerrit Illenberger (Bariton)

Unter der Leitung des Dirigenten Johannes X. Schachtner präsentiert der junge, solistisch besetzte Chor „Vokalzirkel“ aus München ein Programm der poetischen Tiefe. Im Mittelpunkt stehen Werke von Robert Schumann, die mit Texten von Eichendorff, Uhland, Mörike und weiteren großen Dichtern eine faszinierende Klangwelt eröffnen. Von der verträumten „Mondnacht“ über den nachdenklichen „Traurigen Jäger“ bis hin zu lebhaften Liedern wie dem „Bänkelsänger Willi“ entfaltet sich eine facettenreiche Reise durch Romantik und Volksliedtradition.
Ergänzt wird das Programm durch die zarte Schumann-Fassung des „Andante cantabile“ Klavierquartett op.47 für Klavier zu vier Händen von Johannes Brahms. Die für Chor bearbeitete „Dichterliebe“ von Schumann eröffnet den bekannten Liederzyklus in neuem Klanggewand, das die emotionalen Facetten der Liebe vielstimmig zum Klingen bringt und Schumanns poetische Tiefe eindrucksvoll verstärkt.

Informationen und Karten: Karten: www.herbstliche-musiktage.de sowie unter (07125) 15 65 71.

Und noch ein Musikfan aus Berlin ist seit Jahren regelmäßiger Gast im Ermstal: Hauptstadt-Bürger Wolf Konrad-von Appen zeigt sich begeistert von der Vielfalt des Festival-Programms und die Landschaft rund um Bad Urach. „Wunderschön ist es hier, gerade im Herbst“, schwärmt er.

Seine Tage in der Kurstadt verbringt der Berliner mit Wandern, Besuchen im Thermalbad und schließlich den Konzerten am Abend. Musik und Wellness, für ihn die ideale Kombi. „Warum soll ich nach Mallorca reisen – ich verbringe meinen Urlaub lieber in Bad Urach“, erzählt er unserer Redaktion.​

Analoge Fotografie ist wieder voll im Trend

Und der Ingenieur ist überzeugt: Wären die Musiktage in Berlin bekannter, würden mehr Gäste aus der Kulturmetropole im Herbst nach Bad Urach kommen.

Wolf Konrad-von Appen indessen hatte beste Quellen, was das Uracher Festival betrifft: Der Kulturfan und Hobby-Fotograf („analog ist wieder voll im Trend“) lebt zwar seit vielen Jahren in Berlin – aufgewachsen ist er aber in Bayern. Und in München besuchte er einst die Grundschule mit Festivalleiter Florian Prey. „Wir haben unsere Freundschaft gepflegt und uns nie aus den Augen verloren“, sagt der Sänger und Programmchef, der am Starnberger See lebt und in Gauting ein weiteres Musikfestival leitet.

Die nahbare Gitarre

Neben der Liebe zur Musik verbindet Florian Prey und Wolf Konrad von-Appen noch ein weiteres Hobby: Auch der lyrische Bariton Prey hat ein Faible für Fotografie. Und natürlich für die Hits der Sechziger, die „Tom und Flo“ an diesem Abend ohne den Staub der vergangenen Jahrzehnte präsentieren. Ein bisschen ist wie bei einem Wohnzimmer-Konzert ist das in der Mühle: Der Kontrabass tanzt, die Gitarre sorgt für die warme und nahbare Atmosphäre.