Sulz · Vereine: Lesestoff für viele Monate

Rund 7000 Stunden Arbeit hat Theo Dittmann in die Vereins-Chronik über den 100 Jahre alten VfR Sulz investiert.
Cristina PriottoExakt 4235 Gramm bringen die beiden Bände der frischgedruckten Vereins-Chronik des VfR Sulz auf die Waage. Verfasser Theo Dittmann wollte die insgesamt 910 Seiten dicken Bücher eigentlich beim Jubiläums-Festakt am 28. März im Beisein der Sponsoren und Ehrenmitglieder der Öffentlichkeit präsentieren. Doch wegen der Corona-Pandemie gab’s am gestrigen Freitag nur einen kurzen Pressetermin im Freien im kleinen Kreis mit viel Sicherheitsabstand.
Gut 7000 Stunden Arbeit, verteilt auf viereinhalb Jahre, stecken in dem Mammut-Werk. „Der Druck ist hervorragend geworden“, stellte Dittmann begeistert fest. Eigentlich könnte der 70-Jährige jetzt, wo die Bände fertig sind und außer Zuhausebleiben und Lesen nicht viele Aktivitäten möglich sind, entspannt das Ergebnis dieser im regionalen Vereinsleben einmaligen Fleißarbeit in Ruhe durchblättern. „Im Moment hab’ ich die Nase voll. Ich kann die Chronik nicht mehr sehen“, gesteht Theo Dittmann lachend.
Alle anderen können die Vereins-Chronik dafür jetzt umso genauer studieren: Das zweibändige Oeuvre wird ab 23. März in der Buchhandlung „Buchlese“ verkauft, aber nur im Doppelpack.
In einer Auflage von zunächst 500 Stück wurde die Chronik über 100 Jahre „Verein für Rasenspiele Sulz“ bei „PriMeBa“ in Sigmarswangen gedruckt. Aus 160 prallgefüllten Ordnern hat Dittmann das Wichtigste erfasst und damit drei externe Festplatten an Speicherplatz gefüllt. Der Urheber ist zurecht stolz: „Der VfR darf stolz sein, das wir so etwas zum Jubiläum anbieten“, sagte der 70-Jährige. Die Grundlagen, dass ein Jahrhundert Vereinsgeschichte überhaupt zusammengestellt werden konnte, schufen auch die Vorgänger-Generationen, die Berichte über alle Abteilungen sowie Urkunden, Bilder und Pässe der Fußballspieler sammelten, ordneten und aufbewahrten.
Namentlich erwähnte Theo Dittmann unter anderen Heinz Gönner, den langjährigen Tischtennis-Abteilungsleiter, den einstigen Jugendleiter Ulrich Wolf sowie Siegfried Schleeh, der sogar Dokumente aus den 1930er- bis 1950er-Jahren gerettet hat. So wissen heutige VfRler, dass einst ein „Sportgroschen“ eingeführt wurde. Niemand kennt die Geschichte des VfR Sulz so gut wie Dittmann: „Ich sehe mich als wandelndes Lexikon“, scherzt der Autor.
Damit von dem mühsam zusammengestellten Wissen des Chronisten möglichst viele profitieren, plant Dittmann einige Vortragsabende für die einzelnen Abteilungen, an denen auch in den Ordnern geblättert werden darf.
Das Institut für Sportgeschichte Baden-Württemberg hat bereits ebenso Interesse an Exemplaren der Vereins-Chronik als überregional interessantem Stück Heimatgeschichte angemeldet wie das Hauptarchiv in Stuttgart sowie das Sulzer Stadtarchiv und das Kreisarchiv in Rottweil.
Ziel: 300 Stück verkaufen
VfR-Vorstandssprecher Tobias Nübel schätzt, dass das Druckwerk des VfR Sulz auch bei anderen Vereinen Neugier weckt. 300 Stück möchte der Verein verkaufen. „Bei hoher Nachfrage können wir auch nachdrucken lassen“, betonte Nübel bei der Vorstellung.
Ganz fertig ist Theo Dittmann übrigens noch nicht: „Ich muss noch zwölf Ordner über die Jugend erfassen“, kündigt der 70-Jährige an. Nach (fast) getaner Arbeit wünscht sich der VfR-Chronist nicht nur viele Käufer, sondern vor allem, dass das Vereinsarchiv weitergeführt wird. „Sammeln, sammeln, sammeln - das ist das A und O“, appelliert Dittmann an alle jüngeren Mitglieder.
Der ursprünglich am 28. März geplante Festakt in der Stadthalle soll am 3. Oktober nachgeholt werden. Bis dahin können die VfR-Mitglieder sich ausgiebig auf 910 Seiten in die Historie vertiefen. Wenn beim Jubiläum alle richtig viel aus 100 Jahren Vereinsgeschichte wissen, ist dies vor allem Theo Dittmann zu verdanken.