Standort Empfingen schließt
: Verhandlungen zwischen IG Metall, Betriebsrat und Ceratizit gescheitert

In einer gemeinsamen Erklärung berichten IG Metall Freudenstadt und der Betriebsrat über das gescheiterte Fortführungskonzept zum Erhalt der Firma und wie es nun weitergeht.
Von
Mira Bültel
Empfingen
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Ceratizit Empfingen Wirtschaft Unternehmen 2025

Noch wehen die Fahnen vor dem Ceratizit-Werk in Empfingen.

Mira Bültel (Archiv)
  • Verhandlungen zur Rettung des Ceratizit-Standorts Empfingen endgültig gescheitert.
  • 230 Arbeitsplätze betroffen – Werk soll bis 2026 schließen, trotz wirtschaftlicher Tragfähigkeit.
  • IG Metall und Betriebsrat kritisieren „strategisch motivierte“ Entscheidung des Unternehmens.
  • Arbeitgeber legt Sozialplan vor – Gewerkschaft fordert fairen Ausgleich für Beschäftigte.
  • Produktion wird nach Luxemburg und Italien verlagert, Standort Besigheim ebenfalls betroffen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Mit großem Bedauern müssen wir mitteilen, dass die Verhandlungen zwischen der IG Metall, dem Betriebsrat mit der Geschäftsführung der Ceratizit zur Rettung des Standorts Empfingen endgültig gescheitert sind“, teilt die IG Metall Freudenstadt in einer Pressemitteilung mit. „Trotz monatelanger Gespräche, kreativer Lösungsvorschläge und unserem unermüdlichen Einsatz konnte keine Einigung erzielt werden, die den Fortbestand des Werks gesichert hätte.“ Das Unternehmen kündigte im März an, das Werk bis 2026 schließen zu wollen, 230 Arbeitsplätze sind betroffen. Seitdem kämpfen IG Metall, Betriebsrat und die Beschäftigten für die Erhaltung des Standorts, zuletzt mit einer Onlinepetition und einer Kundgebung Ende Juni. Auch die Politiker Klaus Mack (CDU) und Saskia Esken (SPD) sprachen ihnen ihre Solidarität aus.

„Dass die Unternehmensleitung trotz aller Argumente und tragfähiger Alternativen an der Schließung festhält, ist für uns nicht nachvollziehbar“, so Georg Faigle, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Freudenstadt, in der Pressemitteilung. Immer wieder betonte er auch im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE, dass das Werk in Empfingen schwarze Zahlen schreibe und ein gesundes Unternehmen sei. „Der Standort ist wirtschaftlich tragfähig – die Entscheidung ist rein strategisch motiviert und lässt die soziale Verantwortung gegenüber den Menschen vor Ort vermissen.“

Alternativkonzept ist nicht genug

IG Metall und Betriebsrat legten der Geschäftsführung ein Alternativkonzept vor, „welches durch einen maßvollen Personalabbau, Beschäftigtenbeiträge sowie weitere Maßnahmen eine zweistellige Umsatzrendite in Empfingen ermöglicht hätte“, hießt es ebenfalls in der Mitteilung. Dies sei jedoch dem Vorstand der Ceratizit und der Industriellenfamilie Schwarzkopf, eine der reichsten Familien Österreichs, nicht genug. „Nun wird der Standort der ‚Renditegier‘ der Eigentümerfamilie geopfert. Diese Entscheidung trifft uns alle tief. Sie bedeutet nicht nur das Ende eines erfolgreichen Standorts, sondern auch den Verlust von 230 Arbeitsplätzen – und damit die Existenzgrundlage vieler Familien“, kritisiert die IG Metall.

Weiter: „Dies wiegt umso schwerer, da die Beschäftigten über Jahrzehnte hinweg mit Herzblut, Fachwissen und Loyalität zum Erfolg der Ceratizit beigetragen haben. Unser Dank gilt den vielen Menschen in Empfingen und darüber hinaus, die sich mit den Beschäftigten solidarisiert haben – insbesondere den Teilnehmern der Kundgebung in Empfingen: Betriebsräte, Vertrauensleute der IG Metall, Bürgermeister Ferdinand Truffner sowie den rund 2000 Unterstützern der Onlinepetition. Die Welle der Solidarität hat gezeigt, dass es den Menschen nicht egal ist, was in Empfingen bei der Ceratizit passiert.“

Ceratizit IG Metall Empfingen

Der Betriebsrat von Ceratizit und Georg Faigle, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Freudenstadt (in der zweiten Reihe Dritter von links).

IG Metall

Jetzt habe der Arbeitgeber dem Betriebsrat einen Vorschlag über einen Interessenausgleich und Sozialplan vorgestellt. Dieses Angebot des Arbeitgebers lasse eine mangelnde Wertschätzung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erkennen – sowohl seitens des Vorstands als auch der Familie Schwarzkopf.

Denn, wie die IG Metall erklärt: „Das vorgelegte Angebot liegt weit unter dem Niveau der bislang abgeschlossenen Sozialpläne, die stets auf den Erhalt des Standortes ausgerichtet waren. Da dieses Ziel nun nicht mehr vom Vorstand verfolgt wird, fehlt dem aktuellen Angebot eine zentrale Grundlage. Wir fordern deshalb die Ceratizit auf, nun wenigstens im Rahmen eines Sozialplans ihrer Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern gerecht zu werden.“ Der Betriebsrat und die IG Metall wollen sich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass die Beschäftigten einen fairen und gerechten Ausgleich für den Verlust ihres Arbeitsplatzes erhalten.

Verlagerung der Produktion

Der Werkzeughersteller Ceratizit führte bei der Verkündung der Schließungspläne im März die schwache Auftragslage im Automotive-Bereich, hoher Kostendruck und die international schwierige Wettbewerbssituation als Gründe an. Auch der Standort Besigheim soll geschlossen werden. Die Firma hat ihren Sitz in Luxemburg, dorthin und nach Italien soll die Produktion verlagert werden. Ceratizit möchte laut eigener Aussage zukünftig mithilfe der Verlagerung von Fertigungskapazitäten an andere europäische Standorte sein internationales Produktionsnetzwerk neu ausrichten und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken.