Sulz · Ferien
: „Fernweh haben viele in sich“

Die Reisebüros in Sulz und im Glatttal müssen immer noch Stornierungen abwickeln, verzeichnen aber auch wieder kurzfristige Neubuchungen. Die privaten Urlaube beschränken die Leiterinnen auf Fahrten ins angrenzende Ausland oder kurze Flüge.
Von
Cristina Priotto
Sulz

Renate Plocher

Nicht gesetzt

Sommer, Sonne, Strand: Für viele Menschen gehört zwischen Juli und September ein Urlaub am Meer dazu. Doch die Corona-Pandemie, Reisewarnungen und Einschränkungen erschweren dieses Jahr Fahrten und Flüge in die Hauptreiseländer Spanien und Italien, und auch an deutschen Seen und Küsten herrscht drangvolle Enge. Die SÜDWEST PRESSE hat sich bei den vier Reisebüros in Sulz und im Glatttal umgehört, wie diese die sonst umsatzstärkste Zeit des Jahres aktuell erleben.

Annegret Rebholz von „Anne’s Reise-Insel“ in der Unteren Hauptstraße erzählt seufzend: „Ich bin immer noch am Stornieren und Umbuchen, es gibt nur ganz wenige Neubuchungen“. Vieles haben die Veranstalter selbst storniert, die Provisionen, die die Reisebüros üblicherweise für die Vermittlung erhalten, werden daher alle zurückgebucht. Rebholz stellt fest, dass viele Menschen seit Ausbruch der Corona-Pandemie sehr verunsichert sind. „Mit steigenden Infektionszahlen steigt auch die Verunsicherung“, beobachtet die Reisekauffrau. Für die Einreise nach Spanien einschließlich der Kanaren etwa müssen Touristen vorab ein Formular ausfüllen. Dies und Pflichttests an den Flughäfen schrecken viele Urlauber ab. Doch Flugreisen sind derzeit ohnehin kaum ein Thema: „Was gebucht wird, ist sehr wenig, und wenn, dann Deutschland oder Östrreich“, erzählt Annegret Rebholz, die durchaus Verständnis für die Zurückhaltung der Kunden hat: „Ich würde mich auch nicht in ein Flugzeug setzen“, versichert die Reisekauffrau, die den privaten Sommerurlaub dieses Jahr in Österreich verbringen wird. Die Öffnungszeiten der „Reise-Insel“ in der Unteren Hauptstraße hat die Inhaberin stark verkürzt. Verdienen kann die seit 2012 Selbstständige derzeit nichts, wie schon seit Beginn der Pandemie, was den Spaß an der Arbeit stark trübt. Da eine Angestellte in Elternzeit ist, arbeitet Rebholz aktuell allein. Dass die Lage für die Reisebranche sich bereits nächstes Jahr bessert, glaubt Annegret Rebholz nicht.

Renate Plocher, Inhaberin des „Reisecenters Plocher“, ist hingegen deutlich optimistischer: „Wir haben sehr positive Rückmeldungen aus Griechenland oder Kroatien bekommen“, berichtet die Reisebüro-Leiterin. Wer sich traue, derzeit in ein Flugzeug zu steigen, könne nach Plochers Ansicht durchaus einen schönen Urlaub verbringen. Griechenland habe die Hygienebestimmungen von Anfang an sehr gut umgesetzt, weshalb Familie Plocher dort auch privat den Sommerurlaub verbringen wird. „Für mich gibt es keinen ersichtlichen Grund, warum ich dichtgedrängt an deutschen Stränden verweilen sollte, wenn ich in Griechenland den halben Strand für mich habe“, argumentiert Renate Plocher. Die Hotels hätten sehr gute Hygienekonzepte ausgearbeitet. „Wenn man sich an die Regeln hält und keinen Partyurlaub haben möchte, hat man viele positive Nebeneffekte“, ist Plocher überzeugt. Bei der Auswahl von Unterkünften achtet das dreiköpfige Team des 1997 eröffneten „Reisecenters Plocher“ auf großzügige Außen-, Pool- und Essbereiche. Wegen des nahezu Komplettausfalls der Oster- und Pfingstreisen musste Renate Plocher für die Mitarbeiterinnen Kurzarbeit anmelden, und aktuell ist das Büro nur reduziert geöffnet. „Die Leute, die in Urlaub gehen, freuen sich, dass es nirgends voll ist“, weiß die Reisekauffrau von Rückmeldungen zufriedener Reisender.

Gleichwohl hat auch das Reisebüro am Marktplatz nach wie vor mit Rückabwicklungen zu tun, Fern- und Hochzeitsreisen werden ebenfalls noch nicht wieder gebucht. „Es ist noch lange nicht vorbei, aber wenigstens kamen seit Juli wieder Neubuchungen dazu, allerdings viele sehr kurzfristig, denn das Fernweh haben viele in sich“, berichtet Plocher über eine Kehrtwende auf kleinem Niveau.

Maria Jooß von „Glatttal-Reisen“ aus Bettenhausen sagt hingegen: „Wir machen momentan gar nichts, es ist ganz mau“. Das auf Busreisen spezialisierte Unternehmen hatte Anfang März die letzte Skitour im Programm, seither gab es nach monatelangem Stillstand nur eine Handvoll Mehrtagesfahrten. Die Hauptklientel von „Glatttal-Reisen“ sind Vereine, Feuerwehren, Senoiren und Schülerfahrten, doch vereinsmäßig läuft dieses Jahr fast gar nichts. Ob Jooß, die das Büro allein umtreibt, im Winter womöglich wieder Skitouren anbieten kann, muss abgewartet werden. Zumindest für den Herbst zeichnen sich aber ein paar Ausflüge ab. „Die Leute sind aber noch sehr vorsichtig. Viele verschieben geplante Reisen auf 2021, weil es ihnen aktuell zu riskant ist“, stellt die Reisekauffrau fest.

Rose Birk von „Roses Extratouren“ aus Leinstetten könnte zwar mittlerweile wieder Busreisen anbieten, doch da Erfahrungen in der Handhabung von Busreisen, bei denen Maskenpflicht besteht, weitgehend fehlen, hat Birk sich entschlossen, vorerst den größeren Teil der Busreisen ins Ausland bis Ende August aus dem Programm zu nehmen. Für gebuchte Reisen zwischen August und September gewährt „Roses Extratouren“ eine Gratis-Stornierung bis drei Wochen vor der Abreise.