Der Heidengraben: Wo Natur und Geschichte aufeinandertreffen

Bei der Naturführung des Nabu Römerstein, die auch zum Lauereckfels führte, hatte der ehemalige Förster Bernd Weber aus Hengen interessierte Zuhörer. Neben der Flora und Fauna am Heidengraben ging es auch um die Geschichte der Region.
Karolin Müller- Naturführung am Heidengraben: Nabu Römerstein mit Ex-Förster Bernd Weber leitete die Tour.
- Fokus auf Flora, Fauna und Geschichte des größten keltischen Oppidums in Mitteleuropa.
- Erlebnispfad führt zur Elsachstadt, Wallanlagen und Spuren wie Zangentor sind sichtbar.
- Beobachtungen: Schwarzspecht, vielfältige Blüten, Baumarten bis zu Mammutbäumen.
- Ausblick: Nächste Führung am Sonntag, 7. Juli, 8 Uhr, Treffpunkt Zaininger Hüle.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Heidengraben, das größte keltische Oppidum in Mitteleuropa, hat spätestens mit der Eröffnung des Keltenerlebnispfades 2021 und des Heidengrabenzentrums 2024 deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Der etwa sechs Kilometer lange Erlebnispfad führt auch zur sogenannten, etwa 160 Hektar großen Elsachstadt, die den Kern der um 100 vor Christus bestehenden Siedlung bildete.
Vom Wanderparkplatz Seelenau gelangt man direkt zu diesem von einem Wall geschützten Kernbereich, wo bis dato mehrfach spätkeltische Siedlungsstrukturen nachgewiesen wurden. Doch hier gibt es keineswegs nur Geschichtliches zu entdecken. Der Wall zieht sich nämlich durch ein Gebiet, das von einer abwechslungsreichen und vielseitigen Flora und Fauna geprägt ist. Die Naturführung der Römersteiner Nabu-Gruppe am vergangenen Sonntag fand also nicht grundlos genau hier statt.
Vorarbeit durch Spechte
Unter der Leitung des Naturkenners und Jägers Bernd Weber und seiner Frau Gabi aus Hengen begaben sich etwa 15 Natur- und Wanderfreunde entlang des Walls auf Entdeckungsreise – naturkundlich und historisch. Kaum losgelaufen, konnte von einigen Teilnehmern ein eher selten zu beobachtender Schwarzspecht erspäht werden. Auch wenn der schwarze Vogel mit der roten Haube wegflog, bevor alle ihn in Augenschein nehmen konnten, so war die Freude dennoch groß. Zumal die Sichtung gleich zu etwas Wissensverbreitung führte: Spechte lieben bekanntlich Totholz und sind für die Nahrungssuche auf morsche Baumstellen angewiesen. „Spechte leisten aber auch Vorarbeit“, berichtete Fritz Class, Vorstandssprecher des Nabu Römerstein, und erklärte, dass die Vögel teilweise auch immer wieder in gesunde Bäume picken würden, damit der Stamm an diesen Stellen anfault.
Doch viel Zeit blieb nicht, sich näher mit dem Thema „Specht“ zu befassen – obwohl die später immer wieder zu sehenden Totholzstämme das Gebiet als guten Lebensraum für die Vögel mit den langen, harten Schnäbeln erkennbar machten. Die vielen üppig blühenden Weißdornsträucher ließen die Frage aufkommen, wie man eingrifflige von zweigriffligen unterscheidet. „Man erkennt es am Stempel der Blüte“, erklärte Weber. Dieser weist, wie der Name schon sagt, einen oder zwei Griffel auf.
Klappernde Töpfe und Armer-Leute-Spargel
Im nächsten Moment zog die Ährige Teufelskralle den Blick der Wanderer auf sich. Sie wächst hier ebenso üppig, wie der Wiesensalbei und der Wiesen-Bocksbart – allesamt Pflanzen, die man essen kann. So wird letzterer, wie einer der Teilnehmer berichtete, auch Armer-Leute-Spargel genannt. Der Stängel schmeckt süßlich und ist am besten zu genießen, solange er noch blüht.
Für eine farbenreiche Blütenpracht sorgten auch der gelbblühende zottige Klappertopf – wenn die trockenen Samenkapseln der Pflanze in Bewegung geraten, ist das Klappern der Samen zu hören –, das weiße Acker-Hornkraut, der lilafarbene Storchschnabel, die rosafarbene Rote Lichtnelke und der weiße, hohe Wiesenkerbel. Kurze Zeit später wurden mit Begeisterung zudem die kleinen Blüten des Feldsalats, die noch in Knospen versteckten Flockenblumen und Johanniskraut entdeckt.
Davor allerdings stand die Baumbestimmung im Vordergrund. Auf dem ersten Stück Wall, vom Parkplatz aus gleich links, kommt man durch ein kleines Baumparadies: Wildkirschen, Hainbuchen, Bergahorne, Rosskastanien, Ebereschen und Lärchen zieren den Weg. Dazwischen Heckenkirschen und Holunder. „Die Alb ist kein typischer Standort für Lärchen“, so Weber, der die alten und jungen Zapfen des Nadelbaums zeigte, aber auch auf die reichhaltigen Bergahorn-Blütenstände hinwies.
Großer Feldahorn und Douglasienduft
„Das ist etwas ganz Besonderes“, sagte Weber, kurz bevor der Wall sich durch die Wiesen- und Feldlandschaft fortsetzt. Der Blick der Gruppe fiel auf die beiden dicken Feldahorn-Bäume. Laut dem Wanderführer sieht man sie selten in so einer Größe. Mit ihren kleineren, runderen Blättern lassen sie sich leicht von Berg- und Spitzahorn unterscheiden.
Ob hier oder im Wald – auch die Rinde wurde zur Bestimmung herangezogen. Wenn man sich nicht sicher ist, könnte manchmal auch die Nase helfen, berichtete ein Teilnehmer. Einen Beweis lieferten die Nadeln der Douglasie: Sie verströmen einen zitronig-orangigen Duft. Und da kaum jemand alles weiß, wird auch unter Naturfreunden mal eine Bestimmungs-App auf dem Handy eingesetzt.
„Der trockene Wald braucht neue Bäume“, erklärte Bernd Weber im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Als eine wichtige Art nannte er unter anderem die Traubeneiche, hob aber auch die notwendige Diversität hervor. „Wenn man Vielfalt im Wald hat, wird es die richtige Baumart schaffen.“ Dass es andernorts, etwa in Nordamerika, mehr Arten gebe, erklärte der Naturkenner damit, dass die Alpen in der Eiszeit als Barriere fungierten und damit die Ausbreitung von Baumarten verhinderten.
Der Gesang der Vögel
In den dichten Baumkronen waren die meisten Vögel zwar nicht zu erkennen, aber ihr Gesang war deutlich zu vernehmen. Mit Fritz Class hatte die Gruppe einen echten Vogelstimmen-Experten mit dabei: Neben Amseln und Singdrosseln konnten so unter anderem auch die Feldlerche, der Buchfink und die Mönchsgrasmücke ausgemacht werden. Letztere ist laut Class eine der wenigen Arten, die in den vergangenen Jahren wieder zugenommen hat.
Vorbei an Waldmeister, Frühlings-Platterbsen, Kletterlabkraut und Türkenbundlilien führte der Weg im Wald wieder auf den Wall. Hier zeigte sich eine ganz andere Fauna: Unter den großen Bäumen bildeten die kleinen einen regelrechten Baumrasen – Naturverjüngung vom Feinsten, wenn man so will. Zwei gut 100 Jahre alte Mammutbäume waren am Eingang einer ehemaligen Baumschule zu erkennen. Viel älter hingegen die Wegführung, die an einer Stelle noch deutlich auf das Zangentor aus der Keltenzeit hinweist. „Unberührt und unverändert“ bezeichnete Weber den Pfad und seine Gabelungen. „Das hat mehr als 2000 Jahre überdauert.“
Ein kurzer Abstecher zum Lauereckfels, sorgte nicht nur für einen wunderbaren Ausblick, sondern ließ die Naturfreunde noch einmal ganz andere Pflanzen entdecken: Gelbe Hornklee-Teppiche, nickendes Leinkraut und Sonnenröschen sorgten für Begeisterung.
Während der Wanderung berichtete Weber auch von den Funden, die im Bereich des Heidengrabens gemacht wurden: etwa die Weinamphoren, die Rückschlüsse auf die Handelswege gaben. „Dort auf der höchsten Stelle stand mal ein Turm“, sagte er auf dem Rückweg und zeigte über die Felder hinweg in Richtung Waldrand. Mit etwas Fantasie konnte man inmitten des Grillenzierpens und des Vogelgesangs also sogar auf eine Zeitreise gehen.
Naturführung bei Zainingen
Die nächste Naturführung des Nabu Römerstein ist für Sonntag, 7. Juni, geplant. Wanderführer ist an diesem Tag der Vogelexperte Uwe Bayer. Treffpunkt ist um 8 Uhr an der Zaininger Hüle.





















