Sulz · Corona
: Großer Ansturm bleibt noch aus

14 Einzelhändler in Sulz haben seit Montag wieder geöffnet. Viel los war aber nicht, und alle klagen über Umsatzeinbußen. Die Geschäfte setzen die Vorgaben kreativ um. Die Maskenpflicht verleitet manche Sulzer offenbar zum Einkauf auswärts.
Von
Cristina Priotto
Sulz

Bei Deichmann ist maximal 21 Personen gleichzeitig der Zugang zum Laden erlaubt. Am Eingang muss daher jeder Kunde einen Chip nehmen. Sind keine mehr übrig, ist Warten angesagt.

Nicht gesetzt

Ziemlich genau einen Monat ist es her, dass wegen der Corona-Verordnung der Landesregierung auch die meisten Einzelhandelsgeschäfte in Sulz schließen mussten. Der erste Öffnungstag am gestrigen Montag bescherte den 14 betroffenen Läden in der Neckarstadt allerdings wenig Ansturm, wie die SÜDWEST PRESSE bei einem Rundgang feststellte.

Beginnend auf der Breite bei KiK sticht gleich ein Hinweisschild ins Auge, das Kunden ohne Mundschutz den Einlass verwehrt. Die wenigen Kunden befolgen die Abstandshinweise und nutzen das Desinfektionsmittel am Eingang. „Die Angestellten haben während der ersten zwei Wochen die Ware eingeräumt, danach war Großputz angesagt“, berichtet eine Verkäuferin.

Ware einräumen und Putzen standen auch nebenan bei Quick-Schuh an. „Ein Teil des Frühlingsgeschäfts fehlt unwiderbringlich. Wir hoffen, dass jetzt mehr Leute kommen“, teilt eine Mitarbeiterin mit. Groß war der Ansturm am ersten Tag jedoch nicht.

Friedrich Häffner vom Schuhhaus Häffner bestätigt diesen Eindruck: „Die Leute sind sehr verängstigt und kaufen nur das Nötigste“, stellt der Inhaber fest. In der Innenstadt sei kaum jemand unterwegs. „Die Maskenpflicht fördert das Geschäft nicht“, meint der Schuhhändler zu der seit vier Tagen gültigen Mund-Nasen-Bedeckungspflicht in Sulz.

Auf dem Marktplatz hat Haushaltswaren Stiehle die Kunden während der einmonatigen Schließung durch Facebook-Posts bei Laune zu halten versucht. „Zum Bummeln kommt keiner, die Leute kaufen gezielt“, berichtet Verkäuferin Silvia Kocka. Viele fragten zunächst telefonisch nach einem bestimmten Produkt und holten dieses dann im Laden ab.

Gegenüber bei Sport Stiehle boomt seit der Wiedereröffnung vor allem der Verkauf von Tüchern zur Gesichtsabdeckung. Zudem sei Kleidung zum Radfahren jetzt stark gefragt, berichtet Inhaber Eberhard Stiehle. Der Umsatz eines kompletten Monats fehlt jedoch. „Ich sehe es ein, aber die Masken halten manche vom Einkauf in Sulz ab“, weiß Stiehle.

Obwohl Werner Caspar sein Lederwarengeschäft Caspar in der Unteren Hauptstraße öffnen dürfte, sieht der Inhaber davon ab. „Jetzt kommt doch sowieso keiner, und wer braucht schon einen Koffer, wenn man nicht verreisen kann?“, fragt Caspar frustriert. Mit dieser Einstellung ist der Lederwarenhändler aber der Einzige in Sulz: Alle anderen Läden, die wieder öffnen dürfen, sind nun offen.

Die Mund-Nasen-Bedeckungspflicht beschert Zvjezdana Behringer-Vidovic von Dana Kreativ Design derzeit den Hauptumsatz. „Abstecken für die Änderungsschneiderei kann ich jetzt nicht, weil ich den Mindestabstand von 1,50 Metern zu den Kunden nicht einhalten könnte“, berichtet die Schneidermeisterin und Designerin. Sechs verschiedene Modelle für Gesichtsmasken hat „Dana“ entworfen, bis eine perfekt sitzende Abdeckung entwickelt war. Ärgerlich findet die Schneiderin, dass kaum noch Gummibänder erhältlich sind und die Preise dafür derzeit explodieren. Zum Reinigen empfiehlt Behringer-Vidovic, die Masken nach dem Tragen in einem Topf mit Wasser zu kochen.

Wenige Meter weiter beim Moden-Eck drapiert eine Angestellte die Frühjahrsmode ansprechend, was prompt eine Kundin in den Laden lockt. Desinfektionsmittel am Eingang und Klebeband als Abstandsmarkierung auf dem Boden deuten darauf hin, dass es sich um eine besondere Wiedereröffnung handelt. „Die Frequenz ist nicht vergleichbar mit normalen Tagen, aber vermutlich sind viele noch verunsichert oder gehen nicht gerne mit Maske einkaufen“, vermutet die Verkäuferin.

Bei der Blass-Erlebniswelt sind die rot-weißen Absperrbänder vor dem Spielwarenbereich wieder verschwunden, nur das separate Café bleibt geschlossen. „Der Abhol- und Lieferservice hat nur einen kleinen Teil des Umsatzes aufgefangen“, berichtet Geschäftsführerin Inga Elsayed. Durch die viereinhalbwöchige Schließung sind das Ostergeschäft und ein Teil des Schulranzenverkaufs weggebrochen.

Bei AWG in den Neckarwiesen muss sich jeder Kunde beim Betreten des Kleidergeschäfts einen Kleiderbügel nehmen. Deren Zahl ist begrenzt, da sich höchstens 21 Menschen in dem Laden aufhalten dürfen, Verkäuferinnen inklusive. „Vormittags war einiges los, heute Nachmittag ist es ruhiger“, berichtet eine Angestellte.

Am Ende der Bahnhofstraße bei Takko weisen Schilder die Kunden darauf hin, dass nicht mehr als 21 Leute gleichzeitig in dem Laden sein dürfen. Der Verkauf findet durch ein Loch in einer an der Decke aufgehängten Folie vor der Kasse statt, zu den Seiten hin haben die Verkäuferinnen aber freie Sicht. Eine Durchsage bittet die Kunden, nur die Waren anzufassen, die tatsächlich gekauft werden. Aufgeklebte Pfeile weisen einen festen Parcours in Einbahnstraßenregelung durch das Kleidungsgeschäft. Auskünfte zu Umsatzeinbußen dürfen die Takko-Angestellten nicht geben.

Bei Deichmann werden die Kundenströme durch Plastikchips gesteuert, die am Eingang in einem Karton bereitliegen. In dem offenen Raum dürfen sich höchstens 21 Menschen gleichzeitig aufhalten. Am frühen Nachmittag herrscht reger Betrieb. „Wir haben erstmal Großputz gemacht“, erzählt eine Angestellte. Der Umsatzverlust während der einmonatigen Schließung könne aber nicht mehr reingeholt werden. Ärgerlich und unverständlich findet die Mitarbeiterin, dass in den Filialen in Horb, Oberndorf und Balingen deutlich mehr los sei als in Sulz. „Das hängt sicherlich mit der hier gültigen Maskenpflicht zusammen“, vermutet die Frau.

Allgemein war beim Bummel durch Sulz am ersten Tag der Wiedereröffnung von 14 der 15 Einzelhandelsgeschäfte nach einmonatiger Schließung festzustellen, dass alle Verkäuferinnen in sämtlichen Läden und die große Mehrheit der Menschen unterwegs eine Mund-Nasen-Abdeckung trugen. Hinter vorgebundener Maske war zwar vereinzelt Kritik zu hören, doch die Mehrheit der Bürger scheint sich entweder damit abgefunden zu haben oder kauft woanders ein.