Sulz · Jubiläum: Treffpunkt und Mittelpunkt

Das Residenz-Orchester Baden-Württemberg tritt seit 2011 in der Stadthalle mit Sven Gnass auf.
Nicht gesetztWinfried Kretschmann, Volker Kauder, Jörg Meuthen, Patrick Lindner, Stefan Mross und Bibi Blocksberg haben zumindest eine Gemeinsamkeit: Alle diese Persönlichkeiten oder Figuren aus Politik und Kultur sind bereits in der Sulzer Stadthalle im Backsteinbau aufgetreten. Heute vor zehn Jahren, am 28. Oktober 2010, wurde die Halle eingeweiht, am darauffolgenden Wochenende konnten sich die Bürger bei „Tagen der offenen Tür“ selbst ein Bild von dem neuen Veranstaltungssaal machen.
In der Präambel zur Geschäftsordnung ist die Funktion nüchtern beschrieben: „Die Stadthalle Sulz dient als öffentliche Einrichtung dem kulturellen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Leben der Stadt und wird darüber hinaus für örtliche und überörtliche Veranstaltungen vermietet.“
Erst seit zehn Jahren verfügt Sulz über eine repräsentative Veranstaltungshalle, für die keine Kompromisse durch eine Mitnutzung für Sportaktivitäten eingegangen werden müssen. Nachträglich wirft dies die Frage auf: Wie konnte Sulz zuvor ohne diesen Treffpunkt auskommen? Auf welch äußerst vielfältige Art und Weise der 654 Quadratmeter große Saal der ehemaligen Spinnerei der Buntweberei genutzt werden kann, haben bislang hunderte Veranstalter und Nutzer bewiesen.
Beim Spatenstich am 23. Juli 2009 sagte Bürgermeister Gerd Hieber: „Die Stadt Sulz braucht eine Heimat für Kultur und Vereine“. Mit der Konversion der ehemaligen Buntweberei, die zuletzt als Luftwaffen-Materialdepot der Bundeswehr diente, für rund 5,75 Millionen Euro wurde dieser langgehegte Wunsch von Verwaltung und Bürgern trotz Finanzkrise realisiert. Das Land Baden-Württemberg unterstützte das Vorhaben mit 2,77 Millionen Euro.
Den Grundsatzbeschluss, im Backsteinbau einen großen Veranstaltungsraum einzubauen, hatte der Gemeinderat bereits 2003 im Zuge des „Entwicklungskonzepts Schule-Kultur-Sport“ gefasst. Die Herausforderung für die Architekten Herwarth Lange, Walter Stiehle und Annette Stiehle war gewaltig, denn es galt, eine Textilfabrik in eine Kulturfabrik zu verwandeln. Vier Stützwände und das alte Dach wurden im ersten Stock des Backsteinbaus entfernt. Während des Winters war der Boden der heutigen Stadthalle zehn Zentimeter hoch mit Schnee bedeckt. Heute überspannen Holzfachwerkträger den Saal.
Logo von Sebastian Schmidtke
Die naheliegende Idee, eine ebenerdige Stadthalle im Erdgeschoss zu realisieren, scheiterte an den vielen Säulen, die in der „Blass-Erlebniswelt“ sichtbar sind. Durch eine Rampe und einen Aufzug ist die Stadthalle aber auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität erreichbar. Für die Bewirtung schufen die Planer in Absprache mit Stadtbaumeister Reiner Wössner und Ingenieur Martin Vochatzer einen Versorgungstrakt mit Küche und Kühlraum, der bei Veranstaltungen die Versorgung von bis zu 1400 Menschen mit Getränken und Speisen ermöglicht.
Die Tauglichkeit für alle möglichen Nutzungen haben die Räumlichkeiten seither mannigfach unter Beweis gestellt: Bundesverdienstkreuze, Staufermedaillen und Sportlerauszeichnungen wurden hier verliehen. Die ausgeklügelte Akustik sorgte bei Live-Musik von Klassik, Volksmusik, Guggenmusik und Schlager über Jazz, Reggae, Musical und Rock bis zu Pop oder Oper für begeisterte Zuhörer. Der Theaterclub und die Mehrgenerationengruppe beeindruckten mehrfach auf der Bühne. Absolventen aller weiterführenden Schulen schrieben sich dort bei Abschlussprüfungen die Finger wund. Während der Fasnet oszilliert der Raum zwischen Erleben und Erbeben. Große Gefühle spielten sich in der früheren Spinnerei ab – negative Emotionen etwa bei der Bürgerversammlung zum Thema Daimler-Prüfzentrum, positive bei Hochzeiten. Schwungvollen Bewegungen hält der Boden seit zehn Jahren bei Tanzbällen oder der SWR1-Disco stand. Selbst in Frankreich ist das Herz des Backsteinbaus ein Begriff, schließlich wurde hier schon mehrfach die Städtepartnerschaft mit Montendre gefeiert. Die KAZ-Ausbildungsmesse und die Sicherheitsmessen entdeckten die Stadthalle als idealen Veranstaltungsort, und beim Bürgerempfang an den Heimattagen 2013 war sogar Ministerpräsident Winfried Kretschmann von der modernen Location beeindruckt.
Seit Ausbruch der Corona-Pandemie beschränkt sich die Nutzung weitgehend auf Gemeinderatssitzungen: Das Gremium tagt dort seit dem Frühjahr regulär, um die Hygieneabstände einzuhalten.
Mitmach-Aktion für Leser
Das L-förmige Foyer hat Norbert Stockhus für Kunst entdeckt und etliche Bildhauer und Maler prominent präsentiert. Die 2020 geplante Doppelschau mit Werken von Ingrid Hartlieb und Bildern von Heinz Thielen fiel bisher aus.
Apropos Kunst: Das Logo mit dem Backsteinbau in Rot, von einem blauen Bogen überspannt, hatte Sebastian Schmidtke, damals Elftklässler am Albeck-Gymnasium, 2009 entworfen.
Wohl nahezu jeder Bürger und tausende Gäste verbinden mit der Stadthalle Erlebnisse. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens lädt die SÜDWEST PRESSE die Leser ein, diese mitzuteilen – persönlich, telefonisch oder per E-Mail.
Stadthalle in Zahlen:
Flächen:
Saal: 654 Quadratmeter
Bühne: 172 Quadratmeter
Foyer: 574 Quadratmeter
Küchen-/Versorgungsbereich: 120 Quadratmeter
Besucherkapazitäten:
Stehplätze: 1400 Personen
Reihenbestuhlung/Konzert:
990 Personen
Festzeltgarnituren: 756 Personen