Animal Hoarding in Bad Urach: Die Frau, die mehr als 100 Katzen bei sich dahinvegetieren ließ

Wo bist Du?
Patrick Pleul/dpa- 1996 wurden über 100 Katzen in einem Haus im Ermstal entdeckt, die unter schlechten Bedingungen gehalten wurden.
- Die Besitzerin musste sich vor Gericht verantworten und durfte keine Katzen mehr halten.
- Die Katzen kamen ins Tierheim Reutlingen, wo viele von ihnen identifiziert wurden.
- Der Autor verlor 1993 seine Katze und suchte im Tierheim nach ihr, fand sie aber nicht wieder.
- Spenden für das Tierheim können an die Volksbank Ermstal-Alb überwiesen werden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Haus jener Frau hatte einen Garten. Mit einem sonderbar hohen Zaun. Engmaschig, etwa drei Meter hoch und überdacht, sodass es kein Entkommen gab. Für keine der Katzen, die sich außer in dieser Voliere auch im Haus selbst aufgehalten haben. Es müssen 150 gewesen sein, an manchen Tagen weniger, ab und zu waren es mehr. Je nachdem, wie Nachschub und Abgänge miteinander korrelierten. Nachschub an Katzen bekam die Frau von Freunden und Bekannten, die entweder in böser Absicht oder im Glauben, jede nächtens auf der Straße anzutreffende Katze sei obdachlos, diese Tiere einsammelten und sie in das Haus dieser Frau brachten. Wo sie ohne tierärztliche Versorgung, ohne Auslauf, ohne die Möglichkeit, sich bei Bedarf zurückzuziehen, allmählich eingingen. In einem Haus, in dem es zum Himmel stank. Die Zimmer ertranken in Unrat, in einem Gemisch aus Urin und Kot.
Fall landet vor Gericht
Das hätte ewig so weitergehen können, doch irgendwann wurden die Behörden auf das Haus im Ermstal mit seinen vielen Katzen, insbesondere auf die Frau, die darin lebte, aufmerksam. Im Sommer 1996 musste sich die Frau vor Gericht verantworten. Ich selbst erinnere mich nur noch vage an die Verhandlung. Ich weiß aber noch, dass der Frau untersagt wurde, künftig Katzen zu halten. Auch weil in ihrem Garten Skelette von vergrabenen Tierkadavern gefunden wurden, weil das Halten so vieler Tiere gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen verstößt, weil das Leben in einem Haus voller Fäkalien auch für Menschen bedenklich ist. Und vermutlich aus einer Reihe anderer Gründe, an die ich mich nicht mehr erinnern kann.
Dieser Fall hat mich nie richtig losgelassen, denn er hat eine Vorgeschichte, die ins Jahr 1993 zurückreicht. Ich war Student, aber gerade zu Besuch in meinem Elternhaus in Kirchheim. Es klingelte, mein Vater stand an der Tür mit einer Schuhschachtel, in der sich ein Katzenbaby befand. Ein Tigerchen, das wir großzogen, ihm den Namen Finny gaben und es lehrten, Dinge zu apportieren, als sei es ein Hund. Eineinhalb Jahre später kam sie abends nicht nach Hause. Sie kam an keinem der darauffolgenden Tage, sie kam nie mehr.
1996 saß ich also als Reporter im Gericht. Es ging um jene Frau mit den vielen Katzen. Die Verhandlung rief mir meine eigene Katze in Erinnerung. Also beschloss ich, auch für eine Nachfolgegeschichte, das Tierheim Reutlingen aufzusuchen, wo die Katzen dieser Frau vorläufig untergebracht waren.

Wir sammeln Spenden für das Tierheim Reutlingen und den Tierschutzverein Münsingen.
Sepp Buchegger„Die gute Tat“: Das ist das Spendenkonto
Spenden für die Weihnachtsaktion „Die gute Tat“ richten Sie bitte an Südwest Presse Neckar-Alb GmbH & Co. KG unter dem Stichwort „Weihnachtsaktion“ an die Volksbank Ermstal-Alb, IBAN: DE 03 6409 1200 0233 4340 03. Wer eine Spendenbescheinigung benötigt, muss bitte beim Verwendungszweck seine vollständige Adresse und das Stichwort „Kinderklinik“ oder „Tierschutz“ angeben.
Meine Recherchen waren aufschlussreich. Mitarbeiterinnen des Tierheims legten mir eine Liste aller Katzen vor, die sie in diesem Haus lebend vorgefunden hatten und die sie nun bei sich auf zahlreiche Käfige verteilten. Die Liste war sortiert nach dem Code der individuellen Kennzeichnung der Katzen, sofern vorhanden. Das war damals eine Tätowierung im Ohr, gestochen vom Tierarzt. Damit konnte man seine Katze bei einer Haustierdatenbank registrieren. Na ja, hab ich gesagt, meine Katze stammt ja aus Kirchheim, wie soll die ins Ermstal kommen? Doch doch, antworteten die Mitarbeiterinnen, „die Katzen kommen aus dem gesamten Umland“. Das konnte man den Tätowierungen entnehmen, denn am Zahlen- und Buchstaben-Code ist zu erkennen, welcher Tierarzt tätowiert hat. Die Liste enthielt Katzen von mehreren Kirchheimer Veterinären, auch jener unserer Finny war dabei. Als ich das hörte, war ich sicher, dass ich meine Katze wiederfinde. Ich fuhr nach Hause, kam anderntags wieder mit dem Impfausweis meiner Katze und mit dem Registrierungscode. Jetzt musste man sie mir nur noch aus dem Käfig holen und sie mir in die Arme drücken.
Tierärzte erfinden diese Codes nicht. Sie halten sich an Vorgaben, wonach die erste Buchstabenkombination für den Ort steht, die zweite für die Tierarztpraxis und die Zahl für die fortlaufende Nummer. Auf der Liste tauchte die Katze auf, die direkt vor meiner tätowiert wurde. In einem der Käfige war auch die Katze, die direkt nach meiner tätowiert wurde. Aber die Nummer meiner Finny fehlte. „Kann schon sein, dass sie in Urach gelandet ist“, sagte die Mitarbeiterin. „Wir haben ja nur die, die diese Tortur überlebt haben.“ Möglich, dass meine Katze zu denen gehörte, die elendig eingegangen und im Garten verscharrt wurden. Desillusioniert ging ich, um abermals ins Tierheim zu kommen. Mit meiner Freundin. Wir waren uns sicher, dass wir unsere Katze unter hunderten wiedererkennen, und wer weiß, vielleicht war die Tätowierung nicht mehr sichtbar oder wurde falsch erfasst.
Dann durften wir nach hinten, zu den Katzen. Das Maunzen und Miauen aus hunderten Kehlen empfing uns. Die Katzen kamen ans Gitter, sie flehten uns an, und wir haben uns zumindest eingeredet, dass sie alle darum baten, mitgenommen zu werden. So viele Katzen, so viele Tiger, die alle gleich aussahen und uns gleichermaßen überforderten. Es war aus. Ich begleitete meine inzwischen heulende Freundin aus dem Tierheim. Finny blieb für immer weg.

