Protest in Empfingen: Sozialplan-Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Ceratizit gescheitert

Erneut kam es vor dem Werk in Empfingen zu Protesten.
IG Metall- Sozialplan-Verhandlungen zwischen Ceratizit und Betriebsrat in Empfingen gescheitert.
- Einigungsstelle soll nun eine verbindliche Entscheidung herbeiführen.
- Werksschließung in Empfingen für 2026 geplant – erneute Proteste der Beschäftigten.
- IG Metall kritisiert Vorstand: Versprechen auf faire Lösungen nicht eingehalten.
- Einigungsstelle: Gremium mit neutralem Vorsitz klärt Konflikte zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Verhandlungen zwischen dem Betriebsrat in Empfingen und der Geschäftsführung der Firma Ceratizit über einen Sozialplan sind gescheitert. Dies teilt die IG Metall Freudenstadt mit. Nun wird eine Einigungsstelle eingerichtet, um eine Entscheidung herbeizuführen. Die Beschäftigten zeigen sich enttäuscht und verärgert, teilt die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung mit. Erneut kam es am vergangenen Freitag zu Protesten vor dem Werk in Empfingen.
„Nach dem Besuch von mehr als 100 Beschäftigten bei der Konzernzentrale im österreichischen Reutte hatte der Vorstand noch zugesichert, gute und faire Lösungen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden“, sagt Georg Faigle, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Freudenstadt. Dieses Versprechen war bisher nichts wert, so Faigle.
Vorstand hält sein Wort nicht
Statt einer fairen Lösung habe die Geschäftsführung versucht, die Beschäftigten mit einem unzureichenden Angebot abzuspeisen. Da der Betriebsrat das bisherige Angebot nicht akzeptieren konnte, geht es jetzt in die Einigungsstelle. „Es ist bedauerlich, dass Ceratizit diesen Schritt geht. Die Entscheidung, eine Einigungsstelle anzurufen, zeigt deutlich, dass der Vorstand immer noch nicht bereit ist, sein gegebenes Wort einzuhalten“, so Faigle weiter.
Was genau macht die Einigungsstelle? Eine Einigungsstelle ist ein gesetzlich vorgesehenes Schlichtungsgremium im deutschen Arbeitsrecht, das dann zum Einsatz kommt, wenn sich Arbeitgeber und Betriebsrat in bestimmten Fragen nicht einigen können – zum Beispiel bei einem Sozialplan im Rahmen von Betriebsänderungen, erklärt die IG Metall. Die Einigungsstelle besteht aus einem neutralen Vorsitzenden (meist ein Arbeitsrichter) und einer gleichen Anzahl von Beisitzern auf Seiten des Arbeitgebers und des Betriebsrats. Ziel ist es, eine verbindliche Entscheidung zu treffen, wenn Verhandlungen gescheitert sind.
Vorstellungen liegen zu weit auseinander
Zum 30. Juni 2026 soll der Standort Empfingen geschlossen werden. Dies hat der Arbeitgeber endgültig beschlossen, berichtet Faigle gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Jetzt geht es darum, einen Sozialplan zu vereinbaren, sprich Abfindungen und Transfergesellschaft. Letzteres ist eine Möglichkeit für die Beschäftigten, dass sie, gefördert durch die Agentur für Arbeit, Unterstützung erhalten und nicht direkt arbeitslos werden und dies zumindest hinauszögern. „Man sieht sich an, was für Qualifikationen hat man, was fehlt noch, welche Möglichkeiten gibt es, möchte man selbstständig werden?“, erklärt Faigle.
Bei den Verhandlungen über den Sozialplan gehe es vor allem um die Höhe der Abfindung. „Die Vorstellungen von Betriebsrat und Konzert liegen zu weit auseinander“, berichtet Faigle. „Die Geschäftsführung ist nicht bereit, so viel zu geben, dass der Betriebsrat zufrieden ist. Der Konzern will nicht das Geld bereitstellen, was versprochen wurde. Sie haben uns einen fairen und guten Sozialplan versprochen, aber was sie anbieten, ist weit davon entfernt. Sie haben ihr Versprechen nicht eingehalten. Denn gut und fair ist etwas anderes.“
Nun werden erstmal die Beisitzer von Arbeitgeber und Betriebsrat bestimmt. Wie lange die Einigungsstelle dauert, ist offen. „Das kann monatelang dauern“, so Faigle. Doch am Ende wird es eine Entscheidung geben.
Die Stimmung im Betrieb und unter den Beschäftigten sei schlecht, berichtet der 2. Bevollmächtigte. „Zuerst wurde das Alternativkonzept abgelehnt, jetzt bekommen die Beschäftigten den zweiten Schlag ins Gesicht: Sie verlieren ihre Arbeitsplätze und sollen abgespeist werden. Viele haben jahrzehntelang für das Unternehmen gearbeitet.“
Ceratizit lehnt Alternativkonzept ab
Der Standort Empfingen soll 2026 geschlossen werden. 230 Arbeitsplätze sind davon betroffen. Bereits Ende Juni protestierten Beschäftigte, Unterstützer und Vertreter von anderen Firmen für den Erhalt des Werks. Im Juli teilte die IG Metall mit, dass Verhandlungen mit der Ceratizit-Geschäftsführung gescheitert sind und das Werk schließen muss. Ende Juli demonstrierten mehr als 100 Mitarbeitende vor der Konzernzentrale in Österreich gegen die geplante Werksschließung und überreichten eine Petition mit mehr als 2000 Unterschriften. Immer wieder betonte die IG Metall, dass der Konzern in Empfingen schwarze Zahlen schreibe und wirtschaftlich erfolgreich sei. Ein Alternativkonzept von IG Metall und Betriebsrat lehnte die Geschäftsführung jedoch ab.
Der Werkzeughersteller Ceratizit begründet die Schließung mit schwacher Auftragslage im Automotive-Bereich, hohem Kostendruck und einer international schwierigen Wettbewerbssituation. Der Standort Besigheim soll ebenfalls geschlossen werden. Die Produktion soll nach Luxemburg verlagert werden, wo die Firma ihren Sitz hat.
Heckler & Koch kommt nicht nach Empfingen
Kurz nachdem der Konzern Ceratizit verkündet hat, den Standort Empfingen schließen zu wollen, kamen in der Gemeinde Gerüchte auf, laut denen der Waffenhersteller aus Oberndorf, Heckler & Koch, Interesse an dem Gebäude an der Robert-Koch-Straße bekundet hätte. Nun hat sich nach einer erneuten Anfrage ein Sprecher des Oberndorfer Unternehmens bei der SÜDWEST PRESSE gemeldet. „Es ist nichts in Planung“, sagt er. Die Firma habe ebenfalls bereits von den Gerüchten gehört, dementiert diese jedoch. Heckler & Koch habe kein Interesse am Standort Empfingen.

