OB Sonder besucht Firma: 65.000 Tonnen Müll pro Jahr: So arbeitet Remondis in Freudenstadt

Oberbürgermeister Adrian Sonder und die städtische Wirtschaftsbeauftragte Elke Latscha (links) mit Remondis-Niederlassungsleiterin Alexandra Bähr.
Rath/Stadtverwaltung- OB Adrian Sonder besucht Remondis in Freudenstadt – 65.000 Tonnen Müll jährlich verarbeitet.
- Neue Halle soll ab nächstem Jahr Gerüche, Lärm und Abfall reduzieren – digitale Technik geplant.
- Umstellung auf Gelbe Tonne statt Säcke im Gespräch – Calw macht positive Erfahrungen.
- Herausforderungen: Fachkräftemangel, Azubi-Gewinnung und respektvoller Umgang gefordert.
- Tipps: Mülltrennung optimieren, Akkus sicher entsorgen, Plastikbecher nicht ausspülen.
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Ohne Dienstleister wie diesen würden Stadt und Landkreis im Müll versinken: Adrian Sonder hat zuletzt die Freudenstädter Niederlassung der Firma Remondis besucht. Zusammen mit der städtischen Wirtschaftsbeauftragten Elke Latscha besichtigte der Oberbürgermeister den Betrieb in der Robert-Bürkle-Straße, um mehr über das Unternehmen zu erfahren, über neue Konzepte zu sprechen und den rund 70 Mitarbeitern um Niederlassungsleiterin Alexandra Bähr Dank und Respekt für die oft schwierige Arbeit auszusprechen. „Wir alle sind es gewohnt, dass Abfall und Wertstoffe regelmäßig abgeholt werden. Der Wert dieser Dienstleistung wird vielen erst richtig bewusst, wenn sie mal nicht wie gewohnt funktioniert“, wird Sonder in einer städtischen Mitteilung zitiert.
Seit mehr als 20 Jahren hat die Remondis-Gruppe ihren Standort in Freudenstadt. Der Vertrag mit dem Landkreis wurde nach der Ausschreibung erneut verlängert. Damit hat die Niederlassung, die mit 30 Lastwagen in den Kreisen Freudenstadt, Calw und Zollernalb im Einsatz ist, Planungssicherheit. Remondis sammelt Abfall und Wertstoffe von Privathaushalten und Unternehmen in der Region ein, darunter Restmüll, Sperrmüll, Kunststoffe, Glas, Bioabfälle und Papier. „Eigentlich alles außer Sondermüll“, sagt Bähr. Rund 65.000 Tonnen kommen jedes Jahr zusammen. „65 Prozent davon entfallen auf den kommunalen Bereich.“
Das Material wird laut der Mitteilung in Freudenstadt gesammelt, sortiert, zwischengelagert und für die Weiterverarbeitung vorbereitet. Obwohl jeder die Arbeit schätze, wolle nicht jeder einen solchen Betrieb in der Nachbarschaft haben, sagt Bähr. Remondis wolle am Standort investieren, plane eine neue Halle. Der Bau soll nächstes Jahr starten. „Mit der neuen Halle wird es deutlich weniger Gerüche, Lärm und weggewehten Abfall geben“, erklärt die Niederlassungsleiterin. Digitale Technik soll helfen, Fremdstoffe schon beim Abladen zu erkennen, damit sie sofort aussortiert werden können.
Straßenbild „ein großes Thema“
Ein großes Problem sei es, neue Mitarbeiter zu finden, vor allem Kraftfahrer. Die Kolleginnen und Kollegen kämen aus fast einem Dutzend Ländern, was die Kommunikation bisweilen erschwere. Froh ist Bähr, drei neue Auszubildende gefunden zu haben, zwei für den kaufmännischen Bereich und einen angehenden Berufskraftfahrer. Bähr lobt dabei das Azubi-Speed-Dating, an dem die Stadt beteiligt ist.
Ansonsten sieht sie den Kreis auf einem guten Weg, was neue Konzepte in der Entsorgung angeht. „Da ist einiges in Bewegung.“ Das Ende der Sperrmüll-Straßensammlungen ist besiegelt. Künftig soll es Abfuhr auf Anmeldung geben. Auch für Sonder eine gute Nachricht: „Das Straßenbild ist für uns als Tourismusstadt ein großes Thema.“
Dazu würde auch die Umstellung von Säcken auf die gelbe Tonne beitragen. „Das macht vieles einfacher und vor allem sauberer“, sagt Bähr. Calw habe umgestellt und gute Erfahrungen gemacht. „Im Landkreis Calw ist es ein Mischsystem aus Tonnen und Säcken. Anders funktioniert es auch nicht. Sonst wäre auf eine 240-Liter-Tonne schnell voll, wenn jemand einen neuen Fernseher kauft und viel Styropor entsorgen muss.“ Sonder bestätigt laut der Mitteilung, dass es auch sein Wunsch ist, dass der Landkreis die Wertstofftonne einführt.
Respektvoller Umgang gefordert
Aktuell sei Remondis dabei, alle Straßen zu erfassen und Lösungen zu entwickeln, in denen die Zufahrt mit den Müllfahrzeugen schwierig bis unmöglich ist. Dazu zählen Sackgassen. Nächstes Projekt sei ein „24-7-Wertstoffhof“ zur Selbstanlieferung. Anmeldung und Zutritt sollen über eine App geregelt werden. „Remondis hat das bereits in einigen Städten bundesweit getestet und im Einsatz. Es funktioniert“, weiß Bähr. Das wäre auch für die Niederlassung in Freudenstadt denkbar.
Möglich sei es auch, mit einer Tonne verschiedene Wertstoffe zu sammeln, etwa in einer Woche Papier und in der anderen Woche Altglas. Die Fahrzeuge von Remondis seien für Chip-Tonnen ausgerüstet. Dann erkenne die Technik, ob für den Behälter auch Müllgebühr an den Landkreis bezahlt wird. Manche Leute seien sehr erfinderisch, wenn es darum gehe, die Gebühr zu umgehen.
Der Wunsch von Remondis an die Stadt wären Lkw-Stellplätze, wo die Fahrer über Nacht stehen oder ihre vorgeschriebenen Lenkzeit-Pausen verbringen können. Ansonsten hängt laut Bähr von den Bürgern viel ab, wie gut die Entsorgung funktioniert: „Eine gute Sortierung von Abfall und Wertstoffen erleichtert uns die Arbeit enorm.“ Dasselbe gilt für Geduld von Autofahrern und ein respektvoller Umgang mit den Mitarbeitern: „Ein bisschen mehr Verständnis wäre toll. Die Kollegen müssen sich teils unglaubliche Dinge und Hupkonzerte anhören. Sie leisten schwere Arbeit. Daher freuen sie sich über Respekt und jedes freundliche Wort“, sagt Bähr.
Tipps von Remondis zur Müllentsorgung
- Eine saubere Trennung von Restmüll und Wertstoffen erhöht die Recyclingquote. Wenn bei einem Joghurtbecher der Aludeckel nicht abgezogen wird, kann er nicht recycelt werden, sondern wird erst mal aussortiert.
- Plastikbecher müssen nicht ausgespült werden. Das ist Wasserverschwendung. Das Material wird in der Recyclinganlage ohnehin gereinigt.
- Kein Plastik und auch keine kompostierbaren Kunststoff-Biomüllbeutel gehören in die braune Tonne. Die Umschlagzeit in der Bioabfall-Vergärungsanlage in Freudenstadt ist zu kurz. Sie verrotten nicht, sondern stören die Abläufe in der Anlage.
- Keine Akkus oder leeren E-Zigaretten in den Gelben Sack oder den Hausmüll werfen, sondern an Batteriesammelstellen entsorgen. Sie stellen ein hohes Brandrisiko in Sortierhallen und Sammelfahrzeugen dar.
