Insektenfreundliche Gärten
: Kurioses und Nützliches für kleine Gartenhelfer

Hotels in Wichtelform und Schlafröhren für Ohrwürmer: Im Internet finden sich allerlei Unterschlupfmöglichkeiten für Insekten. Was dahintersteckt und wie sie am besten eingesetzt werden.
Von
Karolin Müller
Region
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Ohrenwurm, Ohrenkneifer. Die kleinen Insekten fühlen sich auch an Grashalmen wohl. Sie sind zwar Fluginsekten, können aber auch sehr gut klettern.

Ohrwürmer, von vielen auch „Ohrenkneifer“ genannt, sind eigentlich Fluginsekten. Diese Fähigkeit nutzen sie aber nur selten. Sie halten sich gerne in Bodennähe auf und können auch gut klettern, etwa an Grashalmen.

Karolin Müller
  • Insekten sind für Bestäubung, Nährstoffkreislauf und Schädlingsregulation zentral.
  • Insektenhotels boomen, doch falsches Füllmaterial kann schaden statt nutzen.
  • Ohrwürmer fressen Blattläuse und andere Kleinschädlinge – sie sind für Menschen harmlos.
  • Schlafröhren, Tonhütchen oder Wichtel-Hotels locken Ohrwürmer gezielt an befallene Pflanzen.
  • Einfacher Eigenbau: Tontopf mit Holzwolle, kopfüber schattig und windgeschützt am Stamm aufhängen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sie sind zwar klein, aber sie sind für fast alle Ökosysteme von immens großer Bedeutung. Die Rede ist von Insekten. Dabei nehmen sie ganz unterschiedliche, wichtige Funktionen wahr. So gehören Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Wespen, Schwebfliegen und viele Käferarten zu den sogenannten Bestäuberinsekten. Durch das Sammeln von Pollen und Nektar sorgen sie für den Fortbestand etlicher Pflanzenarten und gute Ernten.

Gute Böden, weniger Schädlinge

Viele Insekten sind zudem eine wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere – Singvögel, Reptilien, Amphibien und Kleinsäuger wie Igel, Fledermäuse, Maulwürfe und Spitzmäuse. Andere erfüllen außerdem eine Verwerter-Funktion, indem sie Pflanzenreste, Kadaver oder Kot remineralisieren. Dadurch werden Nährstoffe freigesetzt und unter anderem der Boden fruchtbar gemacht.

Eine weitere wichtige Funktion von Insekten ist die Regulation, das heißt, sogenannte Nützlinge sorgen dafür, dass für die Land- und Forstwirtschaft schädliche Insekten nicht überhandnehmen. Die kleinen Tiere mit den sechs Beinen – ob fliegend oder krabbelnd – sind also in vielen Bereichen auch für die Menschen von unschätzbarem Wert. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkt und der eine oder andere sich vor ihnen ekelt oder Angst vor eventuellen Stichen und Bissen hat.

Mit dem Bekanntwerden des Insektensterbens, also dem enormen Rückgang von Arten und Individuen vor mehreren Jahren, wurde auch an Ideen gefeilt, wie jeder Einzelne einen Beitrag zum Schutz leisten kann. Hierzu zählen auch die Insektenhotels. Es gibt sie vielerorts zu kaufen, und im Internet finden sich zudem etliche Anleitungen zum Selberbauen. Allerdings erfüllen nicht alle davon ihren eigentlichen Zweck. Einige bewirken sogar das Gegenteil, etwa wenn das falsche Füllmaterial verwendet wird.

Ein Ohrwurm oder Ohrenkneifer und eine weißrandige Erdwanze. Insekten erfüllen wichtige Funktionen im Ökosystem und können auch Gartenbesitzern von großem Nutzen sein. Ohrenwürmer essen beispielsweise gerne Blattläuse.

Ein Ohrwurm oder „Ohrenkneifer“ und eine weißrandige Erdwanze. Insekten erfüllen wichtige Funktionen im Ökosystem und können auch Gartenbesitzern von großem Nutzen sein. Ohrwürmer essen beispielsweise gerne Blattläuse. Die Erdwanzen hingegen können, wenn sie überhand nehmen, Schäden anrichten, da sie sich von Pflanzensäften ernähren.

Karolin Müller

Insektenhotels und Häuser für Bienen und Hummeln sind jedenfalls nichts Ungewöhnliches mehr. Wer sie also im Laden sieht oder als Anzeige im Internet präsentiert bekommt, dem kommt allenfalls das ernstzunehmende Insektensterben wieder in den Sinn. Bei „Schlafröhren für Ohrwürmer“ könnte der eine oder andere aber vielleicht doch kurz stutzen. Vielleicht auch, weil Ohrwürmer, die gerne als „Ohrenkneifer“ bezeichnet werden, nach wie vor bei vielen Furcht und Abneigung hervorrufen.

Röhren, Hütchen und Wichtel

Bei den Schlafröhren handelt es sich um etwa zehn Zentimeter lange Röhren aus Holzbeton mit einem Durchmesser von zirka 60 Millimetern. Begibt man sich dann im Internet weiter auf die Suche nach Quartieren für Ohrwürmer, so stößt man auch auf bunte Tonhütchen, gepunktete Tontulpen und kleine handgefertigte Wichtel. Letztere gibt es sogar mit verschiedenfarbigen Wichtelmützen. Kurios? Verrückt? Ja, dem einen oder anderen werden diese Begriffe wohl in den Kopf kommen.

Bis zu 100 Ohrwürmer sollen in so einem Hotel Platz haben und dort als nachtaktive Tierchen den Tag verbringen können. Gezielt an den Pflanzen angebracht, die von Blattläusen befallen sind, können die Sechsfüßler des Nachts ihrer Aufgabe als Nützlinge nachgehen. Denn Blattläuse stehen auf ihrem Speiseplan ganz weit oben. Auch Spinnmilben und andere kleine Insekten werden gerne vertilgt. Wichtel, Hütchen und Schlafröhren sollen dabei helfen, dass sich die Ohrwürmer genau an den befallenen Nutz- und Zierpflanzen ansiedeln und leicht an ihre Beute kommen.

Screenshot einer Suche nach Ohrwurmhotels

Screenshot einer Suche nach Ohrwurmhotels

Karolin Müller

Ohrwurmhaus selber bauen

Gleichzeitig tut man natürlich auch den Ohrwürmern selbst etwas Gutes. Ein Ohrwurmunterschlupf lässt sich aber auch ganz einfach und schnell selbst bauen. Alles, was man benötigt, ist ein kleiner Tonblumentopf mit Loch, ein Stöckchen, eine Schnur und Füllmaterial wie Holzwolle oder Stroh. Das kleine Holzstück kommt in den Topf, daran befestigt man die Schnur und zieht diese als Aufhänger durch das Loch. Anschließend stopft man das Füllmaterial in den Topf und hängt diesen kopfüber an die gewünschte Stelle. Damit das Material nicht herausfällt oder von Vögeln geklaut wird, kann man ein Zwiebelnetz über den Topf stülpen oder ein kleines Gitter anbringen. Wer es gerne bunt hat, kann den Topf natürlich auch nach Herzenslust bemalen.

Ob gekauft oder nicht, und ob Haus, Hotel oder Schlafröhre, angebracht werden sollte die Unterkunft möglichst direkt am Stamm. Zudem empfiehlt sich ein eher schattiges, windgeschütztes Plätzchen, das zudem etwas Schutz vor Regen bietet – das Füllmaterial sollte nicht nass werden, da sich sonst leicht Schimmel bildet. Die direkte Nähe etwa zu Bienenhotels sollte vermieden werden. Als Allesfresser holen sich Ohrwürmer ihre Nahrung sonst nämlich auch dort.

Wer seinen Garten insektenfreundlich und naturnah gestaltet, der kann sicherlich auch ohne Hilfsmittel von den verschiedensten nützlichen Sechsfüßlern profitieren. So leben Ohrenwürmer beispielsweise gerne unter Steinen, in Rinden, Laub- und Reisighaufen, hohlen Pflanzenstengeln sowie Mauerspalten.

Legenden und Wissenswertes über Ohrwürmer

Ein Mythos, der auch heute gerne noch erzählt wird, besagt, dass „Ohrenkneifer“ gerne in die Ohren der Menschen kriechen, um dort mit ihren Zangen zu kneifen oder gar ihre Eier in den Gehörgängen abzulegen. Das stimmt natürlich nicht. Die kleinen Ohrwürmer sind für Menschen völlig ungefährlich. Ihre Zangen, die sie skorpionsartig aufstellen können, benutzen sie zur Verteidigung vor Fressfeinden und bei Konkurrenzkämpfen. Ebenso werden sie bei der Paarung und dem Entfalten der Flügel eingesetzt. Je nach Beute setzen Ohrwürmer ihre Zangen zudem bei der Jagd auf andere Insekten ein. An ihnen kann man auch das Geschlecht unterscheiden: Die Zangen der Weibchen sind kürzer, weniger gebogen und weisen keine sogenannten Zähne auf.

Ihren Namen haben diese Insekten nicht etwa von der Legende über ihre nächtlichen Aktivitäten in menschlichen Ohren, sondern von ihrem medizinischen Einsatz im Mittelalter: Getrocknet und zu Pulver zermalen wurden sie gegen Ohrleiden eingesetzt.

Ohrwurm ist übrigens nicht gleich Ohrwurm. Von ihnen gibt es mehr als 2000 Arten weltweit, die in der Naturwissenschaft in elf Familien unterteilt werden. Darunter auch die Familie der „Eigentlichen Ohrwürmer“. In diese Kategorie fällt auch der Gemeine Ohrwurm – er kommt hierzulande am häufigsten vor. Neben tierischer Kost stehen auch Blätter, Blüten und Früchte auf ihrem Speiseplan.