Polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Konstanz
: Im Kreis Rottweil steigen die Fallzahlen

Vor allem die Zunahme Tatverdächtiger im Kindesalter und der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung bereiten Sorge.
Von
NC
Kreis Rottweil
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Kampf gegen Kindesmissbrauch: ARCHIV - 28.11.2022, Hessen, Wiesbaden: Eine Ermittlerin der Besonderen Aufbauorganisation BAO Fokus (Fallübergreifende Organisationsstruktur gegen Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch von Kindern) sitzt im Landeskriminalamt Hessen vor einem Monitor mit Fotodateien. Vor einem Pariser Schwurgericht hat der Prozess gegen einen Mann begonnen, der Hunderte Vergewaltigungen von Mädchen auf den Philippinen in Auftrag gegeben und an seinem Computer direkt per Livestream verfolgt haben soll. (zu dpa: «177 Durchsuchungen im Kampf gegen sexuelle Gewalt») Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bedenklich ist hingegen die erhebliche Zunahme bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Anzahl dieser Delikte im Polizeipräsidiumsbezirk Konstanz nahezu verdoppelt. 2024 wurden 1057 Fälle registriert. Das bedeutet eine Zunahme um 29,7 Prozent, wobei der größte Teil dieses Zuwachses auf das vermehrte Aufdecken von Fällen der Kinderpornografie zurückzuführen ist.

Arne Dedert/dpa (Symbolfoto)
  • Polizeistatistik Konstanz 2024: Gesamtstraftaten leicht gesunken um 0,3% auf 35.119 Fälle.
  • Aufklärungsquote sank um 0,8 Punkte auf 68,9%, dennoch über Landesdurchschnitt.
  • Wohnungseinbrüche sanken um 7%, Aufklärungsquote verdoppelt.
  • Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung um 29,7% gestiegen, hauptsächlich Kinderpornografie.
  • Mehr häusliche Gewalt und Kinder als Tatverdächtige.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Konstanz verzeichnet im Jahr 2024 einen leichten Rückgang der Gesamtstraftaten um 0,3 Prozent auf 35.119. Zugleich sank die Aufklärungsquote um 0,8 Prozentpunkte auf 68,9 Prozent. Sie liegt damit aber wie in den Vorjahren auch immer noch deutlich über dem Landesdurchschnitt von 62,6 Prozent. Auch bei der Häufigkeitszahl, also Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner, liegt das Polizeipräsidium mit 4.379 unter dem Landeswert von 4.882, heißt es in der Pressemitteilung. „Vor allem die überdurchschnittliche Aufklärungsquote ist ein signifikanter Gradmesser für die erfolgreiche Polizei- und Ermittlungsarbeit im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung“, so Polizeipräsident Uwe Stürmer, der das Polizeipräsidium Konstanz derzeit kommissarisch leitet.

Weniger Wohnungseinbrüche

„Besonders erfreulich ist die Entwicklung im Bereich des Wohnungseinbruchs“, der das Sicherheitsgefühl der Betroffenen zumeist stark beeinträchtige, so Stürmer weiter. Hier sanken die Fallzahlen im Bereich des Polizeipräsidiums Konstanz nochmals um sieben Prozent auf 251 Fälle. Erfreulich sei zudem, dass die Täter dank bessere Sicherheitstechnik immer häufiger scheiterten. "Zudem hat sich die Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbrüchen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. So ist es gelungen, jeden dritten Einbruch aufzuklären, erklärt der kommissarische Leiter der Kriminalpolizeidirektion, Kriminaldirektor Simon Bihl."

Bedenklich sei hingegen die erhebliche Zunahme bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Anzahl dieser Delikte nahezu verdoppelt. 2024 wurden 1057 Fälle registriert. Das bedeutet eine Zunahme um 29,7 Prozent, wobei der größte Teil dieses Zuwachses auf das vermehrte Aufdecken von Fällen der Kinderpornografie zurückzuführen ist.

Mehr häusliche Gewalt

Aber auch die Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum sowie die Fälle häuslicher Gewalt haben deutlich zugenommen, wobei davon auszugehen sei, dass durch die vermehrten Aufklärungskampagnen gegen häusliche Gewalt die in diesem Bereich registrierten Zunahmen in nicht unerheblichem Umgang aus einer Aufhellung des Dunkelfelds resultieren.

Nachdenklich mache auch die Entwicklung der Zahl der Tatverdächtigen im Kindesalter. Wurden im Jahr 2020 noch 418 Kinder als Tatverdächtige registriert, stieg deren Zahl kontinuierlich an: in 2021 auf 483, im Jahr 2022 sprunghaft auf 622, in 2023 nochmals auf 687 und in 2024 auf den Höchstwert von jetzt 731 Tatverdächtigen – jeweils ohne ausländerrechtliche (siehe Infokasten) Verstöße. Auch wenn das dominierende Delikt Ladendiebstähle sind, so haben auch Körperverletzungen und Sachbeschädigungen deutlich zugenommen. Der Trend sinkender Hemmschwellen und eine teilweise höhere Gewaltbereitschaft sei damit auch bei den Kindern feststellbar, heißt es weiter.

Corona-Pandemie für negative Entwicklung verantwortlich?

Einem Teil junger Menschen scheine zunehmend die Fähigkeit abhandenzukommen, Konflikte kommunikativ zu lösen, stattdessen werde offenbar vermehrt auf die Anwendung von Gewalt gesetzt. „Auch wenn es nicht sicher belegbar ist, so scheint es doch naheliegend zu sein, dass diese negative Entwicklung mit auch auf die Corona-Pandemie zurückzuführen ist, zumal die Zahl der tatverdächtigen Kinder in dem Fünfjahreszeitraum zuvor relativ konstant war“, so Stürmer. Auch die Preissteigerungen und knappere finanzielle Mittel in den Familien könnten zu einem Anstieg der Ladendiebstahlsdelikte beigetragen haben.

„Umso wichtiger ist es, neben der Strafverfolgung vor allem mit Präventions- und Aufklärungsarbeit anzusetzen, um beginnende Delinquenz junger Menschen wo immer möglich, erst gar nicht entstehen zu lassen oder schon im Ansatz zu unterbinden“, so der kommissarische Leiter des Polizeipräsidiums Konstanz abschließend.

Die polizeiliche Kriminalstatistik im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz ist im Internet auf der Homepage des Polizeipräsidiums Konstanz veröffentlicht. Der Bericht stellt die Entwicklung der aktuellen Sicherheitslage dar. Durch eine detaillierte Aufarbeitung der verschiedenen Deliktsfelder und der Tatverdächtigen wird die Kriminalitätsbelastung im gesamten Präsidiumsbereich, aber auch aufgeschlüsselt für die einzelnen Landkreise abgebildet.

Im Bereich der sogenannten Rohheitsdelikte (gefährliche Körperverletzung, einfache Körperverletzung, räuberische Erpressung, Erpressung, Bedrohung) treten nichtdeutsche Tatverdächtigen laut Statistik im Präsidiumsbereich 2024 hauptsächlich bei den Körperverletzungen mit 1429 (2023: 1285) Tatverdächtigen, bei den Diebstahlsdelikten hauptsächlich beim Ladendiebstahl mit 1381 (2023: 1376) Tatverdächtigen auf. Der Anteil Flüchtlinge ist insbesondere bei den Körperverletzungen mit 332 (2023: 274) zunehmend. Bei den Ladendiebstählen mit 299 (2023: 374) Tatverdächtigen ist ein Rückgang feststellbar.

Verschiedene Nationalitäten

Die 10 häufigsten Nationalitäten bezogen auf Straftaten ohne Ausländerrecht bei nichtdeutschen Tatverdächtigen sind laut der polizeilichen Kriminalstatistik: 1. Rumänien 870, 2. Syrien 496, 3. Ukraine 480, 4. Italien 471 (472), 5. Türkei 454, 6. Schweiz 247, 7. Kosovo 225, 8. Polen 203, 9. Afghanistan 196 und 10. Kroatien 194. Bei Flüchtlingen gibt das Polizeipräsidium folgende Zahlen bekannt: 1. Syrien 242, 2. Ukraine 209, 3. Afghanistan 106, 4. Tunesien 77, 5. Algerien 76, 6. Marokko 49, 7. Georgien 47, 8. Türkei 44, 9. Irak 35, 10. ungeklärt 30.

Im Präsidiumsbereich Konstanz wurden laut Statistik im vergangenen Jahr 8014 (2023: 7432) Menschen Opfer von Straftaten. 3.860 der Opfer stehen in einer sozialen Beziehung zum Täter (Ehe- und Lebenspartner, Beziehungen, Bekanntschaften, soziale Kontakte). Bei 4154 Opfern besteht keine Vorbeziehung oder diese Vorbeziehung bleibt ungeklärt. 21 (2023: 19) Fälle von Straftaten gegen das Leben wurden registriert. Dabei handelt es sich um 4 (2023: 4) Morde, 15 (2023: 9) Totschlagsdelikte und 2 (2023: 3) Fälle der fahrlässigen Tötung. In 15 Fällen blieb es beim Versuch. Die Aufklärungsquote liegt laut Mitteilung bei 95,2 Prozent (2023: 94,7 Prozent).

Landkreis Rottweil

Der Landkreis Rottweil verzeichnet laut Statistik neben steigenden Fallzahlen auch einen Anstieg der Aufklärungsquote. 5045 Fälle wurden 2024 gemeldet (im Vorjahr 4768), 3533 konnten aufgeklärt werden – das entspricht eine Quote von 70 Prozent (im Vorjahr 66,6 Prozent). Die größte Steigerung bei den absoluten Fallzahlen ist in der Stadt Rottweil mit einem Plus von 196 auf 1621 Fälle (2023: 1425) zu verzeichnen. Aber auch beim Polizeirevier Oberndorf, dem Sulz zugeordnet ist, ist ein Anstieg zu vermelden. Zudem liegt der Landkreis Rottweil bei den Straftaten ohne Ausländerrecht deutlich über dem 5-Jahres-Mittelwert von 4343.

Was ist das Ausländerrecht?

Das Ausländerrecht ist ein Teil des besonderen Ordnungsrechts, das im Kern die Einreise und den Aufenthalt von Menschen regelt, die nicht die Staatsangehörigkeit des Aufenthaltsstaates besitzen. Diese Regelungen finden sich vorrangig im Aufenthaltsgesetz.