Werk schließt zum 30. Juni
: Sozialplan für Beschäftigte von Ceratizit ist abgeschlossen

Das Empfinger Werk des Spezialisten für Zerspanungswerkzeuge und Hartstofflösungen wird geschlossen. Nun gibt es für die 230 Beschäftigten doch noch einen Sozialplan.
Von
NC
Empfingen
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Ceratizit Empfingen Kundgebung

Mehrmals wurde in den vergangenen Monaten vor dem Werk von Ceratizit in Empfingen protestiert.

Mira Bültel

Mitte September hatte die IG Metall Freudenstadt noch mitgeteilt, dass die Verhandlungen zwischen dem Betriebsrat in Empfingen und der Geschäftsführung der Firma Ceratizit über einen Sozialplan gescheitert sind. Daraufhin hatte es Proteste vor dem Werk in Empfingen gegeben, das zum 30. Juni geschlossen werden soll.

Nun die Rolle rückwärts: „Nach intensiven Verhandlungen zwischen Betriebsrat, IG Metall und der Geschäftsführung von Ceratizit ist eine Einigung erzielt worden: Für die rund 230 Beschäftigten des Standorts Empfingen wurde ein Sozialplan abgeschlossen. Ergänzt wird dieser durch einen Tarifvertrag, der hilft, soziale Härten abzufedern“, heißt es in einer Mitteilung der IG Metall vom Freitag (14. November).

Demnach bekommen alle Beschäftigten eine Abfindung. Ein weiteres Ergebnis des Sozialplans sind Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung sowie die Unterstützung bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen über eine Transfergesellschaft. Ebenso wurden laut der Mitteilung Härtefallregelungen vereinbart. Sprich: Zusätzliche finanzielle Hilfen für Familien mit Kindern, Alleinerziehende, Schwerbehinderte und für Paare, die beide bei Ceratizit angestellt und damit besonders betroffen sind.

„Standen kurz vor einem Arbeitskampf“

„Unser Ziel war es, diesen wirtschaftlich gesunden Standort zu erhalten – dafür haben wir gemeinsam mit Betriebsrat und Belegschaft sieben Monate lang gekämpft. Doch da der Vorstand der Ceratizit-Gruppe keinerlei Entgegenkommen zeigte, musste die Einigungsstelle über einen Sozialplan entscheiden“, wird Georg Faigle, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Freudenstadt, in der Mitteilung zitiert.

Faigle weiter: „Ohne die vielfältigen Aktionen der Beschäftigten wäre der nun erreichte Kompromiss nicht möglich gewesen. Wir standen kurz vor einem Arbeitskampf, bevor der Konzernvorstand schließlich einlenkte und ein tragfähiger Kompromiss erzielt werden konnte.“ Eine Online-Petition hatte eine breite Solidarität mobilisiert. Die IG Metall verweist auch darauf, dass Bürgermeister Ferdinand Truffner die Belegschaft unterstützte.

Doch bei aller Freude über den Sozialplan: „Kein Sozialplan kann die verlorenen Arbeitsplätze ersetzen“, sagt Faigle. „Mit ihnen gehen auch wichtige Ausbildungsplätze verloren – ein herber Verlust für die gesamte Region.“

Das Unternehmen

Ceratizit S.A. beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 7000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an mehr als 30 Produktionsstandorten weltweit. Im Frühjahr hatte das Unternehmen mit Hauptsitz in Mamer (Luxemburg) bekanntgegeben, die Standorte in Empfingen und Besigheim zu schließen. Die Schließungen seien Teil der strategischen Neuausrichtung des Produktionsnetzwerkes und auch bedingt durch die hohe Abhängigkeit vom Automotive-Geschäft, hieß es damals. Die Ceratizit-Gruppe, die seit 2021 zu 100 Prozent zum Plansee-Konzern aus Reutte (Österreich) gehört, ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer in vielen Anwendungsbereichen und entwickelt neue Hartmetall-, Cermet- und Keramiksorten, zum Beispiel zur Bearbeitung von Holz und Gestein. Die Ceratizit Empfingen GmbH erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2021/22 bei einem Umsatz von rund 54,24 Millionen Euro einen Gewinn von 2,86 Millionen Euro. Neuere Zahlen liegen im Bundesanzeiger nicht vor. Die Plansee-Gruppe, die weltweit 10.890 Angestellte hat, verzeichnete im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 2,25 Milliarden Euro.