Weltmeister und VfB-Legenden in Empfingen
: Buchwald, Augenthaler, Kircher und Co. – dieser Fußball-Talk hatte es in sich

So viel Fußball-Prominenz sitzt in Empfingen und Region selten auf einer Bühne. Beim JAKO-Talk im Rahmen des SG-Empfingen-Jubiläums wird diskutiert, gelacht und manche Geschichte ausgepackt, die selbst die anderen Gäste überrascht.
Von
Florian Ganswind
Empfingen
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Prominente Runde beim JAKO-Fußballtalk in Empfingen: Moderator Michael Antwerpes (Mitte) diskutierte mit Guido Buchwald, Knut Kircher, Sven Schipplock, Timo Hildebrand, Ingo Haspel und Klaus Augenthaler über den Fußball von früher und heute.

Prominente Runde beim JAKO-Fußballtalk in Empfingen: Moderator Michael Antwerpes (Mitte) diskutierte mit Guido Buchwald, Knut Kircher, Sven Schipplock, Timo Hildebrand, Ingo Haspel und Klaus Augenthaler über den Fußball von früher und heute.

Florian Ganswind
  • Fußballtalk in Empfingen: Weltmeister Augenthaler und Buchwald diskutieren mit Experten.
  • Thema Nationalteam und Jürgen Klopp: hohe Erwartungen, Neustart mit jungen Spielern.
  • Wandel im Fußball: mehr Pressing und Tempo, Teamgeist bleibt Schlüssel, Anekdoten von 1990.
  • Druck auf Talente wächst durch NLZ und Social Media, Berater begleiten sehr früh.
  • Handspielregel bleibt umstritten, Kircher sieht Akzeptanz der aktuellen Linie, aber Unzufriedenheit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Das würde jedem Doppelpass alle Ehre machen“: Michael Antwerpes wusste gleich zu Beginn, welche prominente Fußballrunde da beim 100-jährigen Jubiläum der SG Empfingen vor ihm saß. Weltmeister Klaus Augenthaler und Guido Buchwald, Ex-Nationaltorwart Timo Hildebrand, der frühere Bundesliga-Stürmer Sven Schipplock, Spielerberater Ingo Haspel und der ehemalige FIFA-Schiedsrichter und Chef der Bundesliga-Schiedsrichter, Knut Kircher diskutierten beim JAKO-Fußballtalk in Empfingen im Rahmen des 100-jährigen Bestehens der SGE über den Fußball von heute und früher – und lieferten dabei reichlich Anekdoten.

Schon bei der Vorstellung wurde viel gelacht. Antwerpes erinnerte an Buchwalds Spitznamen „Diego“, den dieser nicht zuletzt seiner Leistung gegen Diego Maradona im WM-Finale 1990 verdankt. Anfangs sei ihm der Name unangenehm gewesen, erzählte Buchwald: „Diego war ein Fußballkünstler, ich war immer Arbeiter.“ Heute sei er stolz darauf. Manchmal könnten Menschen außerhalb Baden-Württembergs mit Guido Buchwald zunächst wenig anfangen. „Doch dann sehen sie mich und rufen: Diego.“

Kann Klopp zum Heilsbringer werden?

Schnell landete die Runde bei der deutschen Nationalmannschaft und Jürgen Klopp. Sind die Erwartungen zu groß? „Heilsbringer wird man sehen, wenn die Ergebnisse stimmen“, sagte Augenthaler. Klopp könne schließlich „nicht zaubern“. Dass er zunächst viele und auch junge Spieler ausprobiere, gehöre zum Neustart.

Kircher sieht vor allem die hohe Erwartungshaltung als Herausforderung. Klopp müsse letztlich liefern, habe aber eine besondere Stärke: „Er weiß, wie er die Menschen mitnehmen kann.“

Schipplock betonte aus Sicht eines ehemaligen Spielers die Bedeutung einer offenen Kommunikation. Jeder müsse wissen, woran er sei.

Teamgeist wie bei der WM 1990

Wie sehr hat sich der Fußball seit den Zeiten von Augenthaler und Buchwald verändert? Augenthaler musste nicht lange überlegen: „Dieses Pressing.“ Der Fußball sei wesentlich schneller geworden.

Beim Thema Teamgeist erinnerte Buchwald an die Weltmeisterschaft 1990. Eine erfolgreiche Mannschaft brauche Zusammenhalt. Das bedeute allerdings nicht, dass alle Spieler beste Freunde sein müssten.

Fußballgeschichten aus erster Hand: Das Publikum lauschte den Weltmeistern, Ex-Profis und Experten auf der Bühne aufmerksam.

Fußballgeschichten aus erster Hand: Das Publikum lauschte den Weltmeistern, Ex-Profis und Experten auf der Bühne aufmerksam.

Florian Ganswind

Wie dieser Zusammenhalt damals funktionierte, zeigte Augenthaler mit einer Geschichte aus Italien. Einige Nationalspieler seien abends essen gegangen und erst gegen 23.15 Uhr ins Hotel zurückgekehrt. Dort warteten Franz Beckenbauer, dessen Trainerteam und Journalisten. Ärger gab es nicht. Beckenbauer habe stattdessen sinngemäß verlangt, dass die Spieler nun noch ein Bier mit ihnen trinken.

Junge Profis stehen stärker unter Druck

Ernster wurde es bei der Frage, wie sich der Weg junger Spieler verändert hat. Hildebrand verwies auf die Professionalisierung und die internationale Konkurrenz. Er selbst habe mit 20 Jahren sein erstes Bundesligaspiel bestritten. Heute gebe es Spieler, die in sehr jungen Jahren bereits auf eine enorme Zahl von Profieinsätzen kämen.

Haspel, der mit seiner Sportconsulting-Agentur zahlreiche Profifußballer betreut, sieht die Nachwuchsleistungszentren inzwischen auch als Geschäftsmodell. Schon sehr junge Talente seien von Beratern umgeben.

Schipplock verwies vor allem auf Social Media. Junge Spieler seien heute viel „gläserner“. Kritik in sozialen Netzwerken und auf Plattformen könne weit unter die Gürtellinie gehen. Der öffentliche Druck sei entsprechend gestiegen.

"Du kennst doch Klaus Augenthaler nicht, oder?", fragte Michael Antwerpes Besucher Niklas (links). "Doch, den kenne ich", antwortete er und sorgte für Lacher. Zusammen mit seinem Freund Emil hörte er über 90 Minuten gebannt zu und freute sich später, dass auf seinem Trikot noch mehr Unterschriften landeten.

"Du kennst doch Klaus Augenthaler nicht, oder?", fragte Michael Antwerpes Besucher Niklas (links). "Doch, den kenne ich", antwortete er und sorgte für Lacher. Zusammen mit seinem Freund Emil hörte er über 90 Minuten gebannt zu und freute sich später, dass auf seinem Trikot noch mehr Unterschriften landeten.

Florian Ganswind

Auch Kircher kennt diese Entwicklung aus Sicht der Schiedsrichter. Bei Spitzenspielen seien die Unparteiischen und Spieler von Dutzenden Kameras umgeben. Früher sei das Verhältnis zwischen Spielern und Schiedsrichtern persönlicher und direkter gewesen. „Da sind Dinge auf dem Platz geblieben, wo sie auch hingehören.“

Kircher weiß, wovon er spricht: Der Rottenburger leitete 244 Bundesligaspiele, war FIFA-Referee und pfiff 2008 das DFB-Pokalfinale. Heute ist er Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH.

Handspiel? Selbst Kircher ist nicht zufrieden

Natürlich durfte Antwerpes auch eine der wohl meistdiskutierten Fußballfragen nicht auslassen: die Handspielregel. Ob er mit der aktuellen Regelung zufrieden sei, wollte Antwerpes von Kircher wissen. Die kurze Antwort: „Nein.“

Das Problem sei, objektive Kriterien für Situationen zu schaffen, in denen nur selten jemand tatsächlich absichtlich Hand spiele. Man habe deshalb versucht, verschiedene Merkmale zu definieren. Die derzeit gefundene Linie habe bei Spielern und Trainern eine hohe Akzeptanz, weshalb man zunächst daran festhalten wolle.

Hildebrand konnte die Debatte entspannt verfolgen: „Zum Glück war ich Torwart.“

„Wenn einer aufs Wappen zeigt ...“

Auch die Nachwuchsarbeit sorgte für Diskussionen. Augenthaler stellte die Frage, wie viele Spieler aus den zahlreichen Nachwuchsleistungszentren am Ende tatsächlich mit 18 oder 19 Jahren den Sprung in die Profimannschaft schaffen. Der Erfolgsdruck führe häufig dazu, dass Vereine doch wieder fertige Spieler verpflichteten.

Buchwald berichtete von seinem eigenen ungewöhnlichen Weg. Er spielte lange bei kleineren Vereinen, absolvierte eine Lehre als Elektroinstallateur und fuhr morgens zur Arbeit nach Stuttgart, bevor es anschließend zum Training nach Degerloch ging.

Beim VfB Stuttgart sieht der Weltmeister inzwischen wieder vieles positiv. Junge Spieler müssten jedoch über Ausleihen und Spielpraxis Schritt für Schritt an die Spitzenmannschaft herangeführt werden.

Bei einem Punkt sieht Buchwald den modernen Profifußball mit Skepsis: „Wenn heute einer auf das Wappen zeigt, weiß ich, dass er im nächsten Jahr wieder weg ist.“

Warum Schiedsrichter den Notausgang kennen

Kircher sorgte ebenfalls für einige Lacher. Antwerpes wollte wissen, ob Schiedsrichter zwangsläufig Pedanten seien. Wahrscheinlich habe keiner von ihnen einen Punkt in Flensburg. Kirchers trockene Antwort: „Doch.“

Klaus Augenthaler machte eine typische Haltung im Strafraum vor, um Handspiele zu vermeiden. Das störe ihn sehr.

Klaus Augenthaler machte eine typische Haltung im Strafraum vor, um Handspiele zu vermeiden. Das störe ihn sehr.

Florian Ganswind

Und noch eine Eigenheit des Berufs verriet der ehemalige Referee augenzwinkernd: Schiedsrichter hätten gerne einen Platz in der Nähe des Notausgangs. Schließlich müsse man nach manchem Spiel schnell wieder weg. In besonders brenzligen Stadien habe es für die Schiedsrichter sogar geschützte Garagen gegeben, beispielsweise in Darmstadt.

Augenthaler wiederum erzählte von seinen Platzverweisen. Nach einer unnötigen und übertriebenen roten Karte bei einem Europapokalspiel in Madrid habe er in der Kabine sämtliche Duschen aufgedreht, um den Lärm aus dem Stadion nicht mehr hören zu müssen.

„Hab Spaß am Fußball“

Zum Abschluss wurde es persönlich. Was würde Haspel einem 18-jährigen Fußballer mitgeben? Seine Antwort fiel denkbar einfach aus: „Hab Spaß am Fußball, das ist das Allerwichtigste.“

Hildebrand wurde gefragt, welchen Karriereschritt er heute nicht mehr machen würde. Seine Antwort: den Wechsel zum FC Valencia. Es sei „der falsche Verein zum falschen Zeitpunkt“ gewesen.

Guido Buchwald und Co. nahmen sich im Anschluss Zeit für Fotos und Autogramme.

Guido Buchwald und Co. nahmen sich im Anschluss Zeit für Fotos und Autogramme.

Florian Ganswind

Schipplock wiederum würde seinem 18-jährigen Ich raten, die Zeit noch bewusster zu genießen. Er sei damals unbekümmert in den Profifußball hineingegangen.

Und Augenthaler? Der ist zwar offiziell seit wenigen Wochen im Ruhestand, kann vom Fußball aber weiterhin kaum lassen. Nur laufen ohne Ball, berichtete er, sei überhaupt nichts für ihn: „Ich bin Fußballer und kein Marathonläufer.“

Nach eineinhalb Stunden voller Geschichten, Diskussionen und Gelächter hatte Antwerpes damit bewiesen, was er schon zwischendurch festgestellt hatte: Mit dieser Runde hätte man vermutlich auch fünf Stunden über Fußball sprechen können.